Freitag, 24. November 2017

 
Samstag, 21. Januar 2017

DOMMITZSCH

Trossins Bürgermeister Bringfried Otto im großen TZ-Jahresinterview

Bringfried Otto vor dem Feuerwehr-Gerätehaus. In der ehemaligen Trossiner Schule sind auch Kita und Rettungsdienst untergebracht. Derzeit läuft im Gebäudekomplex der Umbau. Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Trossin. Im großen TZ-Jahresinterview gibt Trossins Bürgermeister Bringfried Otto Auskunft über das Kita-Projekt, größere Investitionen der Gemeinde, Flüchtlinge, Feuerwehr und Sorgenkinder.

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TZ: Die Auflagen für die Kita hinsichtlich Brandschutz und Sicherheit waren ein Schock. Nach gut zwei Jahren läuft jetzt endlich der Umbau. Wie ist der Stand?
B. Otto:
Der Bereich, in dem sich Feuerwehr und Rettungsdienst befinden, ist fertig. Es gibt eine neue Fluchttreppe. Wir mussten zwischendrin Brandabschnitte einrichten, mit Glastüren, Glaswand, mit separatem Rauchabzug und Hausalarm. Wer also zum Versammlungsraum will, muss jetzt durch zwei extra Türen. Alle anderen Türen sind größer und breiter.

Ist der Rettungsdienst wieder im Gebäude drin?
Das war er die ganze Zeit. Und da muss ich meinen Dank aussprechen: Alle Arbeiten finden bei laufendem Betrieb statt. Ich bin froh, dass alle Mitarbeiter die Einschränkungen so hinnehmen und mit tragen – auch in der Kita.

Derzeit sind die Handwerker im linken Flügel, also in der Kita: Was wird gemacht?
Die alte Fluchttreppe aus Holz wurde im Dezember abgerissen. Die Fundamente für die neue aus Metall sind bereits gegossen. Bis Mitte Februar soll die Konstruktion stehen. Die neue Fluchttreppe wird bei einer Firma in Sachau hergestellt. Darüber hinaus laufen die Arbeiten in der Küche, in den Kita-Gruppenräumen und im Mehrzweckraum. Die Kinder sind schon Mitte Dezember in den Feuerwehr-Flügel umgezogen, nutzen den Versammlungsraum und den neuen Hortraum.

Lässt sich einschätzen, wann der Umbau geschafft ist?
Ich gehe davon aus, dass Mitte März wieder der Hauptbetrieb in den gewohnten Räumen möglich ist. Wir möchten dann im Frühjahr auch eine zünftige Einweihung feiern, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist. Viele Gewerke laufen parallel. Etwa fünf bis sechs Firmen führen die Aufträge aus.

Über die behördlichen Auflagen und Mängel wurde im Vorfeld hart gestritten und diskutiert. Gerade weil die Kita erst seit 2000 im Gebäude existiert. Was musste denn noch verändert werden?
Alle Türen waren zu erneuern und ein Treppengeländer einzubauen, das Glas der Fenster war gegen Sicherheitsglas zu tauschen, wir mussten einen Fluchtweg zum Ausgang Parkplatz/Turnhalle herstellen, die Elektrik in einem separaten Raum unterbringen. Alles in allem dürfte eine halbe Million Euro zu Buche stehen.
 
Ist die Kita wenigstens gut ausgelastet?
Mit der Betriebserlaubnis könnten dann wieder 89 Kinder aufgenommen werden. Derzeit haben wir etwa 75 Kinder im Haus. Es ist gut, immer noch etwas Spielraum zu haben, um bei neuen Anträgen gleich reagieren zu können. Die Zahlen sind stabil.

Bleibt der Kita-Umbau die einzige Großinvestition in der Gemeinde?
Nein, es finden sich weitere Vorhaben im Doppelhaushalt 2017/18 wieder, der gerade erstellt wird. Zum Beispiel die Schaffung barrierefreier Bushaltestellen. Wir rechnen mit rund 400 000 Euro Gesamtkosten in den nächsten zwei Jahren, erhalten aber 90 Prozent Fördermittel. Immerhin 19 Haltestellen befinden sich im Gemeindegebiet – angefangen von Trossin, Dahlenberger Straße bis Roitzsch, Abzweig Jagdhaus. Wir wollen schon dieses Jahr anfangen, um der neuen EU-Verordnung zu entsprechen. Vorgeschrieben sind Höhe und Breite der Bordkanten, Riffelsteine für Blinde etc. Etwa 20 000 Euro pro Haltestelle fallen an.

