Donnerstag, 20. Juli 2017

 
Montag, 6. Februar 2017

DOMMITZSCH

Bürgermeister im Jahresinterview

Elsnigs Bürgermeister Karlheinz Herrmann.Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Elsnig. Im großen TZ-Jahresinterview spricht Elsnigs Bürgermeister Karlheinz Herrmann unter anderem über seine Bedenken zur Elblandbahn, über große Bauvorhaben, Hochwasserschutz, Kita-Auslastung und sinkende Gewerbesteuern.

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TZ: Letzte Woche gab´s einen Termin im Landratsamt zum Projekt Elblandbahn. Mit welchem Gefühl haben Sie die Beratung verlassen?
K. Herrmann:
Der Verein geht mit einem Optimismus an die Sache, den man nur bewundern kann. Aus meiner Sicht auch ziemlich blauäugig. Wir haben an jenem Tag viel über Gesetzlichkeiten und Möglichkeiten der Nutzung gesprochen. Vertreter des Ministeriums, der Deutschen Bahn, des Vereins, Landrat, Bürgermeister und der CDU-Bundestagsabgeordnete äußerten ihre Standpunkte. Die Mehrheit war der Meinung, dass es fast aussichtslos sei, noch in diesem Jahr den Bahnbetrieb zwischen Torgau, Dom-mitzsch und Pretzsch wieder aufzunehmen.

Der Verein kämpft aber weiter – oder?
Ja, den Mitgliedern wurde angeraten, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten und darzulegen, wie die Strecke genutzt und finanziell und wirtschaftlich betrieben werden soll. Da sehe ich die größten Probleme. Ich kann den Goldesel oder den Millionär, den es braucht, nicht erkennen. Es wird am Geld scheitern. Für uns als Kommune ist die Frage wichtig, ob die Strecke entwidmet wird. Im Gegensatz zu den Aussagen des Ministeriums würde ein Bahnbetrieb auch unsere Gemeinde finanziell treffen. Man sprach geschickt von Straßenbaulastträger – das sind zum Teil wir.

Was meinen Sie damit?
Allein für die Beschilderung der Bahnübergänge an unseren Straßen und für das Aufstellen der Baken summieren sich die Kosten. Mit 2000 bis 3000 Euro pro Übergang muss man rechnen. Wir haben allein schon vier kommunale Übergänge. Und es kommen weitere Kosten hinzu. Beispielsweise für die Zugänge zu den Bahnhöfen.

Könnte die Gemeinde Elsnig nicht froh sein, wenn sich die Infrastruktur in der Region verbessert und etwas für den Tourismus getan wird?
Beim jetzigen Ausbauzustand der Strecke würde man mit der Bahn gut 2,5 Stunden bis Wittenberg brauchen. Das ist keine wirkliche Alternative. Man müsste an jedem Übergang, wenn keine Schranke vorhanden ist, gleich zwei Mal halten – um erst den Mitarbeiter, der die Straße sperrt, abzusetzen und dann, um ihn wieder aufzunehmen. Dann soll man im Lutherjahr zwischen Torgau und Wittenberg lieber Charterbusse einsetzen. Auch darüber hinaus wäre es beim Linienverkehr sinnvoll, wenn der Bus nicht hinter Greudnitz umdreht, sondern wenn er bis Pretzsch oder Bad Schmiedeberg weiter fährt,wo Anschlussverbindungen bis Wittenberg möglich sind. Es gibt viele Ältere, die beispielsweise in die Kliniken nach Bad Schmiedeberg müssen. Das wäre eine gute Aufgabe für Herrn Wendt als Bundestagsabgeordneten.  

Auch die neue Industriestraße von Dommitzsch in Richtung Commende hätte einen Bahnübergang!
Und genau da kommen wir bei der Projektierung noch nicht weiter. Bei der hohen Belastungsklasse der Industriestraße muss der Gleiskörper angepasst und erneuert werden. Bei einer Entwidmung der Bahnstrecke könnte man hier hohe Kosten sparen. Für den Ausbau der Commendestraße haben wir übrigens am 1. November 2016 den Zuwendungsbescheid erhalten.

