Mittwoch, 24. Januar 2018

 
Freitag, 23. Juni 2017

MOCKREHNA

Der Trend geht Richtung Dorf

Gabriele Otto zeigt stolz ihre Nachbarschaft am Sportplatz in Gräfendorf.Foto: TZ/Leukhardt

Nick Leukhardt

Im aktuellen Teil unserer Dorfserie erzählt Gabriele Otto von den Veränderungen, die das Dörfchen Gräfendorf in den letzten 25 Jahren durchgemacht hat.

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Gräfendorf. Eigentlich sollte man ja meinen, dass man nach zwei Monaten Dorfserie nicht mehr von der Abgeschiedenheit eines Dorfes überrascht werden sollte. Und doch, als ich den Schleichweg durch den Wald von Großwig antrat, dachte ich mir wirklich: „Hier kommst du am Ende der Welt heraus.“ Doch es war nicht das Ende der Welt, wo ich landete, sondern das beschauliche Dörfchen Gräfendorf. Hier hatte ich einen Termin mit Gabriele Otto, welche die meisten Leute wahrscheinlich nicht aus Gräfendorf sondern aus Mockrehna kennen, denn hier ist Otto Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins.

Das Erste, was einem auffällt, wenn man diesen kleinen Ortsteil der Gemeinde betritt, der da so beschaulich mitten im Wald liegt, ist die absolute Ruhe. Außer den Vögeln gibt es hier keinerlei Lärm oder andere störende Geräusche.
Würde man im Wörterbuch die Definition von Idylle nachschlagen, könnte dort zweifelsohne Gräfendorf stehen. Dies bestätigt auch Gabriele Otto, die zwar auch sehr viel Zeit im nahegelegenen Mockrehna verbringt, die Ruhe in Gräfendorf allerdings auch sehr gerne genießt. „Ja, man kann hier wirklich gut leben.“ Fast 25 Jahre ist es nun bereits her, dass sie aus Mockrehna hierher gezogen sei. „Davor haben wir in Oschatz gewohnt. Davor in Leipzig und davor in Dresden. Wir sind früher viel rumgekommen, da mein Mann Offizier war.“ Zwei Jahre nach der Wende wollte  Gabriele Otto zusammen mit ihrem Mann, welcher mittlerweile verstorben ist, endlich sesshaft werden. „Wir sind dann ganz durch Zufall einmal beim Spazierengehen nach Gräfendorf gekommen und das hat uns richtig gut gefallen. Das Land, auf dem heute unser Haus steht, war zu dieser Zeit allerdings noch ein Feld. Wir haben uns dann zum Spaß gesagt ‚hier müsste man eigentlich bauen‘ und zack, kurze Zeit später war das Land zum Kauf freigegeben.“

Je länger ich den Erzählungen von Gabriele Otto so zuhöre, desto klarer wird mir: Sie hat die Entscheidung, in dieses beschauliche kleine Örtchen zu ziehen, noch keine Sekunde lang bereut. „Und unser Ort ist auch in keinem Fall stehengeblieben“, erzählt Otto. So habe sich Gräfendorf in den 24 Jahren, in denen sie nun bereits hier wohnt, auf vielerlei Weise verändert. Das offensichtlichste sei hier natürlich die Größe des Ortes, sagt sie und lässt einen Blick von ihrer Terrasse über die Nachbarhäuser streifen. „Wie schon gesagt, 1992 war hier einfach nur ein Feld. Und dann, sobald das Land zum Kauf freigegeben war, wurde hier gebaut. Nicht nur unser Haus, sondern die gesamte Nachbarschaft.“ An der Idylle Gräfendorfs änderte das Neubaugebiet am Sportplatz jedoch auch nichts, bestätigt auch Gabriele Otto. „Es ist nach wie vor hier einfach nur noch Natur pur.“
Mit den neuen Häusern kamen dann natürlich auch neue Familien und mit den neuen Familien natürlich auch neues Leben nach Gräfendorf. Jede Woche wurde sich so in der einzigen Kneipe des Ortes getroffen und getrunken, erzählt und gelacht.

Dies war auch dem Gräfendorfer Kulturverein zu verdanken, der auch außerhalb dieser wöchentlichen Stammtischrunden viel in dem Dorf organisierte. „Und auch ich war damals natürlich Mitglied des Vereins. “ Sogar das Amt der Schriftführerin habe sie inne gehabt, erzählt die Rentnerin mir. Fünf Jahre, nachdem sie in das Dorf gezogen ist, sei sie einfach von dem Verein angesprochen worden und so dann Mitglied geworden. Heute sei das jedoch anders. Sie ist nicht mehr aktiv im Verein tätig, da sie auch den Kultur- Heimatverein Mockrehna hat, um den sie sich kümmern muss. „Und da bin ich sogar Gründungsmitglied, also musste der Gräfendorfer Verein ohne mich auskommen.“ Dieser sei mittlerweile auch eher eingeschlafen, erzählt sie. Zwar fänden ein paar Mal im Jahr noch Veranstaltungen statt, welche dann auch überaus gut besucht sind, wie früher ist es jedoch nicht mehr. „Aber dafür hätte ich auch gar keine Zeit mehr, so oft wie ich mittlerweile in Mockrehna bin.

Und noch etwas ist in Gräfendorf heutzutage nicht mehr so wie es früher einmal: der Altersdurchschnitt. „Unser Gräfendorf ist wirklich verjüngt.“ Viele junge Leute ziehe es gerade von der Stadt nach Gräfendorf, um dort ein Haus zu bauen oder eines zu übernehmen. „Das sind dann entweder Kinder von Leuten, die bereits hier wohnen und die schon ihre Kindheit hier verbracht haben oder aber auch komplett Fremde, die dem Trubel der Stadt entfliehen wollen.“ Und ja, das geht in Gräfendorf wirklich wunderbar. Eine Stunde auf Gabriele Ottos Terrasse wirkte wie ein ganzer Tag Erholungstherapie. Und das scheint ja auch in der Gesellschaft angekommen zu sein. Dachte ich zwar bisher, dass gerade die kleinen Dörfer unter der starken Abwanderung zu leiden haben, belehrte mich mein Besuch in Gräfendorf nun eines besseren. Kaum ein Haus macht einen alten oder verlassenen Eindruck. Überall wurde renoviert, ein schöner Vorgarten angelegt und auch sonst viel Wert auf das Äußere gelegt.

Und Otto verriet mir dann noch, dass es in dem Dorf keinerlei Leerstand gebe. Keines der Häuser sei leer, überall wohne jemand. Und das trotz einer fehlenden Einkaufsmöglichkeit. Der kleine Tante-Emma-Laden, in welchem man vor ein paar Jahren noch alles bekam, was man im Haushalt benötigte, ist mittlerweile geschlossen. Nur der Eiswagen kommt noch vorbei in Gräfendorf, aber das immerhin pünktlich jeden Samstagnachmittag.


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