Freitag, 24. November 2017

 
Montag, 13. November 2017

NORDSACHSEN

Ringen um Privilegien

Foto: TZ/Archiv

von unserem Redakteur Christian Wendt

Mockrehna/Belgern. Der Dezember ist nicht mehr weit und die Spannung steigt: Während manch eine Kommune beschenkt werden könnte, droht anderen das berühmte Stück Kohle.

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Mockrehna/Belgern. Der Dezember ist nicht mehr weit und die Spannung steigt: Während manch eine Kommune beschenkt werden könnte, droht anderen das berühmte Stück Kohle. Wie bereits mehrfach berichtet, arbeitet der Regionale Planungsverband Leipzig-Westsachsen an der Fortschreibung des Regionalen Entwicklungsplans, der weitaus mehr ist, als ein bloßes Stück Papier. Geht es doch unter anderem um die begehrte Einstufung von Kommunen als Grundzentren. Ein Bauvorhaben in Mockrehna deutete jüngst an, warum der Titel derart erstrebenswert ist.

Im Pumphutdorf, das in dem aus dem Jahr 2008 stammenden Plan nicht als Grundzentrum eingestuft ist, tangiert der fehlende Status den angestrebten Umzug des Netto-Markts in Richtung Dorfzentrum. „Im Grunde genommen sind wir nichts“, hatte es Bürgermeister Peter Klepel überspitzt. „Na ja. Mockrehna ist schon ein bisschen mehr“, konterte daraufhin Angela Sawatzki, die als Planungsleiterin bei der Firma IBS für die Erstellung des notwenigen B-Plans verantwortlich zeichnet.
Wie viel genau mehr aber ist, wurde während jener Gemeinderatssitzung nicht deutlich. Klar ist derzeit nur, dass der Status als Grundzentrum der Gemeinde beim Aufstellen des Bebauungsplans „Dorfmitte Mockrehna“ einen größeren Netto-Markt ermöglicht hätte.

Jener B-Plan sieht übrigens neben der Verlagerung des Einkaufsmarkts einen weiteren Aspekt vor: Entlang der ausgebauten Straße „Gassenteich“ mit gebäudenahen Gartenflächen ehemaliger Hofanlagen soll nämlich auch ein Wohnareal entstehen. Der Entwurf des B-Planes war bereits im Ortschaftsrat vorgestellt worden, bevor der Gemeinderat Anfang Oktober bei nur einer Enthaltung seine Zustimmung zur Auslegung gegeben hatte.

Doch zurück zur eigentlichen Regionalplanung: Noch im Juli dieses Jahres hatte die Torgauer Zeitung Chefplaner Prof. Dr. Andreas Berkner damit zitiert, dass die aktuellen Grundzentren Belgern und Dommitzsch „etwas schwach auf der Brust“ seien. Dem Verband schwebe daher vor, künftig auf Mockrehna und Beilrode als Grundzentren zu setzen. Nicht von ungefähr machten daher Fragen in den Kommunalparlamenten Mockrehnas und Belgerns vor Kurzem die Runde. Während ein recht zufrieden wirkender Peter Klepel in Aussicht stellte, dass Berkner wohl noch in diesem Jahr nach Mockrehna kommen wolle, um über die Thematik zu sprechen, zeigte sich Klepels Amtskollegin Eike Petzold im Belgeraner Bürgersaal auf die Frage von Dr. Kristin Baronius optimistisch, dass Belgern seinen Grundzentrum-Status nicht verlieren werde.

Werden also Mockrehna und Belgern respektive Belgern-Schildau tatsächlich als Kandidaten für die beiden im Altkreis zu vergebenden Grundzentren gehandelt? Die TZ konfrontierte mit dieser Frage in der vergangenen Woche Andreas Berkner. Und der sprach Klartext. „Uns ist bewusst, wie sehr die strukturschwache Region um Torgau die Grundzentren benötigt“, sagte dieser. Allerdings könnten sich nach derzeitigem Stand nur zwei Orte Hoffnungen machen. Tatsächlich werde man am 14. Dezember zur Verbandsversammlung mit Belgern-Schildau und Beilrode in die Diskussion einsteigen.

Für Berkner ist jener Tag ein Meilenstein im gesamten Fortschreibugsprozess des Regionalplans. Werde man sich einig, könne das Werk Anfang des kommenden Jahres öffentlich ausgelegt werden. Die letzte Entscheidung gehe jedoch mit dem Satzungsbeschluss einher, den Berkner Ende 2018 erwartet. Bis dahin seien durchaus noch Änderungen im Planentwurf möglich. Soll heißen, dass es unter anderem an der Auflistung der Grundzentren doch noch einmal Veränderungen geben kann.

Dass die Regionale Planungsstelle vorerst auf Belgern-Schildau und Beilrode setze, liege einerseits daran, dass man dem Ostelbischen einen Impuls geben wolle, andererseits habe Belgern durch die Fusion mit Schildau an Stärke gewonnen. Die Beibehaltung des Status Grundzentrum würde diese Entwicklung bestätigen.
Größtes Sorgenkind für Berkner ist indes das bisherige Grundzentrum Dommitzsch. „Wir haben auf Grund verschiedener Bewertungskriterien leider große Probleme, die Stadt erneut über die Grundzentrum-Schwelle zu heben“, sagte er.

In Leipzig sei man sich der Brisanz der Situation allerdings sehr bewusst, schob Berkner gleich nach. Deswegen würden derzeit Kooperationen ausgelotet, die auch über die Landesgrenze hinausreichten. Die Regionale Planungsstelle hat für die Gänsebrunnenstadt hierbei eine Zusammenarbeit mit dem anhaltischen Bad Schmiedeberg im Blick. In wenigen Tagen wolle er darüber auch im Dommitzscher Stadtrat sprechen.


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