Sonntag, 19. Januar 2020
Mittwoch, 20. September 2017

TORGAU

Ehemalige Heimkinder trafen sich zum 15. Mal

Roland Steiner stellt im KAP seinen Dokumentarfilm vor. Foto: TZ/Leukhardt

Von Manuela Rummel

Am 16. September trafen sich über 150 ehemalige DDR-Heimkinder in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. Bereits zum 15. Mal fand dieses Treffen statt.

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Torgau. Am 16. September trafen sich über 150 ehemalige DDR-Heimkinder in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. Bereits zum 15. Mal fand dieses Treffen statt und bot auch in diesem Jahr den Betroffenen Raum, sich über das Erlebte auszutauschen und persönlich kennenzulernen. Neben ehemaligen Heimkindern, welche diese Treffen seit vielen Jahren besuchen, konnte die Gedenkstätte auch viele neue Teilnehmer begrüßen die bundesweit für diesen Tag anreisten.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete der Dokumentarfilmer Roland Steiner mit seiner Dokumentation »Jugendwerkhof« aus dem Jahr 1982, welcher in der Kulturbastion Torgau gezeigt wurde. Fotos und Filmaufnahmen aus DDR-Heimen sind eine Seltenheit. Jede Form von Öffentlichkeit war für die Heimerziehung im SED-Staat ein Tabu. Trotzdem ist es Steiner gelungen, vier Wochen das Leben eines jungen Mädchens im Jugendwerkhof Hummelshain mit der Kamera zu begleiten. Auch mit der sogenannten Schere im Kopf, um eine Filmfreigabe durch das DDR-Kulturministerium zu erreichen, sind ihm eindrückliche Filmaufnahmen gelungen, die unmittelbar nach der Premiere beim Dokfilmfestival Leipzig auf Veranlassung von Margot Honecker als Volksbildungsministerin zum Verbot des Filmes führten.

Heute ist der DEFA-Dokumentarfilm ein einzigartiges Zeitdokument. 35 Jahre nach den Filmaufnahmen im Jugendwerkhof Hummelshain zeigten sich die Teilnehmer des Treffens zutiefst bewegt, als sie diese Bilder teilweise zum ersten Mal sahen und mit Roland Steiner ins Gespräch kamen. Viele der Betroffene äußerten, dass sie sich bei dem Film an ihre Zeit in den verschiedenen DDR-Heimen erinnert fühlten und auch wenn bei der Dokumentation das ein oder andere nur angedeutet wurde, vieles „zwischen den Zeilen“ erkennbar war. Sonja Sprößig, Betroffene der repressiven Heimerziehung in DDR-Normalheimen und u.a. im Jugendwerkhof Gerswalde, äußerte: „Ich fühlte mich in die Zeit als 15-Jährige zurückversetzt. Dieser Film rief viele Erinnerungen hervor, auch wenn ich nicht im Jugendwerkhof Hummelshain untergebracht war.“ Sprößig unterstützt die historisch-politische Bildungsarbeit der Gedenkstätte seit mehreren Jahren indem sie beispielsweise Zeitzeugengespräche führt. Auch wenn sie schon einiges aufarbeiten konnte und mit ihrer Vergangenheit offensiv umgeht, wäre es noch einmal etwas ganz anderes „originale Bilder aus dieser Zeit zu sehen“.

Nach diesem intensiven Auftakt kamen alle Teilnehmer in der Gedenkstätte zusammen. Dort erwartete sie neben gemeinsamen Gesprächen und Imbiss auch die Ausstellung „Vergangenheit bewältigen“, in welcher vier ehemalige Heimkinder aus drei Jahrzehnten über ihr gemeinsames Hobby Fotografie das ihnen widerfahrene Leid und Unrecht in DDR-Heimen verarbeiten. Die berührenden Bilder sind Zeugnisse einer verlorenen Kindheit und Jugend. Sie dokumentieren eine besondere Art der persönlichen Aufarbeitung und des individuellen Verarbeitens ihrer bedrückenden Heimerfahrungen. Die Ausstellung wird noch bis zum Ende des Monats in der Gedenkstätte zu sehen sein.
Der Film, die Ausstellung und die Gespräche mit den Betroffenen zeigten auch zum diesjährigen Treffen wieder, wie wichtig die Aufklärungs- und Bildungsarbeit ist und welche Bedeutung die Gedenkstätte gerade auch für die ehemaligen Betroffenen als Ort der Begegnung einnimmt. Weiterhin ist es wichtig, die breite Öffentlichkeit auf dieses Thema aufmerksam zu machen.


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