Samstag, 21. Juli 2018

 
Dienstag, 24. Oktober 2017

NORDSACHSEN

Waldbesitzer im Wechselbad der Gefühle

Bei der Exkursion im Wald wurden eine Seilwinde sowie Maschinen und Geräte für die Waldarbeit vorgestellt. Foto: Forstbezirk Taura

von unserem Redakteur Nico Wendt

Der Erreger ist winzig klein. Die Auswirkungen sind dagegen riesengroß. Seit Juni/Juli 2016 bereitet der Diplodia-Pilz in der Region vielen Forstleuten und Waldbesitzern Kopfzerbrechen. Seitdem ist das Kieferntriebsterben beherrschendes Thema.

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Nordsachsen. Auch beim 8. Waldbesitzertag vergangene Woche in Doberschütz spielte das Problem eine tragende Rolle. Die rund 60 Waldbesitzer aus dem gesamten Bereich des Forstbezirkes Taura verfolgten gespannt einen Vortrag, der sich dem Diplodia-Pilz und dem Kieferntriebsterben widmete. Auch viele Grundstücksbesitzer haben schon leidvolle Erfahrungen damit gemacht. „Man sieht es sehr gut an Schwarzkiefern in den Vorgärten“, so Christian Huster. „Die letzten Triebe werden braun. Es sieht grauenhaft aus!“

Der Revierleiter im Bereich Schildau hat in den vergangenen Monaten recherchiert, sich vielfach kundig gemacht. Den Diplodia-Pilz gibt es weltweit. Gerade in Weihnachtsbaumplantagen in Südamerika richtet er seit längerem enorme Schäden an. „Der Pilz beziehungsweise eine Unterart existierte auch bei uns immer schon. Er zersetzt die Kiefernnadeln am Boden und leistet dabei eigentlich nützliche Arbeit“, erklärt Christian Huster. Aber bedingt durch Vorerkrankungen und Umwelteinflüsse führt er mittlerweile auch zu Absterbe-Erscheinungen auf den Kiefern selbst. „Und das kannten wir vorher nicht“, so der Forstmann. Das Ergebnis seiner Nachforschungen ist ernüchternd. Man kann gegen den Pilz nichts machen. Man sollte aber die Bestände sanieren, sonst bekommt man eine ,Spielwiese’ für Borkenkäfer, zum Beispiel für den Blauen Kiefernprachtkäfer – einen äußerst gefürchteten Schädling. Die Forstleute fanden heraus, dass das Kieferntriebsterben vor allem dort auftritt, wo es zuletzt große Hagel-Ereignisse gab. Nämlich im Nordwesten des Landkreises und zwischen Schildau und Torgau.

Im Zusammenhang mit der extremen Trockenheit der vergangenen Jahre sind die Bäume so geschwächt, dass sich der Pilz rasch ausbreiten kann. „Es fehlt Wasser, die vielen Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad im Sommer hinterlassen Spuren. Auch Misteln sind eine unterschätzte Gefahr“, zählt der Revierleiter auf. Die Besucher des 8. Waldbesitzertages nahmen den Vortrag interessiert zur Kenntnis.
Weitere Themen waren die aktuelle Wald-Förderrichtlinie, hier die ganze Bandbreite von Problemen bei der Antragstellung,  die Rangfolge der Bewilligung, über Geldauszahlung bis hin zur Vorortkontrolle der Maßnahmen. Die Probleme des Wald- und Waldbrandschutzes im Landkreis Nordsachsen kamen zur Sprache. Dabei wurde eine allgemeine Übersicht zur Überwachung von Schaderregern an Waldbäumen gegeben und es gab Informationen zur Waldbrandüberwachung.

Ein Referent des Forstbezirkes stellte ein neues, verjüngungsschonendes Verfahren zur Entnahme von Bäumen über vorhandener Verjüngung vor und es ging auch um die verjüngungsschonende Entnahme von zum Beispiel alten Kiefern über Rotbuchenverjüngung mit dem Großharvester „Königstiger“. Danach folgte eine Exkursion: Den Besuchern des Waldbesitzertages wurden Maschinen und Geräte für die Waldarbeit im Kleinprivatwald vorgeführt, zum Beispiel Kleinseilwinden, Akku-Motorsägen, Freischneider mit flexibler Welle, Arbeitsschutzkleidung und Kleingeräte. Es gab noch Informationen zur Kiefernaturverjüngung auf Brandflächen und es wurden Flächen mit Diplodia-Befall in den verschiedenen Schadstufen gezeigt. Für die Besucher war es ein vielfach interessanter Tag mit reichlich neuen Erkenntnissen.


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