Montag, 29. Mai 2017

 
Donnerstag, 18. Mai 2017

TORGAU

Stalker verfolgte junge Frau sechs Jahre

Foto: TZ/Archiv

Peter Müller

Torgau. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren saß Manfred O. aus einem größerem Ort bei Oschatz wegen Nachstellung seinem „Ziel“ Nina Z. (Namen von der Redaktion geändert) im Torgauer Amtsgericht gegenüber. Dieses Mal wurde er angeklagt, weil der 63-jährige Frührentner der jungen Frau (33) aus Nordsachsen im Areal der Hubertusburg Wermsdorf im Zeitraum vom Dezember 2015 bis März 2016 insgesamt zehnmal nachstellte.

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Allerdings gingen die Straftaten des Mannes dieses Mal glimpflicher aus als am 19. November 2013. Damals raste der Stalker mit seinem Pkw auf dem Gelände der Hubertusburg auf Nina Z. zu und brachte sein Fahrzeug erst kurz vor der Frau zum Stehen. Für seine damaliges Handeln wurde Manfred O. am 4. Juni 2015 im Torgauer Amtsgericht wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung an Nina Z. in Tateinheit mit zweifacher Nötigung gegenüber zwei Arbeitskollegen der Geschädigten zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem musste er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Manfred wurde in der Gerichtsverhandlung am 4. Juni 2015 verboten, sich Nina Z. auf weniger als 50 Meter zu nähern. Was ihn laut Aussage der Geschädigten in der Zeit bis zur aktuellen Verhandlung mehrfach nicht interessierte.  

Die Fälle Ende 2015 bis März 16 passierten alle auf dem Gelände der Hubertusburg. Der Angeklagte verweigerte vor Gericht seine Aussage und ließ seinen Rechtsanwalt reden. Allerdings war er während der Verhandlung nicht ganz untätig. Immer wieder gingen seine Blicke in Richtung der als Zeugin geladenen Nina Z. Manchmal grinste sie der Angeklagte sogar schamlos an, was die junge Frau wahrnehmen musste und wütend machte. Deutlich war in diesen Augenblicken ihre Abscheu vor diesem 30 Jahre älteren Herrn zu sehen, der ihr seit sechs Jahren offenbar nachstellt.

Der Rechtsanwalt, der für Manfred O. sprach, räumte ein, dass die zehn genannten Begegnungen stattfanden. Allerdings seien sie vom Angeklagten nicht beabsichtigt gewesen. „Der Grund dafür war die Enge auf dem Gelände, auf dem sich die Wohnung meines Mandanten, die Kantine, wo er und auch die Frau regelmäßig essen gehen. Ihre Arbeitsstelle befindet sich ebenfalls auf diesem Areal. Es waren keine gezielten Versuche meines Mandanten, in der Kantine Kontakt mit der Frau zu knüpfen.“ Manfred O. habe nur in der gleiche Zeit sein Mittagessen dort eingenommen wie die Geschädigte, die ihm wiederum Vorsatz unterstellt. „Die Frau hätte doch die Kantine verlassen können, wenn mein Mandant dort auftauchte“, sagte der Rechtsanwalt. Er führte zudem an, dass  Manfred O. aufgrund seiner vor der Scheidung stehenden Ehe sich gezwungen sah, zum Essen die Kantine aufzusuchen, weil er in seiner Wohnung im Hubertusburggelände auf Weisung des Scheidungsanwalts seiner Frau nur noch geduldet war und somit nächtigen durfte. „Außerdem wäre es für mich bei meiner geringen Rente viel zu teuer gewesen, selbst zu kochen, wo es doch in der Kantine so ein preiswertes, schmackhaftes Essen gibt. Allerdings war ich immer vor ihr in der Kantine.“

Nina Z. sagte als Zeugin aus, dass ihr Manfred O. im Zeitraum Dezember 2015 bis März 2016 ständig nachgestellt habe. „Ich bin auf der Burg nur mit meinen Kollegen unterwegs gewesen, damit er mich nicht belästigt. Der Mann hat ständig versucht, sich in mein Leben einzumischen. Er lauert mir ständig in der Kantine auf. Ich kann aber aufgrund meiner Arbeitszeit nicht zu anderen Zeiten mein Mittagessen einnehmen.“ Auch auf dem Parkplatz der Burg habe Manfred O. mehrfach auf die junge Frau gewartet. Den einst vom Gericht am 4. Juni 2015 festgelegte 50-m-Abstand habe er mehrfach ignoriert. Der Angeklagte ließ durch den Rechtsanwalt erklären, dass er manchmal Nina Z. nicht so weit ausweichen konnte, wenn er ihr auf dem kleinen Burggelände begegnete.

Aufgrund der Beweisaufnahme stellte der Staatsanwalt den Antrag, das Strafverfahren wegen neun der zehn Begegnungen des Manfred O. mit Nina Z. wegen unwesentlicher Nebentaten nach Paragraph 154 Absatz 2 der Strafprozessordnung vorläufig einzustellen. „Das darf doch nicht wahr sein“, sagte die Geschädigte Nina Z. leise vor sich hin, als der Richter diesen Vorschlag akzeptierte. Somit ging es in der Verhandlung nur noch um die Straftat am 21. Dezember 2015, als sich der Angeklagte zweimal extra durch das Fenster des Arbeitszimmers der Nina Z. beugte, um mit ihr Blickkontakt zu erreichen.
Anschließend bat der Rechtsanwalt, kurz mit seinem Mandanten reden zu dürfen. Was der Richter erlaubte. Der Rechtsanwalt erklärte danach als einseitige Verpflichtungserklärung des Angeklagten, dass sein Mandat demnächst die Kantine nur noch bis 12 Uhr aufsuchen wird, um Nina Z. aus dem Weg zu gehen. Damit war die Beweisaufnahme beendet.

Der Richter verurteilte Manfred O. für die Straftat am 21. Dezember, als er sich zweimal ins Arbeitszimmer der Nina Z. beugte, wegen Nachstellung nach Paragraph 238 des Strafgesetzbuches, Absätze 1 und 4, zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro, gleichbedeutend mit einem Betrag von 900 Euro. Außerdem muss der Nachsteller die Kosten des Gerichtsverfahrens tragen.
„Die Geldstrafe ist ihrer Tat und Schuld angemessen. Die Frau möchte keinen Kontakt mit ihnen. Das ist ihr Recht. Sie haben alles zu unterlassen, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Es gab einige Begegnungen, die kein Zufall waren. Zum Beispiel ihre gesuchten Blickkontakte durchs Fenster des Arbeitszimmers der Frau. Sie hat sich dabei schlecht gefühlt, als sie die Geschädigte ansahen“, erklärte der Richter und ergänzte: „Sie sind eindeutig der Nachstellung schuldig. Passiert das noch mal, müssen sie mit einer Freiheitsstrafe rechnen.“

Die geschädigte Frau war nicht erfreut darüber, dass der Stalker so glimpflich davon kommt. Immerhin grinste sie Manfred O. noch nach der Urteilsverkündung weiter an. Ihr Kollege Olaf M., der als Zeuge geladen war, aber dann aufgrund der Beweisaufnahme nicht mehr gehört wurde, war empört: „Diese Kontakte des Angeklagten waren nie zufällig. Ich habe ihn sogar dabei beobachtet, wie er meiner Kollegin mit einer Kamera nachstellte.“


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