Sonntag, 19. März 2017

TORGAU

Grimm-Over will kein Platzhirsch sein

Der neue Vorstand des CDU-Stadtverbands (v.l.n.r.): Romina Barth, Matthias Grimm-Over, Mario Wendt, Burgunde Tomczak und Sebastian Weiss.Foto: TZ/C.Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Grüne, Hoffnung verheißende Abstimmkärtchen, ein sich betont locker gebender Kreisvorsitzender und ein lächelnder Fraktionschef aus der Landeshauptstadt: Die Torgauer CDU-Stadtverbandsversammlung am vergangenen Freitagabend sollte gleich von Vornherein eines vergessen machen - das politische Erdbeben, das vier Vorstandsmitglieder am 31. Januar mit der Niederlegung ihrer Posten auslösten.

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In der Wintergrüne schien deswegen alles auf Kuschelkurs ausgerichtet. Die beiden rundlichen Sofas, auf denen Marian Wendt und der zweiköpfige Rumpf-Vorstand Platz genommen hatte, verstärkten diesen Eindruck. Im Bundestagswahljahr war man peinlichst darauf bedacht, Überraschungen zu vermeiden und Geschlossenheit zu demonstrieren, was – so viel sei schon mal vorweggenommen – auch durchaus gelang.

Die Wahl von Matthias Grimm-Over zum neuen Stadtverbandsvorsitzenden kam tatsächlich wenig überraschend. Selbst seit Jahren im Stadtrat aktiv, kündigte er an, alles dafür tun zu wollen, dass die Kommunikation zwischen Fraktion und Verband künftig besser laufe als bislang. Genau jener Umstand hatte nämlich zum Rücktritt der Verbandsvorsitzenden Cordula Jahn sowie von Gabriele Beyler, Sven Thielemann und Torsten Alf geführt. Für Grimm-Over war es deswegen auch folgerichtig, dass sich jemand aus der Fraktion um den vakanten Spitzenposten bewerbe. Allerdings schränkte er ein, jenes Amt nur eine Wahlperiode lang ausfüllen zu wollen. Dies entspricht einer Zeitspanne von zwei Jahren. 2019 sei es an der Zeit, dass jüngere Christdemokraten die Verantwortung übernehmen. Denn gerade in der CDU gebe es nach Ansicht Grimm-Overs noch immer zu viele Platzhirsche, die die Jungen nicht zum Zuge kommen lassen.

Die Entscheidung zur Kandidatur hatte Grimm-Over nach eigener Angabe übrigens mit Fraktionschefin Dr. Vera Mehlhorn abgestimmt. „Es war mir wichtig, dass ich damit nicht vorweg presche“, hatte er noch einmal kurz seine Beweggründe den 33 anwesenden Stadtverbandsmitgliedern erläutert. Und diese wählten den alleinigen Kandidaten schließlich mit 87 Prozent. „Ich hoffe, dass ich auch denjenigen, die sich nicht für mich entschieden, ein guter Vorsitzender sein werde“, bedankte sich Grimm-Over nach der Wahl.

Ebenso wenig überraschend wie die Personalie des Vorsitzenden gestaltete sich die Wahl der beiden Stellvertreter. Mit Mario Wendt schaffte es der zweite verbliebene Rumpfvorstand. Wendt kam dabei mit 100 Prozent auf einen deutlich besseren Wert als Romina Barth. Die Torgauer Oberbürgermeisterin vermochte nur 78 Prozent der Mitglieder zu überzeugen. Und Wendt bekam gleich noch einen zweiten Posten. Einen, den es bislang im Stadtverband noch nicht gab. Er ist nämlich auch noch Mitgliederbeauftragter – ein Posten, der zwischen Vorstand und Mitgliedern kommunikativ agieren soll, im Falle Torgaus wohl aber nur Protokollcharakter haben dürfte, da der Stadtverband recht übersichtlich ist und Basis und Vorstand sich in aller Regel gut kennen.

