Mittwoch, 24. Januar 2018

 
Mittwoch, 26. Juli 2017

OSTELBIEN

Die große Grauzone in Elsterberg

von unserem Multimedia-Redakteur Sebastian Lindner

Elsterberg. Tonstudios sind etwas für große Städte? Nicht doch! Elsterberg, ein kleines Dorf in der Gemeinde Arzberg hat auch eins. Die TZ besuchte es und bekam es mit dem Groben Knüppel zu tun.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Anmeldung für TZ-Abonnenten

Um diesen Artikel weiterzulesen melden Sie sich bitte als Abonnent der Torgauer Zeitung an oder wählen Sie eines der folgenden Angebote aus.

Elsterberg. Ja, ich gebe zu, „Arsch der Welt“ war durchaus ein Gedanke, der mir  durch den Kopf ging, als ich in Elsterberg eintraf. Aber eigentlich ist das ja gar nicht so richtig gerechtfertigt. Das geschätzt mit 50 Einwohnern besiedelte Dörfchen liegt direkt an der Bundesstraße, und auf der zweiten Straße im Ort waren mehr Menschen unterwegs, als in manch anderen Nestern, die wesentlich größer sind. Und in Elsterberg gibt es noch etwas, dass nicht unbedingt üblich ist für Orte jener  Größe und Lage: Ein kleines Tonstudio –samt dazugehöriger Band.

Na ja, zumindest ein Teil der Band ist dauerhaft dort. Sänger und Bandgründer Hendrik Vangerow lebt nun schon seit 18   Jahren hier, stammt aber eigentlich aus dem Westen, Hagener Gegend. „Durch meine Erscheinung gruseln sich vielleicht ein paar Leute aus dem Ort vor mir“, sagt der 47-Jährige. Ansonsten gäbe es allerdings keine Probleme mit den Nachbarn im Ort. „Hier macht ohnehin jeder sein eigenes Ding.“

Doch warum überhaupt Probleme? In erster Linie geht es dabei nicht um Ruhestörung wegen zu lauter Bandproben oder so. Die Frage darf gestattet sein, und Vangerow nimmt sie mir auch nicht übel, hab‘  ich den Eindruck. Denn, ja, sowohl sein Aussehen als auch der Name seiner Band lassen eine etwas derbere Gangart vermuten. „Grober Knüppel“ heißt die Gruppe. Wie beschreibt Vangerow seine Musik selbst: „Wir sind hervorgegangen aus  einer Punkband. Nicht politisch. Wir vermitteln den Geist meiner Jugend aus der Zeit Ende der 80er Jahre in eine andere Epoche. Wir machen genauso Liebeslieder wie andere Musiker auch – nur eben auf unsere Art.“ Das klingt erstmal ganz normal. Ist es vermutlich auch.

Nur die Art zu kommunizieren, ist für die meisten Ohren sicher etwas ungewohnt. Denn Wortwahl und Sprache und auch das dazugehörige Auftreten sind ziemlich derb. Und statt „nicht politisch“ träfe es anti-politisch vielleicht besser. Und das gibt Hendrik Vangerow dann auch selber zu. „Wir sind keine nette, gefällige Band. Wir ecken in alle Richtungen politisch an“, sagt er. „Wir unterscheiden nicht zwischen Links und Rechts, sondern zwischen Gut und Böse. Mich würden wahrscheinlich sowohl Linke als auch Rechte bei passender Gelegenheit an der nächsten Laterne aufhängen.“

Freiheit ist das große Ziel von Vangerow und seinen drei aktuellen Gruppenmitgliedern. Wider den Kommerz. Deshalb lebt er selbst auch so, dass er mit dem Minimum klar kommt. Geld spielt nur eine Nebensache.„Ich mache nur so viel, dass ich über die Runden komme. Ansonsten brauche ich die Zeit für mich, mein Haus, dass ja noch voll in der Renovierung steckt, meine Musik und meinen 16-jährigen Sohn.“ Diese Einstellung hat sich noch verstärkt, seit Vangerow einen schweren Autounfall hatte. Drei Wochen Koma, etwa 40 gebrochene Knochen. „Ein Lkw ist in mich und ein Stauende gefahren. Der Fahrer hat wohl mit dem Handy gespielt.“

Als er das sagt, klingt es nicht so, als würde er einen großen Hass verspüren. „Nach solchen Erfahrungen denkt man klarer über das Leben nach.“ Und anscheinend auch über die Musik. Vor Kurzem war die Gruppe auf Tour durch Indonesien. Ja, auch in Asien hört man „Grober Knüppel“. Nächstes Jahr soll noch Südamerika dazu kommen. Aber die Zeit ist das große Problem. Jeder wohnt in einer anderen Stadt, zwei Leute noch drüben im Westen. Für die Touren geht der ganze Urlaub drauf. Proben? Gibt‘s nicht. „Wir sind alle gut Musiker und können auch ohne eine gute Vorstellung liefern.“ Beim Aufnehmen der neuen Songs und Alben ist es ähnlich.  Nur ganz selten trifft man sich im Studio in Elsterberg. „Im Prinzip wird fast alles einzeln aufgenommen und dann hinterher zusammengefügt. Aber wenn die Jungs mal da sind, dann werden die Nächte durchgemacht. Fünf Songs an zwei Tagen sind dann Standard. Aber die Wände sind gut gedämmt.

