Dienstag, 22. Januar 2019

 
Dienstag, 17. Oktober 2017

NORDSACHSEN

"Wir haben noch Hausaufgaben zu erledigen"

Gegen 18.20 Uhr rückten am Freitag bei Torgau Kuvert gleich fünf Feuerwehren an und machten sich dort umgehend an die Arbeit.Foto: TZ/Manthey

Nick Leukhardt

Im Nachgang der großen Feuerwehrübung des letzten Freitags ziehen Vertreter der Feuerwehr und Torgau Kuverts ein zufriedenes Fazit der gesamten Aktion:

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Süptitz/Torgau. Es war ein beeindruckendes und gleichzeitig skurriles Bild, was sich am Abend des vergangenen Freitags den Mitarbeitern von Torgau Kuvert bot: Zahlreiche Feuerwehrmänner rückten mit allerlei Technik auf dem Hof der Briefumschlagsfirma an und machten sich sofort an die Arbeit. Schläuche wurden verlegt, Atemschutzmasken angelegt und Befehle gefunkt. Nur ein kleines Detail fehlte bei der ganzen Sache: Das Feuer. Denn was weder die Feuerwehrleute noch die Angestellten von Torgau Kuvert wussten, bei der ganzen Angelegenheit handelte es sich nur um eine groß angelegte Brandschutzübung.

„Wir kämpfen schon seit guten drei Jahren dafür, endlich mal solch eine Übung bei uns in der Firma durchführen zu können,“ berichtet die Betriebsleiterin von Torgau Kuvert, Silke Gosdschick. „Aber da es eben doch ein etwas größeres Unterfangen ist, bei dem man viele Akteure miteinander abstimmen muss, hat es bis jetzt gedauert.“

Doch besser spät als nie, ist Gosdschick der Meinung. So könne man zwar zahlreiche theoretische Seminare zum Thema Brandschutz durchführen, eine praktische Übung wäre nichtsdestotrotz das deutlich wirksamere Mittel. „Man muss das einfach mal erleben, um tatsächlich auch die Brisanz der ganzen Situation zu erfassen.“ Und dies scheint bei ihren Mitarbeitern tatsächlich auch der Fall gewesen zu sein. Gerade einmal drei Minuten habe es gedauert, die 20 Personen, die für die Spätschicht an diesem Abend eingeteilt waren, sicher aus dem Gebäude zu bekommen. Und auch die drei „vermissten“ Arbeiter, welche von der Feuerwehr gefunden und gerettet werden mussten, konnten sicher nach Draußen gebracht werden.

Alles in allem bin ich wirklich froh, dass unsere Mitarbeiter alle wichtigen Aspekte beherzigt und danach gehandelt haben. Nichtsdestotrotz haben wir noch Hausaufgaben zu erledigen, aber dafür gibt es ja dann Möglichkeiten nachdem wir die Übung mit der Feuerwehr aufbereitet haben. Alles in allem hat es sich auf jeden Fall gelohnt.“

Bürgermeister Wolfgang Sarembe war ebenfalls mit von der Partie, hier im Gespräch mit Silke Gosdschick.

Ähnlich positiv eingestellt zeigte sich auch Tobias Behrens von der Freiwilligen Feuerwehr Süptitz. Er fungierte bei der Übung als Einsatzleiter und war einer der wenigen Feuerwehrleute, die in die ganze Sache eingeweiht waren. Denn auch Großteile der Kameraden waren über die Tatsache, dass es sich beim Einsatz bei Torgau Kuvert nur um eine Übung handelte, im Dunkeln gelassen worden.

Lediglich der Süptitzer Ortswehrleiter Sebastian Bäßler, Dreiheides Gemeindewehrleiter Sven Höll und eben Behrens wussten um die wahre Beschaffenheit dieses hochbrisanten Einsatzes. Denn Herausforderungen gab es für die Kameraden genug. Neben der akuten Brandsituation in der Briefumschlagsfabrik waren auch Mitarbeiter Torgau Kuverts als vermisst gemeldet und Gefahrgut war ausgetreten. „Gefahrgut 1170“, merkt Behrens an, „reiner Alkohol, also extrem brennbar.“

Der allererste Punkt auf der Agenda der Wehren war die Rettung der drei Arbeiter. Diese waren erst fünf Minuten bevor der Alarm im Unternehmen tatsächlich losging mit ihrer Aufgabe betraut und anschließend an einem bestimmten Ort im Gebäude platziert worden. Nachdem sie gerettet und auch die Brandbekämpfung inklusive eines (theoretisch) brennenden Papierpresscontainers vollzogen war, wurde noch die Halle entraucht und die Gefahr war gebannt.

Tobias Behrens (2.v.r.) in Absprache mit Ray Richter (Feuerwehr Torgau) und zwei Mitarbeitern von Torgau Kuvert.

Das Ethanol, weswegen dem die Torgauer Feuerwehr extra mit einem Gefahrguttransporter angerückt war, stellte sich am Ende als nicht so gefährlich dar, wie zuerst angenommen. „Im Großen und Ganzen ist Übung wirklich gut gelaufen“, fasst Behrens abschließend zusammen. „Einige kleine Mängel sind natürlich aufgetaucht, aber die waren nicht weiter dramatisch.“

Gemeindewehrleiter Sven Höll beim Protokollieren der Übung. Fotos: TZ/ Manthey

Dem kann auch Gemeindewehrleiter Sven Höll nur zustimmen. Die Nachbereitung zusammen mit dem Bürgermeister und Torgau Kuvert finde zwar erst zu einem späteren Zeitpunkt statt, zufrieden sei er jedoch auch jetzt bereits. Seine Aufgabe war das Beobachten des ganzen Spektakels. Er hielt sich aus dem Einsatzgeschehen zurück und blickte von außerhalb auf das Geschehen. Eine besondere Herausforderung für die Kameraden war die Auseinandersetzung mit dem neu eingeführten Digitalfunk.

Zwar waren zuvor schon einige kleinere Einsätze mit dieser neuen Kommunikationstechnik durchgeführt worden, ein Einsatz oder eine Übung in dieser Größenordnung, mit 51 Kameraden, sei jedoch absolut neu. Dies sei jedoch für die fünf Wehren, die am Freitag im Einsatz waren, kein großes Problem gewesen. „Die größte Herausforderung war eigentlich die Zusammenarbeit von so vielen Kameraden, aber das klappte wunderbar. Weiteres sehen wir dann in der Nachbearbeitung in den kommenden Wochen.“


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