Mittwoch, 24. Januar 2018

 
Freitag, 27. Oktober 2017

DOMMITZSCH

"Erst fehlte das Geld, jetzt fehlt das Personal"

Das Foto stammt von 2011 und zeigt optimistische Gesichter. Der damalige Minister Frank Kupfer (r.) zeigt auf die Karte, daneben steht Horst Kochinke, ganz links Axel Bobbe. Die Grafik zeigt das geplante Absperrbauwerk. Foto: Archiv/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Seit 15 Jahren kämpfen die Grenzbach-Anwohner in Dommitzsch um einen Hochwasserschutz. Sie fühlen sich hingehalten, vertröstet, vergessen. Horst Kochinke, Sprecher der Bürgerinitiative, nimmt die Rubrik „TZ kümmert sich!“ zum Anlass, um sich an die Heimatzeitung zu wenden.

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Kochinke sauer: „Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt hat bei einer Wahlveranstaltung in Dommitzsch versprochen, ein Treffen mit Verantwortlichen der Landestalsperrenverwaltung zu organisieren. Passiert ist nichts!“ Enttäuscht zeigt sich der Gänsebrunnenstädter auch vom ehemaligen Landwirtschaftsminister Frank Kupfer, der 2008 bei einer Beratung in Dommitzsch gesagt hätte, dass das Projekt nicht am Geld scheitern würde. Im Gespräch war damals die Errichtung eines Absperrbauwerkes.

TZ kümmert sich! Wir greifen zum Telefon, wenden uns an Marian Wendt als Bundestagsabgeordneten und richten außerdem eine Anfrage an das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft in Dresden. Jedoch: Alle Fäden laufen bei der Landestalsperrenverwaltung in Rötha zusammen, wird uns mitgeteilt. Wenn wir etwas über den aktuellen Stand wissen möchten, sind wir direkt bei LTV-Betriebsleiter Axel Bobbe richtig. Das klappt. Und – ein bisschen erstaunlich– der Behördenchef spricht ohne Umschweife und schenkt reinen Wein ein. Fazit: Die Dommitzscher brauchen noch viel Geduld und ob das Absperrbauwerk überhaupt kommt, sei auch nicht sicher.

„Wir haben jetzt erst einmal Projektstellen ausgeschrieben. Es fehlt an personeller Kraft, vorwiegend Bauingenieure, zur Bearbeitung der ganzen Maßnahmen in Sachsen. Hoffentlich gibt es Bewerber“, sagt Bobbe. Erst hätten Finanzprobleme bestanden, dann habe es lange gebraucht, ehe die Personalstellen vom Ministerium freigegeben wurden. Der geplante Hochwasserschutz für Dommitzsch liegt seit langem auf Eis. „Wir befinden uns noch ein ganzes Stück vor dem Genehmigungsverfahren. Wenn es weitergeht, sind erst einmal die Planungsunterlagen für den Genehmigungsantrag zu erstellen“, beschrieb Axel Bobbe den jetzigen Stand.

Das könne schon mal locker eineinhalb Jahre dauern. Dann folgt das eigentliche Planfeststellungsverfahren. „Auch hier vergeht im günstigsten Fall ein Jahr, aber ich glaube nicht, dass es so einfach funktioniert, weil sich das Bauvorhaben quer durch ein FFH-Schutzgebiet (Anm. d. Red.: Flora- Fauna-Habitate) zieht“, erklärt der Chef. Das Sperrbauwerk, das einen Rückstau des Grenzbaches bei einer Elbeflut verhindern und den Anwohnern „trockene Füße“ bescheren soll, sei ohnehin nur im Rahmen eines Polders möglich. Heißt: Man will in Dommitzsch ein Überflutungsgebiet schaffen, um die Hochwasserstände zu drücken.

Dafür stellt der Bund die finanziellen Mittel bereit. „Nichtsdestotrotz wissen wir erst, wenn die Planung auf dem Tisch liegt, ob das Sperrwerk wirtschaftlich überhaupt darstellbar ist“, räumt der Betriebsleiter ein. Die Kosten allein dafür wurden im Vorfeld auf 3,5 Millionen Euro geschätzt. Deshalb sei der Freistaat auch nicht in der Lage, das Absperrbauwerk losgelöst vom Polder zu errichten. Der Polder selbst könne 20 bis 25 Millionen Euro verschlingen. „Es wird hier noch viele Diskussionen geben. Die Kuh ist längst nicht vom Eis. Auch die Naturschutzbehörden melden erhebliche Zweifel an“, fasst Bobbe zusammen. In der Vorplanung sei auf dem Papier ein riesiges Bauwerk entstanden, 50 Meter breit, mit großen Flutöffnungen und rund 500 Meter Damm.

Bobbe: „Dommitzsch ist nicht vergessen worden. Es geht der Stadt wie viele andere Kommunen zum Beispiel an der Mulde, die noch viel weniger Schutz haben und wesentlich stärker betroffen sind. Und die auch noch warten. Und man darf nicht vergessen: Wir reden von etwa zehn Häusern, die auch nur bei einem 100-jährigen Hochwasser bedroht sind. Wir haben alle Grundstücke einzeln untersucht. Klar ist es für jeden Betroffenen schlimm, aber wir müssen als LTV in anderen Dimensionen denken und da ist das Schadenspotenzial in Dommitzsch doch sehr überschaubar“, so der LTV-Chef.

Sätze, mit denen sich die Bürgerinitiative natürlich nicht zufrieden gibt. „Wir werden unsere Aktivitäten wieder verstärken und unter Umständen auch andere Politiker um Hilfe bitten“, kündigte Horst Kochinke an. Marian Wendt indes versprach, weiter Druck zu machen und verwies auf das nationale Hochwasserschutzprogramm. Man werde auf die Umsetzung der Polder und solcher Einzelprojekte drängen. Er stünde zudem in engem Kontakt zur Landestalsperrenverwaltung.


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