Donnerstag, 18. Oktober 2018

 
Montag, 18. Dezember 2017

TORGAU

Weniger Diebstähle, mehr Körperverletzungen

Andreas Starke

von unserem Multimedia-Redakteur Sebastian Lindner

Torgau. Torgaus Revierleiter Andreas Starke stellte die aktuelle Kriminalitätsstatistik im Stadtrat vor / Problemviertel Nordwest

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Auf Anfrage der Stadtverwaltung war Andreas Starke, Leiter des Torgauer Polizeirevieres, am Mittwochabend zu Gast im Stadtrat, um dort Fakten zur aktuellen Sicherheitslage zu liefern. Im Gepäck hatte er allerhand Zahlen. Und die waren überwiegend positiv. Die Anzahl der Straftaten im gesamten Revierbereich der Torgauer ist stark gesunken. Während im Jahr 2015 insgesamt 2979 Straftaten verzeichnet wurden und der Wert im darauffolgenden Jahr leicht anstieg (3071), liegen die Zahlen im aktuellen Jahr wesentlich tiefer. Bis zum Ende des dritten Quartals – aktuellere Zahlen liegen in diesem Fall noch nicht vor – verzeichneten die Ordnungshüter 1881 Straftaten, was einen Rückgang um nahezu 25 Prozent zum Vergleichzeitraum im vorigen Jahr bedeutet. Diesen Wert hochgerechnet, wären zu Jahresende rund 2300 Straftaten zu erwarten.

Rückläufige Diebstahlfallzahlen in Torgau

Auch bezogen auf die Stadt Torgau und ihre Ortsteile sind die Fallzahlen insgesamt rückläufig (siehe Diagramme). Zum 30. November waren insgesamt 2034 Straftaten gemeldet. Besonders interessant ist dabei der Blick   auf einzelne Delikt-Kategorien. Vor allem beim Diebstahl von Fahrrädern und dem Einbruch beziehungsweise Diebstahl in Kellern und Dachböden sind die Zahlen extrem rückläufig. Lediglich 18 Mal stahlen Diebe aus Kellern und Böden in diesem Jahr bis zum 30. November. 2016 war das noch 139 Mal der Fall. Im Falle des Fahrraddiebstahls hat sich der Wert im Vergleich zu 2015 (260) mehr als halbiert (101). Kurios: Jene beiden Punkte hatte Stadtrat Peter Deutrich, der das Thema mit einer Wortmeldung in der vorherigen Sitzung erst scharf gemacht hatte, beispielgebend aufgeführt. Bürger hätten sich an ihn gewandt, weil sie gefühlt gerade in diesen Bereichen immer mehr Probleme sehen würden.
Angesprochen auf die Gründe dafür, sieht Tor-gaus Polizeichef Starke in den gesunkenen Fallzahlen keine Besserung in der Szene. Er sagte: „Es ist uns im letzten Jahr gelungen, mithilfe der Staatsanwaltschaft vier, fünf Täter festzusetzen und diese durch Haftstrafen aus dem Verkehr zu ziehen.“ Diese Wiederholungstäter seien hauptverantwortlich für einen Großteil der Diebstähle und Einbrüche gewesen. Es handele sich um Beschaffungskriminalität. Die gestohlenen Gegenstände würden die Diebe demnach in den zahlreichen An- und Verkaufläden in Leipzig in Bargeld ummünzen, „um davon dann Drogen zu kaufen.“ Sobald diese Täter dann ihre Strafe abgesessen hätten, könnten sich die Zahlen auch schnell wieder ändern.

Gewaltkriminalität vor allem in Nordwest

Während sich hinsichtlich der meisten Kategorien sinkende beziehungsweise nahezu stagnierende Zahlen positiv bewerten lassen, musste Starke jedoch auch Punkte ansprechen, die genau gegenteilig zu bewerten sind. „Die Gewaltkriminalität ist gestiegen“, so der Revierleiter. „Bis Ende November gab es in diesem Jahr 285 Fälle von Körperverletzung in der Stadt.“ Im gesamten Jahr 2016 waren es wesentlich weniger. Ein Großteil davon lässt sich nach Torgau Nordwest verorten. „Der Stadtteil wird immer mehr zum Problemviertel“, sagt auch Starke. Das sei durchaus auf den relativ hohen Anteil der nicht-deutschen Bevölkerung zurückzuführen. Während Flüchtlinge dabei kaum eine Rolle spielen, sind es in erster Linie Angehörige der osteuropäischen EU-Staaten, vor allem Slowaken, die als billige Arbeitskräfte bei HIT-Holz in Torgau oder der Alfra in Mockrehna arbeiten, die sich untereinander in die Quere kommen. Während die Aufklärungsquote in Fällen mit nicht-deutschen Beteiligten aktuell bei 18 Prozent liegt (2016: 14,7), liegt der Gesamtwert für alle Straftaten und -täter bei 62 Prozent.

Defizite in der Erziehung

Viel Ärger haben Starkes Beamten auch aufgrund der zunehmenenden „Unfähigkeit beziehungsweise Unwilligkeit der Menschen zur Konfliktregelung untereinander“, wie der Revierleiter sagt. Fast täglich seien seine Leute im Einsatz, um die Eskalation von privaten Streitigkeiten zu verhindern. Genauso dick sei der Stapel der Akten, die sich um die Straftaten in den Neuen Medien dreht. Da ist der Ex, der seiner ehemaligen Freundin SMS-Nachrichten schreibt und sie darin beleidigt oder bedroht. Und da sind die unzähligen Hasskommentare in den sozialen Netzwerken. „Das ist keine gute Entwicklung“, sagt Starke. Diese zunehmende Verrohung sei aber auch Defiziten in den Bereichen der Erziehung von Kindern und Jugendlichen in den Generationen der nach 1980 Geborenen geschuldet. „Das gleitet manchmal sogar bis ins Krankhafte ab. Die Leute reden einfach nicht mehr miteinander von Angesicht zu Angesicht.“
Damit einher würde auch die Ignoranz staatlicher Autorität und gesetztlicher Normative gehen. Beispiele dafür sieht Starke im Verhalten der Menschen im Straßenverkehr, die schwindende Autorität von Lehrern an Schulen und eine grundsätzlich gesteigerte Aggressivität.
Nicht unwesentlich sei auch eine anwachsende Wirtschaftskriminalität. „Hier reden wir etwa von Zahlungsbetrug oder falschen Arbeitsverträgen.“


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