Mittwoch, 17. Oktober 2018

 
Dienstag, 7. November 2017

MOCKREHNA

Große Wiedersehensfreude

Blumen für Andreas Bartkowiak.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Der Kultur- und Heimatverein feierte am Freitag sein 25-jähriges Bestehen. Mit dabei war auch der ehemalige Vorsitzende Andreas Bartkowiak.

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Mockrehna. Wie wahr, wie wahr: Gemeinschaft entsteht eben nicht hinter dem eigenen Hoftor. Das, was Mockrehnas Ortsvorsteher Bernhard Wagner da am vergangenen Freitagabend als Schlusswort verfasste, könnte getrost auch als Handlungsmaxime des örtlichen Kultur- und Heimatvereins durchgehen. Und genau dieser feierte in den Räumlichkeiten des Tischtennisvereins sein 25-jähriges Bestehen.

Dass die Feierstunde mit all den geladenen Gästen nicht im Vereinssitz, dem Gutshaus, über die Bühne ging, lag einerseits im Platzangebot begründet. Andererseits dokumentierte der Umzug auch das besonders enge Verhältnis der beiden Vereine, an dem Bernhard Wagner nicht ganz unschuldig ist. Nicht von ungefähr wurde ihm und Ehefrau Waltraud gleich mehrfach Dank zuteil.
Gedankt wurde am Freitag zigfach: Unter anderem den bis heute aktiven Gründungsmitgliedern Edelgard Münch und Gabriele Otto sowie Volker Pohlenz. Gerade Pohlenz habe einen hohen geschichtlichen Sachverstand und einen geradezu masochistischen Drang beim Übersetzen alter Schriften. Der, der das mit einem Augenzwinern sagte, war kein Geringerer als Andreas Bartkowiak. Zwanzig Jahre lang stand er an der Spitze des Vereins, bis es ihn 2012 in Richtung Leipzig verschlug. Und natürlich galt auch dem ehemaligen Vorsitzenden seitens der aktuellen Vereinsführung ein großer Dank für dessen geleistete Arbeit.

Andreas Bartkowiak war mit seinem Ideenreichtum gewiss die treibende Kraft im Mockrehnaer Kultur- und Heimatverein. Sein Weggang drei Jahre vor der großen 1000-Jahr-Feier (2015) habe den Verein nach Ansicht von Ortsvorsteher Wagner zwar vor existenzielle Probleme gestellt. Doch sei dies auch eine Chance für einen Neuanfang gewesen, den der Verein unter der neuen Führung von Gabriele Otto gemeistert habe.

Bartkowiak genoss den Abend sichtlich. Er hatte in der lockeren Feierrunde großen Spaß. Noch einmal erinnerte er sich an das Beil im Kirchturm, das er 1983 bei einem Dorfrundgang sah. Nichtsahnend, dass ihn dieses die kommenden 30 Jahre lang beschäftigen werde. Ihm sei damals vor allem das Engagement des Carnevalclubs aufgefallen, blickte Bartkowiak zurück. „Lauter kreative Leute. Hier ist was möglich.“ Was möglich war, zeigte sich 1990. Da klopfte nämlich die 975-Jahr-Feier Mockrehnas an die Tür. Für Bartkowiak und dessen Mitstreiter eine Art Feuertaufe. Um so mehr, als dass im Zuge der politischen Wende plötzlich das Finanzierungskonzept über Bord geworfen werden musste. „Das war fast schon Harakiri, was wir da machten“, erinnert er sich. Trotz aller Zweifel sei es ein würdiges Fest geworden, eines, aus dem aber relativ schnell die Luft raus war.

„Jeder hatte in der unruhigen Zeit Probleme“, sagte Bartkowiak. Um zumindest einen kulturellen Anker zu bieten, entschlossen sich die Mockrehnaer schließlich, am 27. Februar 1992 den Kultur- und Heimatverein aus der Taufe zu heben. Zu den elf Gründungsmitgliedern zählten beispielsweise der heute in Dautzschen lebende Volker Theilemann und der wieder nach Schildau gezogene heutige Chef des dortigen Geschichtsvereins Thomas Heller. Beide waren natürlich am Freitag auch im Pumphutdorf zu Gast. Stichwort Pumphut: Es sei wohl auch die Idee des ehemaligen Leiters des Torgauer Kulturhauses, Rüdiger Schmidt, gewesen, aus jener Geschichte mehr zu machen, sagte Bartkowiak, der sich noch gut an eine Fernsehreportage erinnerte, bei der Bernhard Wagner 1996 anlässlich des Pumphutfests gleich vier Mal herzhaft in eine Haxe beißen musste.

Der Leipziger beließ es jedoch nicht bei einer bloßen Aufzählung von Veranstaltungen, für die der Verein verantwortlich zeichnete. Vielmehr ließ Bartkowiak seine Zuhörer wissen, welche Dinge ihn in all den Jahren am meisten berührten. Unter anderem sei dies ein total unkomplizierter Auftritt von Jürgen Drews gewesen. Dabei war man in Mockrehna auf alles vorbereit. Nur eben nicht auf diese Natürlichkeit eines Großen der Showbranche. Bartkowiak erinnerte sich an eine Ausstellung mit Bildern von Volker Pohlenz im Jahre 2000. Und Bilder erschuf auch Fotograf Harry Gugisch. „Ich war stolz wie Oskar, seine fantastischen Schwarz-Weiß-Werke in Mockrehna präsentieren zu können.“ Und dann waren da noch die beiden Geschichtsdokumente „Spuren im Sand. Ein kleines Dorf baut seine neue Schule“ und der DEFA-Film „Das große Konto“*, die der Verein aus der Anonymität geholt habe.

Bei so viel Erinnerungen beließ es Gabriele Otto schließlich bei einem kurzen Rückblick auf eine grandiose 1000-Jahr- Feier. „Einen Satz werde ich dabei wohl nie vergessen: ,Das hätten wir dem Verein nicht zugetraut.‘“ Jenes Jubiläum ist schließlich zum Grundstein für eine Wiederbelebung des Pumphutfestes geworden.


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