Samstag, 23. September 2017

 
Dienstag, 12. September 2017

NORDSACHSEN

Ein toller Tag für kleine Wolfstränen

Gleich mit zwei Bullis wurden die kleinen Leipziger vom Torgauer Bahnhof abgeholt.Foto: privat

Von Christian Wendt und Matthias Klöppel

Zinna/Leipzig. Dass ausgerechnet kleine Wolfstränen unlängst in Wolfsburgs historischem Stolz sitzen durften, war reiner Zufall. Den vier bis zehn Jahre alten sechs Jungen und Mädchen aus Leipzig war’s egal. Sorgten doch gerade zwei blitzeblanke „Wölfe“ für ein wenig Abwechslung in ihrem schicksalsbehafteten Leben.

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„Es gibt Momente, da steht die Welt für einen Augenblick still. Und wenn sie sich dann weiterdreht, ist nichts mehr, wie es war.“ Unter diesem Sinnspruch hat sich Anfang des Jahres der Verein „Wolfsträne“ in Leipzig gegründet. Katrin Gärtner rief diesen federführend ins Leben. „Wir wollen Kinder und Jugendliche ein Stück auf ihrem Trauerweg begleiten, wenn sie ein oder beide Elternteile verloren haben“, fasst sie die Vereinsidee prägnant zusammen.

Sie spricht aus eigener Erfahrung. Katrin Gärtner musste im Alter von 14 Jahren den Tod ihrer Mutter verschmerzen und hat darunter sehr gelitten. „Wir möchten Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 21 Jahre unterstützen, damit sie nicht das Gleiche durchmachen. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind.“

Um von dergleichen Trennungsschmerzen abzulenken, kam das vor allem im Internet angepriesene Angebot des Bulli-Taxis gerade recht. Seit Wochen hatte der Zinnaer Firmenchef Christian Baer mit seiner Truppe die Werbetrommel dafür gerührt. Zum ersten Mal machten sich die Kleinbusverrückten auf, als Dienstleister für einen guten Zweck einen ihrer Vier-Zylinder-Boxermotoren anzuwerfen. Jeder – ob jung oder alt, groß oder klein - hatte die Möglichkeit, einen Tag lang einen von der Truppe liebevoll restaurierten Bulli inklusive 100 Kilometer gestellt zu bekommen. Erstaunlich: Aus dem Raum Torgau, der Heimat von Bulli-Taxi, gab es – trotz vieler Zustimmungen bei Facebook – nicht eine Bewerbung.

Überzeugen konnte indes die Bewerbung des Vereins „Wolfsträne“ aus Leipzig. Und schon hatten die Bullis aus Zinna ein Problem: Ein Fahrzeug allein würde Kinder und Betreuer nicht fassen. Weil man die Leipziger jedoch bei der eigenen Premiere und ob der dahinterstehenden Geschichte nicht im Regen stehen lassen wollte, wurde flugs noch ein zweiter Bulli organisiert.

Die beiden Fahrer, Christian Baer und Steffen Michl, erwarteten die vor Vorfreude sprühenden kleinen Leipziger dann am Bahnhof in Torgau. Bis hierher (und natürlich auch wieder zurück) ging’s dank der Unterstützung durch den Mitteldeutschen Verkehrsverbund gratis. Obendrauf durften sich die Kinder auch noch über kleine Überraschungen vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund im Zug freuen.

Von der Schiene auf die Straße gewechselt, steuerte man sofort das Ziel der Reise an: Es ging ins Riesaer Kinderland. Auch hier hatten sich die Betreiber von ihrer spendablen Seite gezeigt und ermöglichten den Leipzigern einen unbeschwerten Abenteuertag, weit weg von jeglichen Sorgen und Ängsten. „Wer sich als Kind nicht mit seiner Trauer auseinandersetzt, wird krank“, sagt Katrin Gärtner. Die 35-Jährige ist gelernte Altenpflegerin und in der häuslichen Kinderintensivpflege tätig. „Ich bin vor einiger Zeit einem mutterlosen Mädchen begegnet. In ihr habe ich sehr viel von mir wiedererkannt. Ich wollte ihr deshalb unbedingt helfen. Aber in Leipzig gab es bisher so gut wie keine Anlaufstellen für trauernde Kinder.“ Die Folge: Katrin Gärtner legte eine Facebook-Seite an, machte Werbung für das sensible Thema, suchte übers Internet nach Gleichgesinnten.

Bei „Wolfsträne“ machen aktuell 17 Leute mit, darunter ein Sozialpädagoge sowie eine Kinder- und Jugendpsychologin. Für die Vereinsarbeit wurden zwei Räume im Heinrich-Budde-Haus in der Leipziger Lützowstraße angemietet. Dort finden sich Trauernde alle 14 Tage je nach Altersstufe in einer Gruppe ein und tauschen sich über ihre Situation aus. Des Weiteren gibt es kreative und künstlerische Angebote: Tanzen, Yoga, Traumreisen, das Basteln von Kerzen oder Erinnerungskisten. „Außerdem wollen wir den Angehörigen und den Bezugspersonen  der Kinder Tipps für Behördenanträge geben und psychologische Unterstützung vermitteln.“
Dem Bulli-Team gingen die Erfahrungen mit ihren jungen Gästen recht nah. „Da hat sich all der Aufwand, den man betrieben hat, echt gelohnt“, sagt Christian Baer, selbst dreifacher Vater.

Die Gewinnaktion soll künftig alle zwei Monate über die Bühne gehen. Aussagekräftige Bewerbungen können über die Facebook-Seite von www.bulli-taxi.de oder einfach per E-Mail an info@bulli-taxi.de geschickt werden.

Info:

Warum der Name „Wolfsträne“? Dieser verweist auf das, was allen Kindern gemeinsam ist, die einen nahestehenden Menschen verloren haben: Tränen. „Den Wolf haben wir gewählt, weil er ein Rudeltier ist und für Kraft und Energie steht. Beides können Kinder bei uns wiederbekommen“, erklärt Katrin Gärtner.


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