Mittwoch, 25. April 2018

 
Freitag, 10. November 2017

NORDSACHSEN

Keinen Cent für tote Schafe

Auch dieses Schaf wurde vor zehn Wochen von Frank Steinert nahe Döbern tot aufgefunden. Foto: TZ/G. Zahn, dpa

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Nordsachsen. Frank Steinert aus Döbern erhält keine Entschädigung für seine neun Schafe, obwohl sie mit großer Wahrscheinlichkeit vom Wolf gerissenen wurden. Er hat den Mindestherdenschutz nicht eingehalten, so erfuhr die Torgauer Zeitung von der Unteren Naturschutzbehörde Nordsachsens.

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Aber der Reihe nach:
Genau zehn Wochen ist es her, dass Hobbyschäfer Frank Steinert neun seiner Tiere mit zerbissenen Kehlen, zerfleischten Körpern und teils ausgeweidet auf der Wiese nahe Döbern aufgefunden hatte. Die TZ berichtete darüber unter der Schlagzeile: „Wie ein Schlachtfeld im Grünen“. Für ihn, aber auch für Armin Tauch-nitz, einen ortsansässigen Jäger, stand fest: „Das kann nur ein Wolf gewesen sein!“ Das Entsetzen im Dorf war groß.

Die drei Mitarbeiter, die Giso Damer, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde Nordsachsens und zuständig für das Wolfsmonitoring, an den Tatort nach Döbern geschickt hatte, formulierten es etwas anders: Sie schlossen Meister Isegrim angesichts dessen, was sie vorgefunden hatten, als Verursacher nicht aus und entnahmen den Kadavern Gewebeproben. Wie in solchen Fällen vom Gesetzgeber vorgeschrieben, braucht es zur unwiderruflichen Bestätigung eine gentechnische Untersuchung der DNA. Diese ist auch notwendig für eine mögliche Entschädigung. Immerhin hat Steinert sechs Lämmer und drei Alttiere verloren, ein weiteres Schaf war verletzt. Somit hat er einen Schaden von etwa 1000 Euro zu beklagen.

Eine Entschädigung wird er allerdings nicht bekommen, und zwar nicht deshalb, weil die Ergebnisse der Laboruntersuchung aus dem zuständigen Institut des Nationalen Referenzzentrums im Senckenberger Forschungsinstitut noch immer nicht vorliegen. Maßgeblich für diese harte Entscheidung ist die Tatsache, dass die Weidefläche direkt an die Weinske grenzte. „Die Schafe gehen zwar nicht von allein ins Wasser, aber für den Wolf sind weder Bach noch Fluss ein Hindernis.

Er ist nicht wasserscheu und durchquert die Gewässer schwimmend, um an seine Beute zu gelangen“, verdeutlicht Giso Damer und erläutert: „Der Schäfer hatte die Weidefläche zwar nach allen anderen Seiten hin in der Mindesthöhe mit einem Zaun abgegrenzt, aber nicht vor dem Abschnitt an der Weinske. Deshalb wurden auch einige Schafe tot im Wasser gefunden.“

Anders verhält es sich mit einem Vorfall in der Dahlener Heide. In Außig wurden am 3. September zwei tote Schafe und am 15. September acht tote Schafe sowie ein tödlich verletztes Tier aufgefunden. „In beiden Fällen ist ebenfalls ein Wolfsriss sehr wahrscheinlich“, bekräftigt Damer und veranschaulicht: „Hier wird der Geschädigte einen Schadensausgleich erhalten. Damit er nicht so lange warten muss, bis die DNA-Proben ausgewertet sind, haben wir bereits eine entsprechende Stellungnahme verfasst.“

Frank Steinert aus Döbern hat gleich nach dem Vorfall die übriggebliebene Herde auf einer anderen Weide untergebracht – unter Berücksichtigung der notwendigen Vorkehrungen, wie versichert wurde. Armin Tauchnitz, Jäger aus Döbern, hatte Ende August die Überreste der Schafe  unweit seines Dorfes mit in Augenschein genommen. Er mahnt: „Wenn Wölfe auf der Suche nach Beute sind, dann ist auch ein Zaun kein Hinderniss. Ein Wolf ist meines Erachtens ein unkalkulierbares Risiko.“ Dass dieses Risiko im Winter größer werden könnte, glaubt er jedoch nicht. Zudem habe er in den letzten Wochen keine Aktivitäten eines Wolfes in der Umgebung feststellen können. „Das merkt man am Wildbestand, aber das kann sich auch sehr schnell wieder ändern.“ 

INFO:

Im Landkreis Nordsachsen gibt es derzeit ein bekanntes Wolfsrudel mit mindestens zwei Jungen. Somit sind vier Wölfe unterwegs, wobei die Jungtiere optisch schon fast so groß wie die Elterntiere seien, erläutert Giso Damer. „Wir raten allen Schäfern, ihre Tiere gemäß den Empfehlungen des Wolfsmanagementes einzukoppeln“, unterstreicht er im Gespräch mit der TZ. Auf die Frage, ob es amtlicherseits weitere Informationen zu Wolfsrissen in der Region gibt, berichtet er: „Wir haben durchaus Meldungen über angebliche Wolfsrisse vor allem bei Kälbern. Aber das waren Totgeburten, die von anderen Wildtieren nachgenutzt wurden.“ Der hohe Fleischverlust werde in solchen Fällen gern dem Wolf zugeordnet: „Wenn man aber weiß, dass sich beispielsweise Marder, Fuchs, Waschbär, Marderhund und Rabenvögel über viele Stunden hinweg an so einem Kadaver bedienen, wird der immense Fleischfraß erklärbar.“


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