Zweite Frau im neuen Vorstand ist überraschend eine gute, alte Bekannte: Es ist die ehemalige Landrätin Burgunde Tomczak. Ihr obliegt künftig der Posten der Beisitzerin. Und mindestens genauso überraschend dürfte die Wahl von Sebastian Weiss zum Schatzmeister gewesen sein. Der 34 Jahre alte Weiss (verheiratet, zwei Kinder) wohnt seit 2014 in Torgau und ist beruflich im Nachbarkreis Elbe-Elster als Leiter des Eigenbetriebs Rettungsdiensts tätig.

Nach zwei Stunden glitt die Mitgliederversammlung schließlich in den gemütlichen Teil über, ohne dass ein erneutes Erdbeben der Kuschelstimmung einen Strich durch die Rechnung machte. Na ja, fast. Denn, wer genauer hinsah und hinhörte, konnte den Eindruck gewinnen, dass gerade bei Cordula Jahn („Ein Großteil der Stadträte hatte uns allein gelassen“) die Enttäuschung noch nicht ganz abgeklungen war. Den obligatorischen Abschiedsstrauß vom Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Marian Wendt sowie die nachfolgenden sehr, sehr warmen Dankesworte an ihre Person, zauberten definitiv kein Lächeln in ihr Gesicht. Und so schnell Cordula Jahn den Blumenstrauß in Empfang nahm, so schnell saß sie auch schon wieder.

Doch Jahn war es nicht, die noch vor dem ganzen Wahlprozedere den Versuch einer Aussprache unternahm. Vielmehr war es Sven Thielemann, der nunmehr glaubt, dass die CDU-Basis in Torgau mit dem Rücktritt der vier alten Vorstände wachgerüttelt worden sei. Thielemann zeigte sich ob der gezeigten Einsicht von Matthias Grimm-Over froh. Froh auch darüber, dass Grimm-Over den Zurückgetretenen keinerlei Vorwürfe gemacht habe. „Eine Demokratie muss so etwas aushalten“, befand der Mediziner, der eine gute Grundlage sieht, dass die CDU gestärkt aus allem hervorgehen könne. Ins gleiche Horn blies Gabriele Beyler.

Sie habe mit der Art und Weise der Rücktrittsankündigung über die Presse gewiss kein Nest beschmutzen wollen. Ein Hinweis auf mögliche unliebsame Reaktionen anderer Spitzenfunktionäre? Beyler betonte, dass man mit dem Rücktritt lediglich eine Diskussion in Gang bringen wollte, die auf die Entwicklung der Basisdemokratie im Torgauer CDU-Stadtverband abzielen sollte. „Um nichts anderes ging es uns dabei.“ Sie selbst sei einst kein CDU-Mitglied geworden, um lediglich auf der Zuschauertribüne zu sitzen und Stimmvieh zu sein. „Jetzt habe ich die Hoffnung, dass sich die Dinge ändern“, schloss sie ihren Redebeitrag, dem sich sofort Worte der Chefin der CDU-Stadtratsfraktion Dr. Vera Mehlhorn anschlossen. Doch diese schien abseits aller Versöhnungsgesten eines Matthias Grimm-Overs.

Statt betont das Gemeinsame zwischen Basis und Fraktion zu suchen verwies sie lediglich auf ihre Wortmeldung während der Vorstandssitzung am 31. Januar. „Wir als Stadträte waren immer bereit, Auskunft über unsere Arbeit in der Fraktion zu geben“, wiederholte sie in der Wintergrüne. Dass man dennoch nicht immer an den Sitzungen des Stadtverbands teilgenommen habe, habe auch mit einem Haushalten der Kräfte zu tun.

Und dann war da noch Stadtrat Frank Scherzer, den die Rücktrittsbegründung der vier alten Vorstandsmitglieder erstaunt hatte. Scherzer gab zu, damals ein schlechtes Gewissen gehabt zu haben. „Vielleicht hätte ich öfter zu den Stadtverbandssitzungen gehen sollen“, räumte er selbstkritisch ein. Aber vielleicht mache man es sich mit all den Diskussionen um einen besseren Informationsfluss zwischen Fraktion und Stadtverband auch nur unnötig schwer. „Bei mir meldete jedenfalls niemand Gesprächsbedarf an“, sagte Scherzer.


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