Sonntag, 15. Juli 2018

 
Montag, 16. Oktober 2017

NORDSACHSEN

Fischsuppen-Geheimnis nicht (ganz) gelüftet

Ein glitschiges Gesetz: Der erste Kuss von Fischkönigin Sandra I. gilt dem edlen Karpfen. Aber der muss danach sein Leben lassen. Foto: TZ/G. Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Langenreichenbach. Karpfenernte wurde beim 15. Langenreichenbacher Fischfest in geselliger Runde frisch verarbeitet - und verspeist

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Genüsslich löffelt Marlies Kummer am Samstag um die Mittagszeit ihre Fischsuppe, blinzelt in die Herbstsonne und hebt den Daumen hoch in Richtung Gulaschkanone: „Vorzüglich, die kann nur Toralf so gut kochen!“, ruft sie. Alle anderen bekräftigen dies - und holen sich als zweiten Gang entweder frisch geräucherten oder knusprig gebackenen Karpfen mit Brot, Bratkartoffeln oder hausgemachtem Kartoffelsalat. Auch Grillwürstchen sind zu haben, doch Vorrang haben die Fischspezialitäten. Die Sonne strahlt über das Gelände am Karpfenteich neben der Mini- und Jugendfeuerwehr, und der Herbstwind vermischt die verschiedenen Aromen zum verführerischen Duft.

"Klasse Gewürzt, das kann nur Toralf!" lobt Marlies Kummer den Fischsuppenkoch.

Das 15. Fischfest in Langenreichenbach ist ein Fest für die gesamte große Dorffamilie. Als solches wurde es einst ins Leben gerufen, und so hat es sich im Laufe von 15 Jahren entwickelt. Veranstaltet wird es von der Fischgruppe unter Leitung ihres Präsidenten Georg Minkwitz. Alle Mitstreiter gehören der Freiwilligen Feuerwehr an - und diese wiederum verzweigt sich durch die gesamte Dorfgemeinschaft.
Schon Tage zuvor hatten die Vorbereitungen begonnen. Am frühen Samstagmorgen waren unter anderem Erhard Schäfer, Friedrich Wendt, Achim Mamsch, und Marko Kuhn zeitig angerückt, um den Festplatz herzurichten: Kochstrecke, Gulaschkanone und reichlich Sitzgarnituren wurden aufgestellt. Auch der Räucherofen  konnte ein erstes Mal bestückt werden. „Damit von Anfang an genug Fisch da ist, haben wir einige Karpfen hinzugekauft und küchenfertig vorbereitet“, erklärt Erhard Schäfer.

Marko Kuhn und Achim Mamsch bestücken den Räucherofen mit frischen karpfenteilen, Erhard Schäfer (unten) entgrätet und schneidet Karpfenstücke als Suppenbeilage.

Alle anderen Männer hatten eine ebenso wichtige Aufgabe zu erfüllen. „Wo bleiben sie denn?“, so tönt es gegen 10.15 Uhr über den Platz. Dann endlich nähert sich mit etwas Verspätung ein tuckerndes Geräusch. Es stammt von einem Lanz Bulldog, gesteuert von Ron Herfurth. Auf dem Hänger des altertümlichen Schleppers sitzen die Petri-Jünger mit Keschern bewaffnet, haben ihre alte – und die neue Fischkönigin von zu Hause abgeholt. Unter stürmischem Beifall werden sie nun von der Festgemeinde begrüßt. Sodann waltet der Präsident seines Amtes, fordert Heike I. auf, die Krone vom Haupt zu nehmen und ihre  Nachfolgerin Sandra I. damit zu schmücken. Heike macht es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Immerhin hat ihr die Amtszeit sehr schöne Momente beschert. Bei feierlichen Anlässen und Jubiläen ist Langenreichenbachs Fischkönigin ein gern gesehener Ehrengast. Heike sagt allen Unterstützern herzlichen Dank und wünscht Sandra I. eine ebenso tolle Zeit im schönsten Ehrenamt des Ortes.

Nach der Treckertour zum Festplatz halten die ehrenamtlichen Petri-Jünger ihre Kescher zum Spalier, um ihren Präsidenten sowie die bisherige Fischkönigin Heike Boinski und ihre Nachfolgerin Sandra Moritz zu begrüßen.

Die erste Amtshandlung folgt sogleich: Watestiefel überziehen, Jackenärmel nach hinten schieben - und dann geht‘s Seite an Seite mit den Männern in den Teich zum ersten Fischzug. Das Publikum gibt gute Ratschläge, während die Karpfen mittels Netz zusammengedrängt, mit Keschern herausgefischt und sofort in zwei Becken mit Frischwasser gegeben werden. Durchweg sind es fast alles kapitale Burschen, mehr als 90 Stück an der Zahl. Sogar zwei Hechte hüpfen im Netz, die dann mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Doch kein Fisch entgeht dem für ihn vorbestimmten Weg. Alle werden fachmännisch unter Regie von Metzger Fred Leuschner geschlachtet, um dann - in Stücke zerteilt - entweder im Räucherofen oder paniert im heißen Öl veredelt zu werden - oder die Fischsuppe zu verfeinern.
Apropos Langenreichenbacher Fischsuppe: Das genaue Rezept lässt sich Toralf Wendt nicht entlocken. Das sei „großes Dorfgeheimnis“, bittet er um Verständnis. Aber einige Zutaten hat die TZ-Redakteurin am eigenen Gaumen erkunden können: Möhren, Sellerie, Porree und saure Gurken sowie Pfeffer, Paprika, Koriander, Lorbeer, Dill und Senfkörner. „Auch Chili kommt rein, für die besondere Schärfe“, fügt der Fischsuppenkoch schmunzelnd hinzu. Wie viel freilich von jeder Zutat und jedem Gewürz pro Liter verwendet wird, darüber schweigt er beharrlich. Am späten Abend findet das Fischfest beim „Schlammtanz“ im abgelassenen Teich ein vergnügliches Ende.

Ein Ritual, das sich alljährlich im Oktober in Langenreichenbach wiederholt: Im Teich ziehen die Hobbyfischer und ihre Fischkönigin das Netz immer enger, damit die Karpfen mittels Kescher gefangen werden können.

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