Mehr ist nicht geplant?
Doch. Wir wollen die Verbindungsstraße von Dahlenberg nach Falkenberg ausbauen. Die Strecke wird vom Schulbus und von vielen anderen Fahrzeugen genutzt. Seit sechs Jahren – seit meinem Amtsantritt – zieht sich dieses Projekt wie ein roter Faden lang hin. Wir hatten schon einmal Fördermittel beantragt. An der Betonstraße sind ständig Reparaturen nötig, wir haben die Fahrbahn sogar schon verbreitert.

Was kostet dieses Vorhaben?
Rund 615 000 Euro insgesamt. Wir wollen die Arbeiten über zwei Jahre strecken, in zwei Abschnitten bauen. Es sind auch einige Durchlässe zu erneuern. Aber 55 000 Euro haben wir auch für die Feuerwehr eingeordnet.

Ist die Truppe wieder einsatzbereit?
Ja klar, wir haben jedes Jahr in die Feuerwehr investiert, 2016 zum Beispiel in Atemschutz, Digitalfunk, Strahlrohre, Schläuche. Tagsüber in der Woche könnte es problematisch sein, genügend Kräfte zusammen zu bekommen. Aber dieses Problem ist der Demografie geschuldet. Das haben andere Gemeinden auch.

Sie spielen auf sinkende Bevölkerungszahlen an? Wie ist die Situation?
Nicht mehr so dramatisch, wie vielleicht in den 90er Jahren oder Anfang 2000. Dennoch ist die Zahl rückläufig. Wir haben aber auch junge Familien, die in die Gemeinde Trossin ziehen. Einen Eigenheimstandort gibt es nicht, aber Lücken zum Bebauen und Grundstücke, die übernommen werden können.

Hat sich die Kommune um Zuschüsse aus dem Finanzpaket „Brücken in die Zukunft“ bemüht?
Ja, wir haben Fördermittel beantragt. Wir wollen das Dach des Gemeindeamtes erneuern und in der Kita/Feuerwehr eine neue Heizungsanlage installieren. Es sind zwei Großinvestitionen.

Die Frist zur Umrüstung der Abwasseranlagen lief zum Jahresende aus. Wie ist die Stimmung unter den Grundstücksbesitzern?
Ich denke, viele sind froh, dass das Thema erledigt ist. Fast alle haben es geschafft.

Gibt es Überlegungen, aus dem AZV Dommitzsch auszutreten?
Der Verband ist für die Überwachung der Kläranlagen verantwortlich und übernimmt auch die Leerung der Sammelgruben und biologischen Anlagen. Als Gemeinde hätten wir gar nicht das Personal dazu.

Trossin ist sehr ländlich geprägt. Macht sich die Preiskrise in der Landwirtschaft bemerkbar?
Natürlich hatte das einen Einbruch bei der Gewerbesteuer zur Folge. Uns fehlen jährlich 100 000 Euro. Größter Steuerzahler ist die Firma Süptitz Transporte, danach kommt die Firma Jahnke/Remane Elektrotechnik.

Das Thema Flüchtlinge sorgt deutschlandweit für Gesprächsstoff. Wie ist die Lage in Trossin?
Nach wie vor sind zwölf „Umas“ (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) im Gutshaus untergebracht. Mir ist aktuell nicht bekannt, dass es irgendwelche Probleme gibt. Einige junge Leute haben sich schon im Volleyballverein mit eingebracht. Vom Vereinschef der Trossiner Biber kam die klare Aussage: Wer Sport machen will, ist herzlich willkommen.

Die Brandruine in Dahlenberg und die SESSGU-Blöcke in Trossin sind seit Jahren Problem-Grundstücke – Sorgenkinder für die Gemeinde?
Was die frühere Gaststätte betrifft, so sind die Eigentümer aus dem Raum Eilenburg schwer zu erreichen. Sie zahlen aber Grundsteuern, so dass die Möglichkeiten für die Gemeinde begrenzt sind. Auch die Trossiner Blöcke werden uns wohl noch eine Weile beschäftigen. Über ein Anwaltsbüro haben wir recherchiert, dass es in der Schweiz noch eine Schwesterfirma der SESSGU gibt. Wir versuchen, eine Kontaktaufnahme zu erreichen. Zwei bis drei Mieter wohnen sogar noch in den Blöcken, die allerdings nur Betriebskosten entrichten. Natürlich sind wir nicht glücklich über den Anblick dieser Immobilien, um die sich niemand mehr kümmert.

 

Gemeinde Trossin:  

Einwohner (Stand 18.1. 2017): 1312
Fläche: 79,68 Quadratkilometer
Steuersätze: Grundsteuer A 310
                     Grundsteuer B 415
                     Gewerbesteuer 390
Pro-Kopf-Verschuldung: 206 Euro je Einwohner

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