Montag, 26. August 2019
Mittwoch, 4. Oktober 2017

TORGAU

Torgauer "Ornament" zu Luthers Kirchweih

Philipp FritzscheFoto: Gabi Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

TORGAU. Im Ergebnis eines Ideenwettbewerbes eröffnet am 7. Oktober, 14 Uhr, Oberbürgermeisterin Romina Barth das Kunstprojekt „Ornament“ mit Installationen im öffentlichen Raum (TZ berichtete). Die Redaktion war dazu mit dem Projektleiter Philipp Fritzsche, freiberuflicher Künstler aus Leipzig, im Gespräch.

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TZ: Herr Fritzsche, was ist die Vorgeschichte dieses Projektes?
Ph. Fritzsche:
Die Stadtgeschichte. Renaissance und Reformation waren prägend für Torgau und hinterließen viele Spuren. Das findet sich auch heute noch in Formen wieder, die ornamental interpretiert werden können. In Kooperation mit dem Bund Bildender Künstler Leipzig wurde ein Wettbewerb initiiert, der solche Details auf besondere Weise sichtbar machen soll. Eine Fachjury hat vier Entwürfe ausgewählt, die nun – nach konkreter Absprache mit der Stadt – zeitweilig im öffentlichen Raum präsentiert werden. Dass die Eröffnung im Rahmen des Festes „Luthers Kirchweih“ stattfindet, macht einen besonderen Reiz aus.

Was wird zu sehen sein, vor allem wo?
In der Franziskanergasse bringt Ina Geißler ihre Installation „Einander“ an. Das ist ein farbiger Buchstabenteppich aus Worten, die einen Vorhang bilden. Dieser wird durchlässig bleiben. Es sind Worte wie Einander-Aufeinander-Zueinander-Miteinander, durch die jeder hindurchgehen kann.
An der Nikolaikirche installiert Hannah Schneider „Shine – Glanz für Nikolai“, eine Spiegelfassade, die die Form des Gebäudes hervorhebt, aber auch als Rückblende fungiert.
Im Hof des Hahnemann-Hauses lenkt das Objekt „Stargate“ von Alessandra Donnarumma den Blick zum Himmel  und wieder zurück zur Erde. So soll sich - im Wissen um den Torgauer Mediziner und Naturforscher Johann Kentmann – ein Sternentor öffnen.
Als Einladung zum virtuellen Rundgang durch die Stadt ist das Projekt von Anett Lau zu verstehen. Sie nennt es „Leben und Tod rungen“, ausgehend von einem Gedicht Martin Luthers und vom Motiv der Arabeske, das in Torgau sehr präsent ist. Ein QR-Code an einer Säule lädt ein, sich entlang dieser Rankenornamente den Weg durch die Stadt zu bahnen. Dazu gibt es auch eine Webseite.

Das hört sich alles spannend an, dürfte aber neben Pro auch Kontra provozieren ...
Bestimmt. Zur Kunst – und besonders zu der im öffentlichen Raum – gibt es nun mal unterschiedliche Meinungen. Die kann gern kontrovers diskutiert werden. Jeder Künstler ist gespannt auf die Wirkung seines Werkes.

Für Torgau ist es nicht das erste Kunstprojekt. Sie selbst haben solche schon zweimal begleitet.
Das war 2012 unter dem Titel „Unter der Oberfläche“ und 2014 „Am Fluss – im Fluss“. Einige der damaligen Installationen existieren noch immer und bereichern das Stadtbild, so zum Beispiel die Lachsparade im Fischerviertel und das Holzornament am Ringverkehr unterhalb der Brücke. Und der Rote Borstenpfad ist noch immer Gesprächsthema.

Es scheint, als wäre Torgau ziemlich offen für solche – sagen wir mal - künstlerischen Experimente?
Der Eindruck ist richtig. Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist sehr erfreulich.

Wie ist das anderswo?
Da sind große Unterschiede. Es gibt oft sehr wenig Verständnis dafür, kaum Widerhall. Natürlich ist der Aufwand jedes Mal sehr groß, die Absprachen nehmen Zeit in Anspruch, weil es viel zu klären gibt – bis hin zu Versicherungsfragen. Doch letztendlich profitiert die Stadt davon.

Wer bringt die Installationen an, und wie lange sind sie zu besichtigen?
Die Künstlerinnen selbst kümmern sich um die Montage – gemeinsam mit ortsansässigen Handwerkern. Dazu wurden schon vor Wochen Angebote eingeholt. Durch diese Kommunikation lernen die Künstlerinnen die Stadt etwas kennen -und andersherum ebenso. Da es sich um Installationen handelt, die für einen begrenzten Zeitraum geschaffen sind, werden diese vermutlich im Dezember wieder entfernt. Es gibt also nur eine gewisse Zeit die Möglichkeit, Torgau auf diese Art zu entdecken. Ich hoffe, die Bürger und Gäste sind guten Mutes und lassen sich darauf ein.

Gibt es eine spezielle Führung dazu?
Im Anschluss an die Eröffnung am Samstag, 14 Uhr, kann man sich  der Leipziger Kunstwissenschaftlerin Heidi Stecker anschließen, die das Projekt betreut hat.


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