Sie hatten vorgeschlagen, die Bahnstrecke als Radweg auszubauen?
Das war kein Vorschlag von mir, sondern es gibt eine Studie des Freistaates Sachsen zum Radwegenetz, in der nördlich von Torgau unter anderem auch eine solche Variante vorgeschlagen wurde. Im Gemeinderat haben wir uns mit dem Konzept beschäftigt. Zwischen Neiden und Dommitzsch finde ich einen Radweg auf der bisherigen Schienenstrecke toll. Dann könnten auch die Kinder mit dem Rad nach Dommitzsch zur Schule fahren.

Geht nicht ein Teil der Kinder in Torgau zur Schule?
Nein, alle Grundschüler – selbst die aus Döbern und Mockritz – besuchen die Einrichtung in der Gänsebrunnenstadt. Wenngleich ein paar Eltern Ausnahmegenehmigungen durchsetzen konnten. Ein Schultaxi fährt morgens bis Mockritz und Döbern. Nachmittags bringt der Schulbus diese Kinder nach Elsnig in den Hort, wo sie dann von den Eltern wieder abgeholt werden. Es hat Mühe gemacht, die Finanzierung über den Landkreis abzusichern. Was die Oberschule betrifft, sind wir Torgau-Nordwest zugeordnet.

Wie steht es mit der Auslastung der Kita in Neiden?
Sie ist gut ausgelastet. Problem ist manchmal nur, dass die Einrichtung genau zwischen Torgau und Dommitzsch liegt. Manche Eltern, die in Torgau oder Dommitzsch arbeiten, bringen ihre Kinder eben auch dorthin zur Betreuung. Das kostet uns einen hohen kommunalen Anteil, der auf Grund der Fremdunterbringung an andere Gemeinden gezahlt werden muss. Rund 60 000 Euro pro Jahr. Das tut richtig weh.

Ist der neue Haushalt für 2017 schon beschlossen worden?
Nein, wegen der schlechten Finanzlage der Kommune wird es wieder eine Herausforderung. Durch sinkende Steuereinnahmen, die mit der Preiskrise in der Landwirtschaft und dem Abbau der Milchproduktion zu tun haben, fällt es besonders schwer, den Etat rund zu bekommen. Weil wir jetzt einen Doppelhaushalt beschließen wollen, hoffe ich, dass wir 2018 besser ins Fahrwasser kommen.

Wer ist der größte Steuerzahler?
Das müsste die Gruber Agrartechnik GmbH Elsnig sein.

Was sind die wichtigsten Investitionen 2017?
Der Bau der Industriestraße in Dommitzsch, die zu zwei Drittel auf Elsniger Fläche entsteht. Neben der Gleisquerung wird jetzt sehr wichtig sein, die Details zum Ausbau der Kreuzung B 182 zu klären. Es ist noch offen, ob wir mit unserem Abschnitt 2017 anfangen können zu bauen.

Profitiert Elsnig vom Finanzpaket „Brücken in die Zukunft“?
Ja, wir wollen den Siloturm am ehemaligen Wasserwerk Elsnig abreißen. Die Ausschreibungen laufen.

Gibt es weitere Baumaßnahmen?
Wir möchten noch die letzten Maßnahmen zur Hochwasser-Schadensbeseitigung abschließen: die Brücke in Döbern, Erneuerung von zwei Durchlässen in Polbitz/Sommerdeiche und Pflastern des Innenhofes Bauhof/Mockritz.

Wie sicher können sich die Einwohner der Gemeinde inzwischen vor Hochwasser fühlen?
Die Landestalsperrenverwaltung ist dabei, den Abschnitt am roten Haus in Mockritz auszubauen. Wenn dann noch der neue Weinskedamm am Elsniger Wäldchen fertig wird, sieht es gut aus. Hier wurde gerade Einigung mit den Landbesitzern erzielt.

Die Gemeinde ist dünn besiedelt. Trotzdem blieb ein Streit bei der Abwasser-
entsorgung aus, oder?

Wir sind Mitglied im Zweckverband Torgau/Westelbien und haben das Problem schon lange geklärt. Die Ortsteile sind am zentralen Netz. Vogelgesang, Elsnig und Drebligar entsorgen über eine Containerkläranlage in Vogelgesang. Neiden und Mockritz entsorgen über die Oxidationsteiche in Neiden und Döbern pumpt das Abwasser nach Torgau. Nur in Polbitz mussten Einzelkläranlagen gebaut werden. Die Zusammenarbeit mit dem ZV Torgau funktioniert gut.

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