Mittwoch, 22. November 2017

 
Montag, 11. September 2017

LOKALSPORT

Beobachtungen vom Rande des HeideRadCups

91 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Altersklassen zählte die Familientour der AOK plus. Foto: TZ/Stöber

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Radsport. Ein „Opa“ aus Kassel, Erinnerungen an Täve Schur, begeisterte Hamburger und weitere Geschichten rund um den 7. HeideRadCup lesen Sie hier (kostenpflichtig):

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Radsport. Joachims Auto parkt am Geharnischten-Festplatz, direkt neben einem Trafohäuschen der Stadtwerke. Die Kofferaumklappe des Vans steht offen. Sie dient wahlweise als Sonnen- oder Regenschutz. Unten drunter hat der Franke, der mittlerweile in Kassel lebt, sein Rennrad auf die Rollen gepackt und strampelt sich warm. Eine typische Szene am Morgen des zurückliegenden Sonntags. Denn mit dem HeideRadCup steigt eine der größten Rennsportveranstaltungen Sachsens in der Großen Kreisstadt. Mehr als 700 Teilnehmer werden die Sportfreunde Neuseenland am Ende des Tages über die Strecken geschickt haben. Erstmals in diesem Jahr sind auch Lizenzfahrer darunter. Aus diesem Grund ist auch Joachim das erste Mal dabei. Er fährt das Lizenzrennen der Opas, wie er es schmunzelnd nennt. 65 Jahre ist er jung.

Alba könnte seine Enkelin sein, zumindest mit Blick auf ihr zartes Alter von 13 Monaten. Albe spielt mit Mama Marie Hanninger den ganzen Tag über an der Kuhteichkurve unter einem Baum auf einer Wiese. Gemeinsam jubeln sie zwei Mal Maries Mann und Albas Papa, Sergio Martin Amat zu. Die kleine Familie ist extra für den HeideRadCup aus Hamburg angereist. „Das war Sergios Idee“, sagt Marie. Der Cup sei nicht so megagroß, sondern eine überschaubare Veranstaltung in einer ruhigen Region. Das Trio war bereits am Freitag in Torgau angekommen. Die Altstadt habe ihr sehr gut gefallen, sagt Marie Hanninger. Und auch die Elbe: „Es ist spannend, wie sie flussaufwärts aussieht“, sagt die Hamburgerin.

Die Elbe hat es auch Joachim angetan. Der verbringt dieser Tage radelnd seinen Jahresurlaub. Noch am Sonnabend war er in Wörlitz beim Großen Preis der Parkstadt gefahren – die „Tour de Franz“. Der Kurs dort – aber auch bei vielen anderen Rennen in Deutschland – sei mit Torgau aber nicht vergleichbar. „Oft geht es nur im Kreis, und das zig Mal“, so der 65-Jährige. „Das hier ist ein richtiges Straßenrennen!“ Im Westen gebe es sowas kaum bis gar nicht. „Behörden und Polizei spielen dort nicht so gut mit, wie hier“, stellt er fest.

Nicht möglich wäre ein Straßenrennen ohne die umfangreichen Sperrungen und die vielen Helfer, die diesen Sperrungen auch Nachdruck verleihen. Zahlreiche waren es auch in diesem Jahr wieder beim HeideRadCup. Zu ihnen gehört Evelyn Czirpka. Wie die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen mit den grünen Leibchen ist sie nicht das erste Mal dabei und hat eine entsprechende Routine im Umgang mit überraschten und manchmal auch verärgerten Zeitgenossen, die feststellen müssen, dass die von ihnen gewählte Strecke dicht ist. Beinahe obligatorisch sind die Urlaubsheimkehrer, die von nichts wissen. „Das hatte ich tatsächlich auch dieses Jahr wieder“, berichtet sie.

