Freitag, 24. November 2017

 
Dienstag, 14. November 2017

TORGAU

Frauen-Power auf Germers Kegelbahn

Diese Seniorinnen genießen stets ihren Kegel-Mittag in der Gaststätte Germer: Raina Rötzsch, Eva Greisert und Sigrid Scheffler (v.l.). Foto: Töpfer

Von Norbert Töpfer

Torgau. Vier Frauen treffen sich aller 14 Tage in der Torgauer Traditionsgaststätte Germer zum Kegeln. Eigentlich nichts Besonderes. Ist es aber doch: Die Damen sind zwischen 78 und 84 Jahre alt.

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Dabei müssen sich die Torgauerinnen nicht quälen, um irgendjemanden zu beweisen, wie  fit sie noch sind. Im Gegenteil: Die 84-jährige Eva Greisert, Mitgründerin der Keglerinnen-Gruppe ohne Vereinsstatus gleich nach der Wende, erklärt die Philosophie der Mädels: „Ich freue mich jedes Mal auf unseren Sportmittag. Erst essen wir ab 11 Uhr gemeinsam, reden eine Runde. Und ab 12 Uhr wird für zwei Stunden gekegelt, zehn Kugeln pro Durchgang. Insgesamt 100 Kugeln.“

Mitstreiterin Raina Rötzsch, seit zehn Jahren dabei, ergänzt: „Es macht immer Spaß. Wir müssen uns dabei nicht durchbeißen und haben am nächsten Tag keinen Muskelkater.“ Das ist keine Prahlerei: Wer die Frauen bei Germers kegeln sieht, spürt sofort, mit welcher Freude die Seniorinnen dabei sind. Keine von ihnen sieht diesen Sport verbissen. Sie strengen sich zwar alle an. Aber das Gelächter ist groß, wenn eine der Keglerinnen sich eine Ratte leistet. Zur Erklärung für Nichtkenner dieser Sportart: Die Kugel erreicht die Kegel erst, nachdem sie vorher die Seitenbegrenzung berührt hat. Somit bekommt der Kegler null Punkte. Und die Seniorinnen hören eine lachende Stimme aus dem Lautsprecher.

„Und wenn eine von uns eine Neun oder Acht schafft, gibt sie eine Runde Sahnelikör oder Kräuter aus, mit der wir uns belohnen.“ Die Torgauerinnen kegeln nicht nur in die Vollen. Auch das Abräumen gehört stets dazu. „Das ist zwar etwas anspruchsvoller, macht aber besonders viel Freude“, schwärmt Raina Rötzsch.
Sigrid Scheffler fühlt sich wohl in diesem sportlichen Kreis: „Mein Mann ist voriges Jahr gestorben.

Ich möchte nicht allein zu Hause sitzen und will raus aus meinen vier Wänden. Da ist die Gruppe das Beste, was mir passieren konnte“, schwärmt die 78-Jährige. Am Tag des Treffs mit der TZ vergessen die Frauen auch ihre Mitstreiterin Ruth Glomp (82) nicht, die aus Krankheitsgründen passen muss. „Ruth ist schon lange dabei. Wir hoffen, dass sie bald wieder mitkegelt“, sagt Raina Rötzsch.

In besten Zeiten gehörten der „Kegelgruppe-Germer“ zehn Frauen an. „Das waren herrliche Zeiten. Leider sind viele unserer eifrigen Mitstreiterinnen inzwischen verstorben. Ich denke dabei an Johanna Stahlmann, Tilde Köhler, Annelies Franke, Ursula Lotze, Elfriede Schröder, Hildegard Höft sowie an das Ehepaar Ruth und Werner Bierwirth, das in DDR-Zeiten in der Fischerstraße ein privates Lebensmittelgeschäft betrieb.

Zu uns gehört auch Rosemarie Korb, die wegen einer Handverletzung nicht mehr kegeln kann“, berichtet Eva Greisert, Dienstälteste in der Runde. Da die Gruppe inzwischen auf vier Frauen geschrumpft ist, würden sich die sportlichen Damen über neue Mitstreiterinnen freuen. „Sie sollten Interesse haben am Kegeln, aber auch kontaktfreudig sein. Wir sind kein beitragspflichtiger Verein. Kosten haben wir nur mit der Bezahlung fürs Nutzen der Bahn“, wirbt die Dienstälteste Eva Greisert und fügt an: „Wir werden bei Germers freundlich betreut. Sie sind stets nett und bewirten uns mit Freude. Es ist schön, wie wir hier als reine Hobby- Keglerinnen aufgenommen werden.“

Germers sind froh über Gäste wie die Frauen-Kegel-Gruppe: „Es ist immer wieder schön, diese Seniorinnen zu betreuen. Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Gäste die Kegelbahn einschließlich unserer gastronomischen Angebote nutzen würden“, sagt Cornelia Ebert, die gemeinsam mit Sohn Christian diese Gaststätte im Zentrum der Stadt führt.

Die Frauen brauchen offenbar Bewegung und Kontakte. Denn neben dem Kegeln schaffen sich alle bei weiteren Hobbys. Eva Greisert, ehemalige stellvertretende Verkaufstellen-Leiterin des Torgauer Exquisitgeschäftes, treibt wöchentlich einmal Seniorensport in der Torgauer Seniorenresidenz Torgau, Haus Renaissance. „Dazu gehe ich gern spazieren und lese ausführlich die Torgauer Zeitung.“

Raina Rötzsch, frühere Sparkassenangestellte, fährt zweimal wöchentlich ins Heide Spa nach Bad Düben, um dort zu schwimmen und Gymnastik zu betreiben.
Sigrid Scheffler, frühere Frisöse, gesteht ein: „Der Schrebergarten in der Nitzsche-Stiftung ist mein Ein und Alles. Ich brauche zu Fuß ganze zehn Minuten bis dorthin. Ich baue dort noch intensiv Gemüse an.“

Ihren Garten in der Sparte Abendfrieden liebt auch Raina Rötzsch. Sie fährt zudem gern mit dem Rad durch die Lande. „Ich bin vor zwei Jahren allein bis Wittenberg gefahren. Das war anstrengend, hat aber Spaß gemacht. Ich hatte auch Pfefferspray und eine Trillerpfeife dabei, um mich vor möglichen Angriffen von aggressiven Menschen und Tieren zu schützen.“ In Torgau bevorzugt sie Rundfahrten durch den Ratsforst.

Ruth Glomp indes engagiert sich in der Tanzgruppe der Volkssolidarität und schafft sich in ihrem Schrebergarten in der Nitzsche-Stiftung. An dieser Aufzählung ist die Ursache für die beachtliche Fitness der Kegelfrauen zu erkennen. Sie eint die Freude an der Bewegung und der Spaß daran.


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