Montag, 23. Juli 2018

 
Mittwoch, 18. Oktober 2017

DOMMITZSCH

Kündigung für Ausstellungszentrum

Lysander PötzschFoto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Der Verein Mitteldeutsche Kirchenstraße Dommitzsch hat von der Stadt die Kündigung für das Ausstellungszentrum in der Dübener Straße bekommen. Der erste große Fall für „TZ kümmert sich!“

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Traurig hat Lysander Pötzsch damit begonnen, Kisten zu packen. Es fällt schwer. Zu viel Herzblut steckt im Ausstellungszentrum der Mitteldeutschen Kirchenstraße in der Dübener Straße in Dommitzsch.

Das Ausstellungszentrum in der Leipziger Straße in Dommitzsch soll geschlossen werden.

Seit fast zehn Jahren ist die ehemalige Fabrikantenvilla Anlaufpunkt für Touristen und Besucher der Stadt. Kein Wunder. Auf drei Etagen und rund 300 Quadratmetern Fläche stapeln sich mittlerweile geschätzt 10 000 bis 15 000 Exponate, liebevoll angeordnet und säuberlich getrennt in verschiedene Themenbereiche.

Besonders das Schulmuseum, aber auch die Räume altes Handwerk sowie das Dingemuseum mit den Schwerpunkten DDR-Alltag und historische Technik erlebten in den vergangenen Jahren einen wahren Ansturm. Unterm Dach sorgt die vielleicht größte Kleiderbügel-Sammlung der Welt mit rund 6000 Einzelstücken für Erstaunen. Eine Attraktion schlechthin und mit 600 bis 1000 Besuchern zwischen April und Oktober vielfach beachtet. Immerhin liegt das Domizil direkt am Internationalen Elberadweg und so mancher Tourist legte Dank des großen Werbe-Banners und kostenlosem Eintritt einen spontanen Zwischenstopp ein.

Die Reaktionen waren zumeist ähnlich, was ein Gästebuch mit lobenden Worten und Dankversen beweist: Toll, was die Mitstreiter um Lysander Pötzsch hier zusammengetragen und aufgebaut haben. Die meisten Besucher blieben länger, als sie eigentlich geplant hatten und begaben sich auf eine eindrucksvolle Reise in die Vergangenheit. Und selbst für Klassentreffen ist das Schulmuseum mit seiner umfangreichen Fotosammlung inzwischen eine feste Größe geworden.

Schluss! Vorbei! Nach Stand von Montag dieser Woche hatte Lysander Pötzsch das ehemalige Krippengebäude bis Jahresende zu räumen. Die Stadtverwaltung war bei der Suche nach einem Käufer für die Immobilie wohl fündig geworden und hatte die Kündigung mit entsprechender Frist zukommen lassen. Ein Interessent wollte den 130-jährigen denkmalgeschützten Backsteinbau (Verkehrswert 50 000 Euro) übernehmen.

Der Verein Mitteldeutsche Kirchenstraße schickte einen Hilferuf an die Torgauer Zeitung, der erste große Fall für die neue Rubrik „TZ kümmert sich!“
Schon in einem Telefonat am Montag zeigte Bürgermeisterin Heike Karau zwar Gesprächsbereitschaft, verwies aber auch auf die Vorgeschichte und den Umstand, dass der Verkauf der Immobilie von Anfang an klar gewesen sei. Der Verein wusste das. Auf Dauer könne die Stadt das Gebäude schon wegen der baulichen Mängel nicht halten. Man wolle aber Herrn Pötzsch bei der Suche nach einem anderen Standort und bei der Auslagerung der Exponate behilflich sein. Doch lässt sich ein Ausstellungszentrum, das über zehn Jahre „gewachsen“ ist und zweifelsohne von der Lage am Elberadweg profitiert, einfach mal so in mehreren Wochen umsiedeln? Hat der Verein überhaupt die personelle Kraft dafür? Lysander Pötzsch zweifelt daran.

„Die Chance, Dommitzsch als Zentrum der Mitteldeutschen Kirchenstraße zu etablieren, ist in Gefahr“, deutet er seine Rückzugspläne an. Der Bürgermeister von Bad Schmiedeberg sei schon dagewesen und hätte sich begeistert gezeigt.
Gestern nun folgte ein spontaner „Krisengipfel“ mit Bürgermeisterin Heike Karau, Bauamtsleiterin Beate Sonntag, Vereinschef Lysander Pötzsch und TZ-Redakteur Nico Wendt im Rathaus. Die Gefühle wogten hin und her.

Tenor: Wenn der Käufer, was durchaus möglich ist, wieder abspringt, könne der Verein erst einmal im Gebäude bleiben. Aber die Kündigung wird aus formellen Gründen nicht zurückgenommen, so Heike Karau. Eine Aussage, die Lysander Pötzsch zu unsicher erschien. Es gibt bauliche Mängel, es sind Schäden am Dach eingetreten, auf Dauer könne man das Gebäude nicht unterhalten, lautete die Position der Stadt. Es fehle die Perspektive. Man sei dem Verein schon sehr entgegen gekommen, dass die Immobilie seit zehn Jahren mietfrei zur Verfügung stand und dass zwischenzeitlich Container angefahren wurden für Materialien, die keinen Platz mehr im Ausstellungszentrum fanden.

TZ-Redakteur Nico Wendt organisierte einen "Krisengipfel zwischen Bürgermeisterin heike Karau, Bauamtsleiterin Beate Sonntag und Vereinschef Lysander Pötzsch.

Lysander Pötzsch bot schließlich an, ein Nutzungskonzept zu entwickeln, das auch in das Gesamtkonzept der Stadt passt. Die Verwaltung wiederum wolle noch einmal mit dem potentiellen Käufer reden, so dass zumindest bis Juni/Juli 2018 eine Duldung für das Ausstellungszentrum in der Dübener Straße ausgesprochen werden könnte. Das würde den Druck herausnehmen und dem Verein Mitteldeutsche Kirchenstraße einen Zeitgewinn verschaffen. Geklärt werden muss, welche Notreparaturen erfolgen müssen.

Heike Karau: „Wenn der Käufer abspringt, wären wir sogar froh, wenn der Verein in den Räumen bleibt, weil das Gebäude dann lebt und nicht weiter verfällt.“ Eine Entscheidung wurde bei dem gestrigen Gespräch noch nicht getroffen. Inzwischen interessiert sich auch der Mitteldeutsche Rundfunk für die Geschichte. Die Torgauer Zeitung bleibt dran.

Haben auch Sie ein Problem? TZ kümmert sich! Wenden Sie sich an Nico Wendt, schildern Sie ihm Ihre Sorgen, machen Sie Ihrem Herzen Luft. Gemeinsam mit dem jeweils zuständigen Gebiets-Redakteur wird er sich der Sache annehmen und bestenfalls eine Lösung präsentieren. Ausgeschlossen sind private Nachbarschaftsstreitigkeiten und Dinge, die die freie Marktwirtschaft betreffen. Es muss zudem öffentliches Interesse bestehen.


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