Montag, 23. Juli 2018

 
Mittwoch, 13. Dezember 2017

TORGAU

Alkoholeinfluss oder nur Unachtsamkeit?

Foto: TZ/Archiv

Von Peter Müller

Torgau. Der Torgauer Walter M. (Name von der Redaktion geändert) musste sich vor dem hiesigen Amtsgericht wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Straßenverkehr verantworten. Gegen ihn war ein Strafbefehl erlassen worden, gegen den er in Einspruch ging.

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Der 55-jährige Außendienstmitarbeiter war mit seinem Dienstwagen am 14. Juni dieses Jahres gegen 9.13 Uhr in der Arzberger Straße in Triestewitz, aus Richtung Arzberg kommend, von der Fahrbahn abgekommen und gegen ein Verkehrsschild gefahren. Dieser großflächige  Vorwegweiser wurde dabei völlig zerstört, so dass ein neues Schild aufgestellt werden musste. Es entstand ein Schaden von insgesamt 2534 Euro.

Die Polizeibeamten, die den Unfall vor Ort untersuchten, bemerkten beim Gespräch mit Walter M. Alkoholgeruch, erklärte einer der Ordnungshüter, der vor Gericht als Zeuge aussagte. Aufgrund dessen ließen die Polizisten den Angeklagten am Unfallort in den Alkomat blasen. Das Gerät zeigte einen Wert von 0,27 mg EtOH/l Atemluft an, gleichzusetzen mit rund 0,54 Promille Blutalkoholkonzentration. Daraufhin fuhren zwei Polizisten mit Walter M. zur Blutentnahme ins Krankhaus Torgau, wo die Mediziner eine Blutalkoholkonzentration von 1,11 Promille feststellten, was zur Anzeige wegen Trunkenheit im Straßenverkehr führte.

Der Richter erließ wegen dieser Straftat einen Strafbefehl von 40 Tagessätzen zu je 40 Euro, was einer Summe von 1600 Euro entspricht. Zudem wurde Walter M. mit Erlass des Strafbefehls die Fahrerlaubnis entzogen, verbunden mit einer elfmonatigen Sperre bis zur möglichen Wiedererlangung der Fahrerlaubnis.
Walter M. ging gegen den Strafbefehl in Einspruch, sodass es zur Hauptverhandlung kam. Der Angeklagte, der von Rechtsanwalt Ray Richter vertreten wurde, machte zunächst von seinem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch und ließ den Anwalt für ihn reden.

Walter M. hatte sich gewundert, dass bei ihm nach der Karambolage eine solch hohe Blutalkoholkonzentration ermittelt wurde. Er habe doch am Abend vorher nur vier Halbliterflaschen Bier getrunken, erklärte er vor Gericht. Weil er sich am nächsten Morgen gut fühlte, sei er dienstlich mit dem Auto unterwegs gewesen. In Triestewitz habe er plötzlich einen Kunden gesehen und wurde dadurch abgelenkt, weil er zur Seite schaute. Er geriet von der Fahrbahn ab, sodass es zum Zusammenstoß mit dem Verkehrsschild kam. Bei dieser heftigen Kollision erlitt sein Dienstwagen, ein Dacia, einen Totalschaden.

Einer der Polizisten sagte als Zeuge aus. Ihm war neben dem Alkoholgeruch des Walter M.  bei der Unfalluntersuchung aufgefallen, dass auf der Straße keinerlei Bremsspuren zu sehen waren, sodass der Angeklagte offenbar gar nicht reagiert hatte, als er von der Fahrbahn geriet. Der Arzt im Krankenhaus, der die Blutentnahme durchführte, bescheinigte dem Angeklagten nach dessen Untersuchung einen sicheren Gang und klares Bewusstsein. Fakt waren aber seine 1,11 Promille Blutalkoholkonzentration.

Der Angeklagte, verheiratet, zwei erwachsene Söhne, ist nicht vorbestraft. Sein Einkommen beträgt 1100 Euro Netto pro Monat. Ihm wurde allerdings von seinem Arbeitgeber zum 1. Februar gekündigt, weil er ohne Führerschein nicht im Außendienst tätig sein kann. Daher bat sein Rechtsanwalt, diesen Fakt bei der Urteilsfindung zu berücksichtigen. Schließlich sei aus seiner Sicht der Unfall nicht aufgrund von möglichem Alkoholeinfluss passiert, sondern wegen einer Unaufmerksamkeit seines Mandanten. Er plädierte für eine Verurteilung wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr und schlug eine Geldstrafe in Höhe von 750 Euro vor. Zudem gebe es keinen Grund, seinem Mandanten die Fahrerlaubnis weiterhin zu entziehen.

Der Richter verurteilte Walter M. wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu je 30 Euro, gleichbedeutend mit einem Betrag von 1050 Euro. Zudem wird dem Angeklagten die Fahrerlaubnis für weitere neun Monate entzogen. Nachdem er nach Erlass des Strafbefehls bis zur Hauptverhandlung bereits zwei Monate ohne Führerschein auskommen musste, beträgt am Ende sein Fahrverbot insgesamt elf Monate.

Erst danach kann ihm die Fahrerlaubnis durch die Fahrerlaubnisbehörde des Landratsamtes neu erteilt werden. „Es ist nicht beweisbar, ob die Beschädigung des Verkehrsschildes aufgrund von Unaufmerksamkeit des Angeklagten oder aufgrund seines Alkoholgenusses erfolgte“, sagte der Richter. Positiv für den Angeklagten wurde gewertet, dass er den Alkoholgenuss am Vorabend des Crashs einräumte und auch keine Vorstrafen auf seinem Konto hat.

Im Raum steht die Frage, ob Walter M. am Tag vorher bis 0 Uhr nur vier Bier getrunken hat, die er vor Gericht einräumte. Bei einer Blutalkoholkonzentration von 1,11 Promille könnten es auch einige Flaschen Bier mehr oder „Kompott“ in Form einiger Schnäpse gewesen sein, die zu diesem relativ hohen Wert am nächsten Vormittag geführt haben.


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