In diesem Fall blieb das Auto stehen und die Besitzer müssen ihren fahrbaren Untersatz samt Reisegepäck am späten Nachmittag nachholen. Meistens, so Evelyn Czirpka, seien die Menschen verständnisvoll. So wie Dieter Brade, der am Sonntag eigentlich zum Fußball nach Mehderitzsch will, um den FC Elbaue zu unterstützen. „Sicherheit geht vor, das verstehe ich“, sagt Brade und bleibt dann noch fast eine halbe Stunde an der Absperrung, um die Fahrer zu beobachten, die vom Kreisverkehr kommend in Richtung Ziel fahren. Dabei gerät der Senior ins Schwärmen, denkt an die Friedensfahrt zurück, die in den 80ern Torgau passiert hat und an ein Rennen am Brückenkopf, das allerdings noch viel weiter zurück liegt. DDR-Radsportlegende Täve Schur habe damals gewonnen.

Ein Gewinner ist an diesem Tag auch Hans Koch – der schlaksige Blondschopf geht nach 110 Kilometern als erster über die Ziellinie. Bejubelt auch von seinen Eltern Kerstin und Steffen. Viel Zeit zum Feiern hat der Ex-Leipziger jedoch nicht. Denn er lebt inzwischen in Böblingen und am Montag heißt es dort wieder „Schaffen gehen!“ Über die beste Fahrtstrecke dorthin (freilich mit dem Auto) tauschte er sich am Getränkestand mit Eberhard Sowa aus – zweimal im Jahr, einmal beim Stadtfest und dann als Christkind auf dem Weihnachtsmarkt, fährt der nach Sindelfingen, in den anderen Teil der zumindest räumlich verwachsenen Doppelstadt

Sowa gehört übrigens zur Crew des SC Hartenfels, der vor Ort für Getränke, Kuchen und Bratwürstchen sorgt. Auch Vereinschef Sören Wachsmann ist vor Ort. Seine Hartenfelser haben auch die Herrschaft über den Kauflandparkplatz, der an diesem Tag aus allen Nähten platzt, als stünde ein langes Wochenende bevor.
Für Joachim bricht kurz vor Drei auch das Wochenende an. Für das Treppchen habe es leider nicht gereicht, das Rennen am Tag zuvor habe doch ein paar Prozent gekostet, und der Wind sei eine stetige Herausforderung gewesen, gesteht er ein. Seinen Gesamteindruck stört das jedoch überhaupt nicht. Sofern seine Altersklasse wieder angeboten wird, will er auch 2018 beim HeideRadCup dabei sein. Und vielleicht lässt er sich dann auch fotografieren.

Die Sieger des HeideRadCups 2017
Radsport. Hier die Top-3 bei den Frauen und Männer über die einzelnen Distanzen, sowie die Gewinner der Teamwertungen. Die kompletten Listen mit Alterswertungen finden sie im Internet unter https://baer-service.de/ergebnisse/HRC/2017/
40 Kilometer, Frauen:
1. Monique Löb (1:12:53,3), 2. Sandra Stoy (1:12:54,4), 3. Lea Devantier (1:12:54,9);
40 Kilometer, Männer:
1. Maik Schapelt (1:11:18,1), 2. Heiko Löb (1:11:18,1), 3. Marco Boock (1:11:18,4); 40 Kilometer, Teamsieger: 1. EXPRESSO-Cycleholics.de;
70 Kilometer, Frauen:
1. Jana Hölzer (1:49:25,8), 2. Denise Bresan (1:49:27,1), 3. Sandra Rühling (1:50:55,6);
70 Kilometer, Männer:
1. Sascha Böhm (1:40:05,3), 2. Robert Richter (1:40:05,3), 3. Robert Lutzke (1:40:07,1); 70 Kilometer, Teamsieger: Lucky Bike Team;
110 Kilometer, Frauen:
1. Franziska Wenske (2:41:10,2), 2. Dörte Martischewsky (2:42:40,7), 3. Zoe Dahmen (2:59:57,5);
110 Kilometer, Männer:
1. Hans Koch (2:36:04,5), 2. Josh Mechsner (2:36:06,5), 3. Martin Goetze (2:37:18,0); 110 Kilometer, Teamsieger: RadMitte Strassenteam


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