Als aktuelles Projekt steht ein kleiner Kurzfilm an, der mit einem langen Lied hinterlegt werden soll. Im Song wird geschossen – verbal, versteht sich. Gegen Rechts. Nein, Entschuldigung, gegen das Böse. „Gefühle und Emotionen zu erzeugen, ist schwer als unpolitische Band. Aber wir schaffen es, und ich denke, das ist eine große Sache.“ Dafür, dass er eigentlich unpolitisch ist, fällt das Schlagwort aber ziemlich oft. Denn irgendwie rutschen wir während unseres Gesprächs immer wieder in diese Richtung.

„Die aktuelle politische Diskussion ist absoluter Irrsinn“, sagt er. Und meint damit wieder das Links-Rechts-Thema. „Ich habe aber großes Verständnis für die Menschen. Ich weiß, wo der ganze Hass herkommt.“ Und trotzdem weigert er sich, einer Seite anheimisch zu werden. „Das Gezerre um die Seelen ist widerlich.“ Nicht nur im politischen Sinne. „Auch um die Musikhörer wird gekämpft.“ Das liegt nach Vangerows Meinung daran, dass die Szenen von links und rechts die Gesellschaft – und sich gegenseitig – immer weiter unterwandern. „Den Glatzkopf mit Springerstiefeln gibt es kaum noch.

Die Leute geben sich weltoffen, geben vor, gute Jungs zu sein. So gewinnen sie Vertrauen und verbreiten ihre Ideologien von Innen.“ Doch das passt dem Freiheit liebenden Hendrik Vangerow gar nicht in den Kram. Deshalb muss er auch höllisch aufpassen, nicht selbst instrumentalisiert zu werden.  Versuche gibt es immer wieder, den „Groben Knüppel“ in eine Richtung zu drücken. „Aber ich ertrage es nicht, wenn ich mich dann google und solchen Dreck lesen muss. Dementsprechend schießen wir  dann auch immer gegen solche Leute in unserer Musik.“ Und bleiben politisch, oder unpolitisch, immer in einer Grauzone.


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
Kunststoff trifft Medizintechnik
31.01.2018, 09:00 Uhr - 01.02.2018, 14:30 Uhr
Branchentreff Bau: Bau 4.0 - BIM Grundlagen
02.02.2018, 14:00 Uhr - 16:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
07.02.2018, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Weiterbildung im Gefahrgutbereich
07.02.2018, 16:00 Uhr - 20:00 Uhr
Gründerabend
07.02.2018, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Ausstellungseröffnung: "Das Schöne begegnet mir…"
07.02.2018, 18:00 Uhr - 21:00 Uhr
Workshop: Werkvertrags(Bau)recht nach VOB/B und BGB
13.02.2018, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr
Workshop: Werkvertrags(Bau)recht nach VOB/B und BGB
20.02.2018, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr
Gründerabend
21.02.2018, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Workshop: Werkvertrags(Bau)recht nach VOB/B und BGB
26.02.2018, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr
Branchentreff Bilanzbuchhalter und Controller
27.02.2018, 09:30 Uhr - 14:00 Uhr
Montanregion Sachsen - Eine Standortbeschreibung
01.03.2018, 09:45 Uhr - 17:00 Uhr
Die rechtssichere Website
06.03.2018, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
07.03.2018, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
7. Leipziger EEG-Tag
07.03.2018, 09:00 Uhr - 14:00 Uhr
Re-Zertifizierung – Jetzt wird’s Zeit!
07.03.2018, 14:00 Uhr - 17:00 Uhr
Gründerabend
07.03.2018, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Aktuelle Entwicklung in der EU-Agrarpolitik
09.03.2018, 14:00 Uhr - 16:00 Uhr
Ausbilder-Stammtisch der IHK zu Leipzig
12.03.2018, 14:00 Uhr - 16:00 Uhr
Vergabekonferenz zu regionalen Bauvorhaben 2018
13.03.2018, 16:00 Uhr - 18:00 Uhr
Neue Absatzchancen in Österreich und der Schweiz
14.03.2018, 09:30 Uhr - 13:00 Uhr
Krimilounge zur IHK
15.03.2018, 19:00 Uhr - 22:00 Uhr
Leipziger Independent Verlage stellen sich vor
16.03.2018, 19:00 Uhr - 22:00 Uhr
Gründerabend
21.03.2018, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Leipziger Sicherheitsforum 2018
27.03.2018, 16:00 Uhr - 19:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
11.04.2018, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
02.05.2018, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

Probe-Abo

INFOS & EMPFEHLUNGEN


torgau druck online

Wohnungsmarkt