Donnerstag, 20. Juli 2017

 
Samstag, 28. Januar 2017

OSTELBIEN

"Wir sind näher zusammen gerückt"

Bürgermeister Holger Reinboth vor der Karte mit den Ortsteilen der Gemeinde Arzberg. Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Arzberg. Im großen TZ-Jahresinterview spricht Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth über eine Einladung des Falkenberger Bürgermeisters, Entwicklungschancen im OMA-Haus, Nachbarschaftsbeziehungen zu Brandenburg und über Asylbewerberzahlen.

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TZ: Viele große Kommunen verzichten mittlerweile auf einen Neujahrsempfang. Die kleine Gemeinde Arzberg hält daran fest und kann sogar noch Prominenz begrüßen. Was sind die Beweggründe?
H. Reinboth.
Wir hatten fast 50 Besucher und sind mit der Resonanz sehr zufrieden. Es ist eine Gelegenheit, die gute Zusammenarbeit mit Vereinen und verdienstvollen Partnern zu würdigen und die Nachbarschaftsbeziehungen zu Beilrode, Torgau sowie Belgern-Schildau zu pflegen und gemeinsam auf Erreichtes zurückzublicken. Ich habe mich gefreut, die Bürgermeister begrüßen zu können ebenso wie den Bundestagsabgeordneten Marian Wendt, den Landtagsabgeordneten Frank Kupfer und Sozialdezernentin Heike Schmidt in Vertretung des Landrates. Natürlich geht es auch darum, die kleine Gemeinde Arzberg ins Gespräch zu bringen und den neuen Bürgerbus erstmals zu präsentieren.

In anderen Gemeinden sind solche Feste dem Sparzwang zum Opfer gefallen!
Man muss es ja nicht ausarten lassen. Die Kosten bleiben im überschaubaren Rahmen. Das kulturelle Programm gestalten Nachwuchskünstler der Grundschule, die Verpflegung wird im Mehrgenerationenhaus handgemacht und den Festvortrag hält der Bürgermeister noch selbst. Wir haben 2009 als Ostelbienverein damit angefangen, parallel zum Empfang der Gemeinde damals unter Hartmut Krieg. Seit 2015 läuft es als gemeinsame Veranstaltung. Und wir gewähren unseren Gästen dabei auch Einblicke ins OMA-Haus.

Auf wie festen Füßen steht diese Einrichtung nun eigentlich?
Wir konnten seit 2008 zwei Förderperioden erfolgreich durchlaufen und sind auch für die dritte Förderperiode bis 2020 bestätigt. Damit ist die Zukunft des OMA gesichert. Wir haben in den letzten Jahren sehr viel in die Ausstattung investiert, zuletzt in einen Brennofen für die Kreativwerkstatt. Über 40 Angebote sind im Programm – von Nähstube, Krabbelgruppe, Kreativkursen, Sprachkursen für Asylbewerber bis hin zum traditionellen Kaffeeklatsch am Donnerstagnachmittag. Auch personell sind wir gut aufgestellt mit Claudia Richter als hauptamtliche Leiterin und einem Dutzend Mitstreiter. Ein Teil über Förderprojekte finanziert wie Bufdis, Ein-Euro-Jobber, Alltagsbegleiter, der Rest über Ehrenamtspauschale.

Wo sehen Sie noch Entwicklungsmöglichkeiten?
Es sind viele Senioren aktiv. Das OMA-Haus ist für die Gemeinde wichtig bei der Bewältigung des demografischen Wandels. Wir möchten aber auch noch die Jugend und junge Familien erreichen und für sie mehr Angebote entwickeln. Es ist aber schwierig. Die älteren Schüler besuchen oft bis zum Nachmittag die Oberschule in Beilrode, danach müssen sie Hausaufgaben machen. Da fehlt die Zeit.

Existieren in der Gemeinde Jugendclubs?
Arzberg hat im Rosenholz einen eigenen Jugendclub. Die Besucher verwalten sich selbst, weil leider kein Betreuer mehr zur Verfügung steht. In Triestewitz wird ein ehemaliger Bauwagen genutzt. Die Ortsbewohner haben eine Beachvolleyballanlage gebaut, führen auch Veranstaltungen durch wie zuletzt das Weihnachtsbaumverbrennen.

