Samstag, 21. Juli 2018

 
Dienstag, 23. Mai 2017

MOCKREHNA

"Ich bin der Landwirt mit Geschmack"

Mittagsinspektion auf der Weide bei Langenreichenbach: Landwirt Henri Müller zeigt seine Mutterkuh-Herde. Foto: Norbert Töpfer

Von Norbert Töpfer

Langenreichenbach. Es ist schwierig, die Müllers zu treffen. Aber nicht, weil sie keine Lust haben, mit der TZ zu reden. Doch das Paar absolviert täglich ein außergewöhnliches Arbeitspensum, auch an den Wochenenden.

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Nur in den Wintermonaten ist es etwas ruhiger für die Eheleute. „Aber unsere Tiere müssen ja immer versorgt werden. Am besten, sie kommen, wenn es regnet. Dann können wir mal reden“, sagt Henri Müller locker bei der Terminabsprache. Der 46-Jährige führt den in Langenreichenbach ansässigen Landwirtschaftsbetrieb mit Fleischerei als Familienunternehmen Müller in der dritten Generation. Und doch klappt es mit dem TZ-Gespräch an einem regenfreien Mittag, im Firmen-Transporter, neben der Koppel der Mutterkuh-Herde.

Es ist eine ungewöhnliche Geschichte: Henri leitet den Betrieb und Gattin Heike unterstützt ihn, so gut sie kann. Als Team sind die Müllers erfolgreich, obgleich sie ihre Ausbildung in landwirtschaftsfremden Branchen absolvierten. Heike ist gelernte Industriekauffrau. Sie ist verantwortlich für die Buchführung und den Verkauf an beiden Verkaufstheken in den Pep-Märkten Grimma und Torgau. „Ich erledige die Feinarbeit, mein Mann das Grobe“, schätzt die Geschäftsfrau lächelnd ein.

Henri ergänzt. „Ich habe einst Klempner-Installateur gelernt. Danach qualifizierte ich mich zum staatlich geprüften Landwirt und konnte auf diesem Fachgebiet die Meisterschule erfolgreich abschließen. Fleischermeister bin ich inzwischen auch.“ Drei Berufe, zwei davon mit Meisterabschluss, Hut ab vor dem Mann!
Die Müllers züchten als Landwirtschaftsbetrieb Rinder und Schweine. Anschließend werden die Tiere zur Großschlächterei Färber nach Belgern transportiert, dort geschlachtet und danach in der Landfleischerei Langenreichenbach durch Henri Müller täglich zu schmackhaften Fleischprodukten verarbeitet. Deswegen verrät Henri auch seinen Leitspruch: „Ich bin der Landwirt mit Geschmack.“

Klar, dass diese Arbeit von ihm voller Leidenschaft erledigt wird. „Der Beruf muss Freude bereiten. Sonst ist das hohe Pensum nicht zu schaffen. Ein normaler Fleischer fängt um vier Uhr an und legt sich nachmittags nach getaner Arbeit auch mal hin, um sich auszuruhen. Ich beginne zwar erst um 7 Uhr. Aber nach meiner Fleischertätigkeit geht es mit der Feldarbeit auf dem Traktor weiter bis zum Abend und in der Erntezeit auch bis in die Nacht hinein. Und die Tiere müssen schließlich mit dem Getreide, natürlich aus eigenem Anbau, versorgt werden. Und das sieben Tage in der Woche“, sagt der Firmenchef trocken ohne zu klagen. „Klar ist, dass ich nicht alles alleine erledigen kann. Wir haben einige Angestellte. Ohne sie wäre der hohe Arbeitsumfang trotz moderner Technik nicht zu schaffen.“

Die Produkte der Landfleischerei wie frische Wurst, verschiedene Wurstsorten in Gläsern, Koteletts, Schnitzel, Rostbratwürste und Steaks verkaufen die Müllers in ihrem Dorfladen nur donnerstags und freitags. Doch an diesen Tagen reisen Leute aus nah und fern an. „Wir freuen uns natürlich über unseren großen Kundenstamm. Einige kommen sogar aus der Region Leipzig. Andere Leute, die noch größere Strecken zurücklegen, können natürlich nicht so oft bei uns kaufen. Aber wenn sie da sind, fahren sie mit großen Mengen wieder nach Hause“, verrät Henri und ergänzt: „Aber die meisten unserer Stammkunden wohnen in der Umgebung und davon viele in unserem schönem Dorf.“

Wurst und Fleisch der Müllers müssen schmackhaft sein. Sonst hätten sie nicht so viele Käufer. „Wir verarbeiten das frisch geschlachtete Fleisch nach alten Rezepten meines Großvaters und meines Vaters, die ich im Laufe der Jahre verfeinert habe. Sie bleiben natürlich unser Familiengeheimnis“, sagt Henri Müller. Die Rezepte hat der Langenreichenbacher natürlich alle im Kopf.  

Für die Müllers sei es kein Problem, die von ihnen aufgezogenen Tiere in die Schlachterei zu bringen. „Das ist der normale Kreislauf. Auch wenn es manchmal ein eigenartiges Gefühl ist, wenn uns ein junges Rind oder eine Kuh in Richtung Großschlächterei Färber in Belgern verlassen muss“, gesteht Henri ein. Im Durchschnitt verarbeiten die Müllers drei bis vier Schweine pro Woche und aller 14 Tage ein Rind. Henri Müller indes verrät: „Wir wollen unsere Produktion nicht weiter steigern. Das Arbeitspensum ist hart an der Grenze. Unser Unternehmen läuft gut. Höhen und Tiefen gibt es natürlich überall.“

Die Müllers bieten ihre Produkte nicht nur in der eigenen Fleischerei sowie an ihren Verkaufsständen in den Pep-Märkten an. Sie liefern ihre gefragten Wurst- und Fleischwaren auch an Partner aus der Region. Die Arbeit ist stets Thema Nummer eins bei den Müllers, auch nach Feierabend. „Das ist normal für Leute, die sich voll mit ihrem Job identifizieren wie wir“, erklärt der Chef.

Zeit für Hobbys bleibt ihnen extrem wenig. Zum Glück lieben die Müllers die Arbeit, die für sie oft bis an die Schmerzgrenze geht. Zweimal im Jahr ist jedoch Schluss damit. Dann gönnen sie sich einen Urlaub, aber nur für jeweils eine Woche. Den Rest des Jahres leben sie ihren Job.


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