Mittwoch, 24. Januar 2018

 
Freitag, 24. November 2017

NORDSACHSEN

Selbstständiges Arbeiten überzeugt ambulante Pflegekräfte

Brit GruhneFoto: TZ/Archiv

Elisa Perz

Nordsachsen. Wie ist die Zufriedenheit des Personals in den Pflegeeinrichtungen, ganz besonders im ambulanten Bereich?

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Das ist für Brit Gruhne die größte Überraschung, die sich durch die Ergebnisse der Befragung zur Überprüfung der Pflegestrukturen im Landkreis herauskristallisiert hat: „Über 20 Prozent der Befragten gefällt vor allem das selbstständige Arbeiten. Aber die meisten, sowohl aus dem ambulanten als auch aus dem stationären Bereich, erfüllen außerdem der direkte Dank und die Anerkennung der Patienten, die gute Arbeit im Team, günstige Arbeitszeiten sowie die Betreuung von Menschen.“

Insgesamt nahmen 743 Pflegekräfte an der Befragung teil. „Davon stammen 260 aus dem ambulanten und 483 aus dem stationären Bereich. Die meisten waren weiblich und arbeiten in der Regel zwischen 30 und 40 Stunden pro Woche“, erklärt die Sozialplanerin vom Landratsamt Nordsachsen. Dass bei der Befragung neben den Einrichtungen ebenfalls das Personal mit einbezogen wurde, ist eine Besonderheit: „Um die Pflegestruktur noch tiefgründiger zu untersuchen, gingen wir erstmalig auch auf die Mitarbeiter in den Einrichtungen ein. Bei der Auswahl der Fragen sowie bei der Auswertung bekamen wir Unterstützung von Marleen Jacobi von der Personal- und Organisationsplanung Jacobi, aber auch von einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Branche.“

Die Befragung ist Teil der Bemühungen des Landkreises, sich fundiert mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auseinanderzusetzen. Bereits die 6. regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung des Freistaates Sachsen von 2016 prognostiziert, dass zwar bis zum Jahr 2030 mit einer Abnahme der Gesamtbevölkerung in Nordsachsen zu rechnen ist, aber gleichzeitig mit einem Anstieg der über 65-jährigen um 30,8 Prozent (siehe Grafik rechts). Damit ist auch eine Zunahme der Pflegebedürftigen im Landkreis verbunden. Daher wird es immer wichtiger, die verschiedenartigen Maßnahmen zur Umsetzung des seniorenbezogenen Leitbildes: „Selbstbestimmt leben bis ins hohe Alter!“, unter der Beachtung des Grundsatzes „Ambulant vor Stationär“, zu ergreifen.

Weiter geht aus der Befragung hervor, dass sich die Motive der Pflegekräfte für die Aufnahme der Tätigkeit ähneln. So stehen bei vielen die Aspekte, älteren Personen zu helfen und mit Menschen zu arbeiten, im Vordergrund. „Ich hätte hingegen nicht erwartet, dass auch einige den Beruf durch die Betreuung von Angehörigen für sich entdeckt haben“, berichtet die Sozialplanerin. Auch bei der Frage, in welchen Bereichen die Mitarbeiter Verbesserungsansätze sehen, wurden Übereinstimmungen deutlich: „Ein Großteil würde gern mehr Zeit für die Patienten zur Verfügung haben und eine bessere Bezahlung erhalten. Das ist bei der ambulanten genauso wie bei der stationären Pflege erkennbar. Doch es gibt auch Unterschiede. So steht beispielsweise für die Fachkräfte der stationären Einrichtungen der Wunsch nach mehr Personal an oberster Stelle, während dieser bei den Mitarbeiter der ambulanten Einrichtungen auf dem sechsten Rang gelandet ist.“

Die alarmierendste Erkenntnis der Personalbefragung ist der zu erwartende drohende Fachkräfteverlust: Mehr als 25 Prozent der Fachkräfte gaben in beiden Richtungen des Pflegedienstes an, ihre Arbeit nicht bis zur Rente ausführen zu können. „Zusätzlich haben 68 Prozent der von uns 95 befragten Einrichtungen in den nächsten fünf Jahren mit einem altersbedingten Ausscheiden von Fachpersonal zu kämpfen. Diesem Verlust muss mit Maßnahmen zur Mitarbeitergewinnung und -sicherung entgegengewirkt werden. Doch dabei benötigen die Einrichtungen noch mehr Unterstützung, wie sich in unserer Befragung gezeigt hat“ erläutert Brit Gruhne.

70 der teilnehmenden Pflegeeinrichtungen – diese Anzahl entspricht immerhin 73,68 Prozent – wünschen sich Hilfe bei der Gewinnung von Personal, das aufgrund der hohen aktuellen Auslastung gebraucht wird. „Nach dem Stand von 2015 werden allein in Nordsachsen 90 Fachkräfte mehr pro Jahr durch die wachsende Anzahl der Pflegebedürftigen benötigt. Das ist eine hohe Zahl, vor allem, wenn man zusätzlich den alters- und gesundheitsbedingten und sonstigen Abgang von Fachpersonal noch ausgleichen muss“, so die Sozialplanerin.

Eine Möglichkeit, mehr Personen auf den Pflegeberuf aufmerksam zu machen, bietet eine für 2018 geplante Imagekampagne, welche der Landkreis in Auftrag geben möchte: „Mithilfe dieser Maßnahme wollen wir das Bild der Tätigkeit, die in der Öffentlichkeit momentan immer noch negativ behaftet ist, verbessern. Die Leute sollen die positiven Seiten erkennen, wie beispielsweise die sofortige Anerkennung der Arbeit durch die Patienten. Sei es ein Lächeln oder ein Lob von ihnen, das den Pflegern Kraft gibt.“

In welcher Form die Kampagne letztendlich verwirklicht wird, sei noch offen. „Jetzt steht erst einmal der Gestaltungsprozess im Vordergrund, da wir auch hier wieder auf Zusammenarbeit setzen wollen. So wird uns bei der Umsetzung erneut ein Experte als Berater zur Seite stehen. Denn das Ziel für die Zukunft ist klar: Wir wollen die Pflege stärken – gemeinsam und ganzheitich.“, so Gruhne.


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