Montag, 15. Oktober 2018

 
Montag, 30. Oktober 2017

NORDSACHSEN

Gefallen wie Mikado-Stäbchen

Joachim Haubold (kl. Foto) beräumt mit seinem Harvester an der alten Försterei Wege.Foto: TZ/C. Wendt

TZ-Team/Pressemitteilung

Sturm Herwart entwurzelte viele Bäume, vor allem im Gräfendorfer Revier / Torgauer Glacis betroffen / Schäden selbst an Schloß, BSZ und Johann-Walter-Gymnasium

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Gräfendorf/Torgau. Des einen Freud, des anderen Leid: Während sich Joachim Haubus vom gleichnamigen Mockrehnaer Forstunternehmen mit seinem Harvester am Montag Meter für Meter durch versperrte Waldwege fraß, brach es Manfred Niedner fast das Herz. Seit Sonntagmittag war der Förster in seinem Revier unterwegs. Die ersten, die er nach Sturm Herwart getroffen habe, seien zwei Pilzfreunde gewesen, die sich der großen Gefahr offensichtlich nicht bewusst gewesen seien, sagte er.

Ganze 2000 Festmeter hatte das Sturmtief allein im 1600 Hektar großen Gräfendorfer Revier auf dem Gewissen. Und das war nur eine erste grobe Schätzung, denn nicht überall war für Niedner ein Durchkommen möglich. Am heutigen Mittwoch sollen die Aufräumarbeiten fortgesetzt werden.
Pünktlich um 7 Uhr ging’s zu Wochenbeginn ans Werk. Froh war Niedner dabei über den Umstand, dass von den vier Harvestern, die hier vor wenigen Wochen noch geplant im Einsatz waren, jene eine Forstmaschine noch nicht weitergezogen war. Um so schneller konnten die ersten Wege freigeräumt werden.

Vor allem auf dem Weg zur alten Gräfendorfer Försterei waren die Bäume wie Mikado-Stäbchen gefallen. Nur einen Steinwurf weiter ein ähnliches Bild: In Anpflanzungen von Roteiche und Ahorn lagen zum Teil bis zu 110 Jahre alte mächtige Kiefern. „Ein typischer Schaden“, resümiert Niedner. Die bis dahin einzeln stehenden Riesen sollten mit ihrem Kronenbewuchs den Emporkömmlingen Schutz gegen die Witterung bieten. Nun liegen viele der kleinen Bäumchen darunter begraben.
Dass der Sturm am Sonntag derart verheerend im Gräfendorfer Revier zuschlug, habe nach Ansicht Niedners drei Gründe. „Natürlich waren die Windspitzen von deutlich über 100 Km/h enorm. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass viele Bäume durch vorangegangene Stürme einen mitbekommen hatten.“ Niedner spricht dabei von angeschobenen Bäumen, die für Herwart nun zum Spielball wurden. Der viele Regen hätte zudem dazu beigetragen, dass der Boden den unter heftiger Windlast stehenden Bäumen nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

Die Schadensliste des Gräfendorfer Reviers wird zudem von einem 2005 errichteten und nun zum großen Teil zerstörten Lehrpfad ergänzt.
Wie hoch der wirtschaftliche Verlust sein wird, konnte Niedner noch nicht abschätzen. Zwar seien die Baumwürfe allesamt sehr gutes Holz, doch seien sämtliche Lieferverpflichtungen für dieses Jahr bereits erfüllt worden. „Die Holzwerke sind voll. Das wird einen Preisrutsch zur Folge haben“, ist sich der Fachmann sicher, zumal auch im Brandenburgischen die Schäden enorm seien.

Allein im Forstbezirk Taura schätzt Dr. Gebhard Baronius die von Herwart gelegte Holzmenge auf 15000 Festmeter im Bereich des Staatswaldes. Hinzu kommen 10000 Festmeter für den Privat- und Körperschaftswald. „Im Prinzip sind alle Wälder betroffen“, sagte Baronius gegenüber der Torgauer Zeitung. Er riet allen, äußerste Vorsicht beim Betreten der Wälder walten zu lassen. Zum Teil seien die Waldarbeiter des Forstbezirks aus dem Urlaub zurückgeholt worden, um die gröbsten Gefahrenstellen zu beseitigen.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch im Torgauer Glacis: Mächtige abgebrochene Äste oder umgestürzte Bäume – einige davon bestimmt an die 100 Jahre alt – liegen kreuz und quer umher. In Absprache mit der Stadtverwaltung waren Mitarbeiter der Stadtwerke am frühen Vormittag bemüht, zunächst den Hauptweg zu beräumen. Das klappte auch, obwohl aufgrund des Brückentages zwischen Sonn- und Feiertag weit weniger Personal als üblich im Einsatz war.
Als Ute Eckert mit ihrem Husky-Rüden Mex am Montag gegen 10.30 Uhr dort spazieren geht, lobte sie: „Die Männer haben fleißig geackert. Mit dem Beseitigen der vorherigen Sturmschäden war man gerade recht gut vorangekommen, und jetzt folgen schon die nächsten.“

