Mittwoch, 21. Februar 2018

 
Mittwoch, 13. September 2017

TORGAU

Stille nach "Dona nobis Pacem" - dann stürmischer Applaus

Das Colleqium Vocale Leipzig, die Merseburger Hofmusik und vier Solisten, dirigiert von Michael Schönheit, schenkten dem Publikum in der Stadtkirche St. Marien mit der Aufführung der Hohen Messe h-Moll von Johann Sebastian Bach einen außergewöhnlich klangvollen Abschluss des Tages des offenen Denkmals. Foto: TZ/Zahn

Von Georg Frackowiack

Torgau. Aus Anlass des Tages des offenen Denkmals kam es am Sonntag in der Stadtkirche St. Marien unter Leitung von Michael Schönheit zur Aufführung der Hohen Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach.

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Ausführende waren das Collegium Vocale Leipzig, die Merseburger Hofmusik sowie die Gesangssolisten  Gerlinde Sämann, Britta Schwarz, Henriette Gödde, Falk Hoffmann und Andreas Scheibner.

Bachs geniales chorsinfonisches Werk kann nur der „Missa solemnis“ von Ludwig van Beethoven als gleichwertig  zur Seite gestellt werden. Beide Komponisten haben ihre Tonschöpfungen niemals gehört, denn die Bachsche Messe wurde in Leipzig nicht aufgeführt (ob in Dresden, ist nicht erwiesen), und Beethoven war zur Zeit der Niederschrift und Uraufführung seines Meisterwerkes schon völlig ertaubt. Die Aufführung am vergangenen Sonntag mit vierfacher Besetzung der Chorstimmen erinnerte sehr an die Aufführungspraxis der Bachzeit, in der bei größeren Anlässen die Stimmen des Thomanerchors  auch nur 3- bis 4-fach besetzt waren. Hinzu kam die Wiedergabe des Orchesterparts auf historischen Instrumenten, die nicht über die Leuchtkraft der heutigen verfügten und deshalb eher ein etwas gedämmtes Klangbild vermittelten.

Im Gegensatz zu gegenwärtigen Aufführungen wurden die Solostimmen in der damaligen Zeit jedoch nicht von Berufssängern, sondern von gut ausgebildeten Thomanern gesungen. Wie ein mächtiges Portal eröffneten die Instrumentalisten am vergangenen Sonntag in St. Marien das große Chorwerk, bevor der fünfstimmige Chor den Bittgesang des ersten „Kyrie eleison“ (Herr erbarme dich unser) anstimmte. Im Gegensatz dazu war der erste Chor des „Gloria in excelsis Deo“ (Ehre sei Gott in der Höhe) bei festlichem Glanz des Orchesters von Jubel erfüllt. Überhaupt spielten die Chöre in Bachs Messe eine dominierende Rolle, ganz anders als in vielen seiner Kantaten, in denen die Sologesänge überwiegen.

Doch es waren auch in diesem Werk bewegende Arien und Duette zu hören, wie zum Beispiel das hochgradig verinnerlichte, vom Alt vorgetragene „Agnus Dei“, das sicherlich zu den aussagestärksten Sologesängen des Thomaskantors gehört.
Nach der ergreifenden Friedensbitte „Dona nobis Pacem“ (Gib uns Frieden), die auch in unserer Zeit nicht an Aktuallität eingebüßt hat, ging die gewaltige Tonschöpfung zu Ende.

Eine ergreifende Stille im Publikum nach Verklingen des letzten Akkordes sagte mehr aus als der stürmische Applaus, der dieser folgte. Chorsänger, Solisten und Instrumentalisten, nicht zuletzt aber der Dirigent Michael Schönheit hatten eine beeindruckende Leistung vollbracht, für die ihnen Dank und Anerkennung gebührt.

 

Info:

Das Colleqium Vocale Leipzig, die Merseburger Hofmusik und vier Solisten führten jenes grandiose Werk in St. Marien auf, das als „Vermächtnis des großen Bach“ in den Analen der Musikgeschichtsschreibung verankert ist. Torgaus Kirchenmusikdirektor Ekkehard Saretz macht zudem die enge Verbindung mit Torgau und der Reformation deutlich: „Hätte es Martin Luther und seinen Zeitgenossen Johann Walter nicht gegeben, der die erste evangelische Kantorei gründete, wären Johann Sebastian Bach und Heinrich Schütz undenkbar gewesen, folglich auch Bachs h-Moll-Messe.“ Sie gilt auch als einzige vollständige Vertonung des Messordinariums.


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