Arzberg ist Randgemeinde. Gibt es eigentlich auch Kontakte nach Brandenburg?
Ja, wir haben erstmals eine Einladung nach Falkenberg/E. zum Neujahrsempfang erhalten und ich freue mich sehr, dass uns Bürgermeister Herold Quick einbezieht. Es ist zu spüren, dass wir als Gemeinden näher aneinander gerückt sind. Wir haben auch Partner in Mühlberg und in Uebigau-Wahrenbrück und dabei schon thematische Gespräche geführt. Das wollen wir fortsetzen.

Welche Themen sind aktuell?
Wir könnten zum Beispiel technische Denkmale gemeinsam vermarkten, beim Tourismus enger zusammenarbeiten. Mit Mühlberg gibt es die Zusammenarbeit beim Hochwasserschutz und mit Falkenberg den Kontakt durch das Projekt Lutherweg, der von Torgau nach Herzberg führen soll. Auch der öffentliche Nahverkehr und die S-Bahn-Anbindung wären Themen.

Hat auch die Bevölkerung einen gewissen Bezug zu Brandenburg oder wirkt die Landesgrenze wie eine unsichtbare Mauer?
Ich denke, dass es auch viele familiäre Verbindungen in den Elbe-Elster-Kreis gibt und selbst die Vereine tauschen sich aus. So mancher sucht regelmäßig einen Arzt in der Brandenburger Region auf und zum Einkaufen geht es oft nach Falkenberg. Umgekehrt fahren viele Falkenberger lieber nach Torgau zum Einkaufen als nach Herzberg. Einige Bewohner des Brandenburger Umlandes nutzen Beilrode als Einstiegsort für die Bahn.

Ostelbien ist ja für seine Schlösser und Herrenhäuser bekannt. Unsere Zeitung hat die Wahrzeichen letztes Jahr vorgestellt. Wie ist jetzt die Situation?
Für das leerstehende Schloss Kathewitz gibt es meines Wissens noch kein Nutzungskonzept. Triestewitz und nach einer Pause auch Pülswerda bieten Beherbergung an, Kamitz dient als Wohnobjekt und für Adelwitz ist leider noch kein Käufer gefunden. Das Technologiezentrum Adelwitz hat sich in Torgau etabliert. Solange die Zukunft offen ist, ist es für uns als Gemeinde schwierig. Umso mehr freuen wir uns über die Aktivitäten des Adelwitzer Reitvereins mit Pferdepension und Reitangeboten für Kinder. Da möchte ich in diesem Zusammenhang auch gleich mal das Engagement des Arzberger Tierheimes loben – ein Alleinstellungsmerkmal für die Region. Die sehr rührigen Mitarbeiter kümmern sich um Katzen und Igel.

Wie steht es mit den Kindereinrichtungen in der Gemeinde?
Wir haben eine zentrale Kita für alle 18 Ortsteile in Arzberg, die sehr gut belegt ist. Wir mussten auch die Kapazität erhöhen. Die 175 Plätze sind fast komplett belegt. Die Nähe zur Grundschule und zum OMA-Haus ist günstig. In der Grundschule hoffen wir, die 15 Erstklässler – die wir brauchen – wieder zusammenzubekommen. So viele Kinder wie lange nicht besuchen die Einrichtung – über 70 Schüler in vier Klassen. Von der Ausstattung bis hin zu Ganztagsangeboten sind wir bestens aufgestellt. Über das Projekt Brücken in die Zukunft fließen 2018 über 100 000 Euro in die energetische Sanierung des Gebäudes. 25 000 Euro aus diesem Programm fließen noch in die Modernisierung der Sanitäranlagen in der Turnhalle.

Für den Straßenbau stehen wie berichtet 180 000 Euro zur Verfügung?
Ja, damit soll der Kölsaer Weg in Kötten in Ordnung gebracht werden. Auch in anderen Ortsteilen sind Instandsetzungsmaßnahmen angedacht.

Asylbewerber waren 2015 ein großes Thema. Wie ist der Stand?
Es kommen weniger als erwartet. Damit dürfte das Projekt in Köllitsch hinfällig sein. Eine Berliner Firma wollte hier Wohnblöcke zur Unterbringung herrichten und eine Investruine aus den 90er Jahren zu Ende bauen. Derzeit leben zwei Familien mit neun Personen direkt in Arzberg. Sie stammen aus Syrien und Libyen. Die Kinder der libyschen Familie besuchen Kita und erste Klasse und sind gut integriert. 

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