Montag, 29. Mai 2017

 
Freitag, 19. Mai 2017

OSTELBIEN

TZ zu Besuch im kleinsten Ortsteil der Gemeinde Arzberg

Idylle pur: Steffi Rakelmann (l.), Sabine Rakelmann und René Urbe machen es sich im Garten vor ihrem Wohnwagen gemütlich.Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Piestel/Arzberg. Ein Paradies tut sich auf. Es riecht nach Flieder, Ahorn und Raps. René Urbe und dessen Lebensgefährtin Sabine Rakelmann sitzen vor einem Wohnwagen im Garten und genießen die Idylle. Tochter Steffi ist zu Besuch. Es gibt viel zu erzählen. Die 27-Jährige wohnt eigentlich nur 1,5 Kilometer Luftlinie weiter. In Kunzwerda. Aber die Elbe wirkt wie eine Grenze.

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„Wir könnten uns zuwinken“, lacht René Urbe. „Oder ich könnte rüber schwimmen“, ergänzt seine Tochter. Gemacht haben sie aber Beides noch nicht. Stattdessen geht die Fahrt gut 20 Kilometer über Torgau, wenn sie sich sehen wollen. Heute ist es mal wieder soweit.

Piestel ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Arzberg. Und zugleich der älteste. Aus dem Jahr 1220 stammt die erste urkundliche Erwähnung. Sieben Personen, verteilt auf fünf Haushalte, leben hier. Wer sich in Piestel wohlfühlen möchte, muss ein großes Herz für Natur und Ruhe besitzen. Familie Urbe hat das zweifelsohne. Der große Garten, ringsrum Sträucher und Bäume, hinter dem Grundstückszaun ein Feld und ein Wäldchen – mehr Grün geht kaum. 17 Hühner und vier Hähne tummeln sich auf dem weitläufigen Areal und eines der zahmen Federtiere findet meine Kameratasche gleich mal zum Fressen schön.

Die Urbes lachen darüber. Sie haben heute Urlaub und beste Laune. Der gebrauchte Wohnwagen ist die neueste Errungenschaft und somit der ganze Stolz des Pärchens. Damit soll es künftig „in die Welt“ gehen, aber eigentlich könnten René und Sabine auch zu Hause bleiben. „Hier ist es zu jeder Jahreszeit schön“, findet der Hausherr und blickt erfreut auf die Beete, auf denen sich jetzt die jungen Pflänzlein der Sonne entgegen recken.

Kartoffeln, Spinat, Möhren, Bohnen – das alles wächst in den kommenden Monaten auf dieser Scholle heran. „Ich habe es nie bereut, nach Piestel gezogen zu sein“, sagt der 48-Jährige, der aus Pülswerda stammt und das Grundstück 2001 übernahm. Eine kleine Ausnahme gibt es: Die Zufahrtsstraße, die sich im Herbst in eine Schlammpiste verwandelt und im Winter zu einer höchst gefährlichen Rutschbahn wird. René Urbe zeigt einige Bilder auf dem Smartphone, die das schwierige „Geläuf“ zeigen. Mal mit dickem Eispanzer, mal mit Lehmpampe überzogen.

„Letzten Winter war es ganz schlimm. Es wird Zeit, dass die Gemeinde die 350-Meter-Strecke endlich ausbaut. Ich hab schon mit dem Bürgermeister gesprochen, getan hat sich nichts. Wir haben sogar selber schon Kiesel zum Verfüllen angekarrt“, bemängelt er. Holger Reinboth verweist später – von TZ daraufhin angesprochen – auf das begrenzte Budget. Lediglich in Prausitz wird die Straße als nächstes mit Asphalt hergerichtet, Piestel sei dieses Jahr noch nicht dran. Aber der kommunale Bauhof bemühe sich, die Löcher regelmäßig zu stopfen.

Ohne Auto wären die Einwohner des kleinsten Ortsteiles schlecht dran. „Wir kaufen meist unterwegs in Torgau ein“, sagt Sabine Rakelmann, die wie ihr Lebensgefährte in einem Geflügelverarbeitungsbetrieb in Mockrehna in Lohn und Brot steht. Manchmal besorgen sie sich die Dinge des täglichen Bedarfs auch in Supermärkten in Beilrode und Falkenberg/Elster. Triestewitz – dort befindet sich der Hausarzt – ist drei Kilometer entfernt, Arzberg etwa fünf Kilometer. Somit ist Piestel gar nicht so weit ab vom Schuss, sofern man ein Auto besitzt.

„Wir haben gestaunt. Als das Nachbargrundstück verkauft werden sollte, fanden sich doch relativ schnell wieder Interessenten, die hier herziehen wollten“, erzählen beide. Auch Bürgermeister Holger Reinboth hat keine Angst, dass der kleinste Ortsteil in naher Zukunft aussterben könnte. „Du hast deine Ruhe. Niemand glotzt. Keiner kontrolliert, wie hoch die Hecke ist“, zählt René Urbe einige Vorteile auf. „Und du kannst sogar im Nachthemd zum Briefkasten flitzen“, fügt Tochter Steffi mit Augenzwinkern hinzu.

Bei der Frage, ob Piestel oder Kunzwerda schöner sei, reagiert die junge Frau schlagfertig: In Piestel muss man wenden, in Kunzwerda nicht. Womit wir wieder beim leidigen Thema „Zufahrt“ und „Auto“ sind. Ich frage schnell, wie lange man eigentlich bis Leipzig braucht und bekomme von Steffi Rakelmann zu hören, dass sich ein normaler Acht-Stunden-Tag mit An- und Abfahrt rasch zum Elf-bis- Zwölf-Stunden-Tag ausweitet. Sie nutzt allerdings den Zug, fährt mit dem Auto von Kunzwerda lediglich bis zum Bahnhof, um in die Messestadt zu gelangen, wo sie als stellvertretende Filialleiterin arbeitet.

Beide Generationen am Kaffee-Tisch sind sich einig: „Nie wieder Mietwohnung! Ein eigenes Grundstück ist Gold wert. Man weiß: Es ist meins!“ Mit den Nachbarn – überwiegend um die 70 (es gibt aber auch eine jüngere Familie mit Kind) –  habe man ein sehr gutes Verhältnis. In Piestel hilft man sich gegenseitig. Sollte René Urbe in den nächsten Monaten mit seinem geliebten Wohnmobil starten, wird es eher aufs Land als in die Stadt gehen. „Zu laut und zu dreckig“, urteilt der Naturliebhaber über die großen Metropolen. Da ist es auf seinem Grundstück doch bedeutend gemütlicher. Gerade jetzt im Frühling.


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