Dietmar Bürger aus der Stadtverwaltung bestätigte: „Zuallererst wurden sichtbare Stolperfallen auf und an den Wegen beräumt.“ Ab dem heutigen Mittwoch solle dann das Bruchholz koordiniert beseitigt werden. Nach einem ersten Überblickt resümiert er: „Ich denke, wir sind trotzdem noch glimpflich davongekommen. Die Schäden sind etwas geringer als bei Xavier.“

Im Team der Stadtwerke hatte am Montag auch Edwin Bendrin Dienst und schilderte seine Beobachtungen: „Ich denke, dass es etwa zehn große Bäume in und um Torgau herum getroffen hat. Es können jedoch noch einige hinzukommen. In Weßnig ist eine riesige Pappel zu Schaden gekommen und wird nur noch vom Nachbarbaum gehalten. Aber es werden immer größere Bäume, die umstürzen. Wenn schon zwei, drei Äste fehlen, ist das wie eine Kettenreaktion. Diese Bäume werden zu Pflegefällen, und ich fürchte, davon bekommen wir immer mehr.“

Völlig zersplittert hat es beispielsweise die größte der Linden im Glacis unweit vom „Mückencafé“. In Höhe des Martin-Luther-Rings ragt die Wurzel einer mächtigen Buche schier geisterhaft in die Höhe. Sie wurde vom Sturm geradezu aus der Erde herausgerissen.

Derweil war die Beseitigung der vom Herbststurm im Landkreis verursachten Schäden zu Wochenbeginn in vollem Gange. Als vorrangige Aufgaben standen neben der genauen Schadensanalyse die Sicherung von abgedeckten Dächern sowie die Beseitigung von Schäden an Bäumen, Straßen und Verkehrseinrichtungen auf dem Programm. Insgesamt waren im Bereich Nordsachsen am Sonntag, als Herwart teilweise mit Orkanböen über den Landkreis hinwegfegte, mehr als 250 Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren verzeichnet worden. Personen kamen nach aktuellen Informationen nicht zu Schaden.

„Zunächst gilt mein Dank den Kameraden unserer Feuerwehren sowie den zahlreich beteiligten Mitarbeitern unserer Straßenmeistereien, die durch den Sturm und dessen Folgen extrem belastet waren, aber mit Mut, Besonnenheit, und beispielhafter Einsatzbereitschaft Herausragendes geleistet haben“, sagte Landrat Kai Emanuel bei der Auswertung der Ereignisse.

ahlreiche umgestürzte Bäume hatten den Verkehr in Nordsachsen behindert. Unter anderem waren die Kreisstraßen 8985 (Elsnig – Süptitz), 8916 (Kunzwerda – Weßnig – Beckwitz), 8972 am Collm und 8942 bei Casabra sowie Gebiete der Dahlener und Dübener Heide betroffen. Dort sind auch noch zahlreiche Ast- und Kronenbrüche an Bäumen zu bearbeiten. Der Verkehr der Döllnitzbahn war am Sonntag wegen umgestürzter Bäume zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen.
Die Straßenmeistereien des Landkreises sind seit Wochenbeginn damit beschäftigt, beschädigte oder umgestürzte Verkehrsschilder, Ampelanlagen und auch Leitplanken zu reparieren. Die Beseitigung aller Schäden wird noch einige Tage andauern.

Im Bereich des Landratsamtes in Torgau waren vor allem Schäden an Dächern zu verzeichnen. So wurden am Schloss Hartenfels ebenso größere Dachflächen in Mitleidenschaft gezogen, wie an der dem Johann-Walter-Gymnasium angegliederten Alltagskirche sowie am Berufsschulzentrum Repitzer Weg und am Gebäude der Volkshochschule in der Puschkinstraße. Nach einer Notsicherung durch den Aufbau eines zusätzlichen Gerüstes war der Torgauer Schlosshof am Montagnachmittag wieder über den regulären Haupt-
eingang erreichbar.

In Delitzsch war unter anderem das Dach der Wohnstätte des Behindertenzentrums in der Erzberger Straße betroffen, in Eilenburg eine Dachstelle der Landratsamts-Außenstelle in der Dr.- Belian-Straße.


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