Mittwoch, 24. Januar 2018

 
Samstag, 23. Dezember 2017

TORGAU

"Weihnachten ehrlich zu feiern, tut einfach gut"

Hanna Jäger (l.) und Ann-Sophie Schäfer.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Ein knappes Jahr haben die Pfarrerinnen Hanna Jäger und Ann-Sophie Schäfer in der Region hinter sich gebracht

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Torgau/Schildau. Wie begehen eigentlich Pfarrer das Weihnachtsfest? Bei Hanna Jäger (37) und Ann-Sophie Schäfer (32) – den beiden neuen Pfarrerinnen in der Region – sieht das auf den ersten Blick ganz verschieden aus: Die eine schmückt mit ihren drei Kindern das gesamte Haus und kommt so auch selbst in Festtagsstimmung. Bei der anderen zeugt lediglich ein simpler Weihnachtsstern im Blumentopf im Flur vom Fest. „Ich brauche in diesem Jahr nicht viel“, sagt Schäfer.
Beiden gemein ist nicht nur der Appetit auf weißgepuderte Stolle, sondern auch die Antwort auf die Frage, was Weihnachten im Inneren bedeutet. „Zu Weihnachten ist die Gefahr der Enttäuschung groß, weil so viele äußerliche Erwartungen damit verbunden sind“, sagt Jäger. Und Schäfer ergänzt: „Weihnachten, das Fest der Hoffnung, ehrlich zu feiern, tut einfach gut.“

Weihnachten und Hoffnung? Vor einem Dreivierteljahr feierten Jäger und Schäfer in Schildau ihren Einführungsgottesdienst. Seitdem ist viel passiert. Es scheint, als ob nun der Region die Pfarrer ausgehen. An vielen Stellen wird vertreten und ausgeholfen. Löcher müssen gestopft werden. Ab dem kommenden Jahr nun auch im Pfarrbereich Beilrode. Ausgerechnet in ein solches Umfeld hat es die beiden Frauen verschlagen. Die eine nach Schildau, die andere nach Torgau, um von der Mitte der Region nachhaltige Strukturen zu schaffen.

Jäger, Schäfer und alle anderen Pfarrer stehen vor einer großen Herausforderung. Die Frage lautet, wie Kirchenarbeit mit dem schwindenden Personal künftig noch abgesichert werden kann. Dass hierzu neue Wege beschritten werden müssen, wird den beiden tagtäglich offenbar. Es ist ein schwieriger Spagat zwischen Zentralisierung der Kircharbeit und dem Beibehalten gewachsener Strukturen auf dem Land.

Die in diesem Jahr aus der Taufe gehobene TeenNight scheint zumindest im Bereich der Jugend vielversprechend zu sein. Etwa 60 Jungen und Mädchen kommen hier in zwei Gruppen aller vier Wochen zusammen. „Nicht explizit, um sich auf die Konfirmation vorzubereiten“, so Jäger. „Es ist ein offenes Format“, beschreibt Schäfer. „Jeder ist willkommen. Es geht um das Erleben christlicher Gemeinschaft und darum, Fragen zu Glauben und Religion besprechen zu können.“
Mit der TeenNight haben Schäfer und Jäger ein Angebot kreiert, was auf große Resonanz stößt.

„Ein erster hoffnungsvoller Schritt“, betont Schäfer, die voll und ganz auf Teamarbeit setzt. Durch die Zusammenarbeit vieler könne die Nachhaltigkeit von Initiativen gesichert werden. Denn so hänge der Erfolg von Projekten nicht allein an einer zentralen Pfarrerfigur. „Ziel unserer Arbeit ist es, ein Netzwerk aus Ehrenamtlichen zu stricken, die Kirchenarbeit auf viele Schultern zu verteilen und bei offenen Fragen Hilfestellung zu geben“, spricht Hanna Jäger von einer Art Moderatorenrolle. In Schildau habe sie dafür einen sehr fruchtbaren Boden vorgefunden. „Für neue Ideen war und ist hier eine sehr große Offenheit da“, schildert sie, wie sie empfangen wurde. So zum Beispiel sei auch die Idee vom Maulbeerbaumfest entstanden, welches die Schildauer im kommenden Jahr feiern wollen. Mit seinen 500 Jahren wächst angeblich Deutschlands ältester Baum dieser Art auf dem Kirchhof.

Schäfer und Jäger sind sich gleichermaßen bewusst, dass angesichts der neuen Herausforderungen das tradierte Pfarrerbild mehr und mehr aufgeweicht wird. Es schmerzt sie nicht. Vielmehr gehe es nun um einen Prozess, in dem vor Ort die Rolle des Pfarrers und das Bild von Gemeinde neu und experimentierfreudig entwickelt werden sollen. „Wir müssen weg von der Defizitorientierung“, regt Jäger an. Und diese Einstellung habe nichts mit Naivität zu tun. Auch eine älter werdende Landbevölkerung könne beispielsweise als Chance begriffen werden, betont sie. Vielerorts seien es doch gerade die Senioren, die das Gemeindeleben lebenswert machen. Bei all dem dürfe allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass ehrenamtliches Engagement ein hohes Gut sei und nicht über die Maßen erwartet werden könne.

Nach einfachen Arbeitsbedingungen und einfachen Lösungen klingt das alles nicht. Dennoch scheinen die beiden voller Hoffnung.
Anstrengend wird es auch am morgigen Heiligabend: Beide Pfarrerinnen werden mit jeweils vier Gottesdiensten gut beschäftigt sein. Womit auch die Frage im Raum steht: Wie gehen Pfarrer zu Weihnachten mit den sogenannten „U-Boot-Christen“ um, die nur an hohen Feiertagen Gottesdienste besuchen? Auch hier vertreten Schäfer und Jäger eine ganz pragmatische Sichtweise. „Wenn die Kirchen an Heiligabend voll sind, heißt das doch, dass Menschen sich zum Weihnachtsfest mehr wünschen, als nur Bescherung und Festtagsbraten“, sagt Schäfer. Und Jäger begreift jenen Umstand als große Chance, weil Leute an diesem einen Abend sehr genau zuhören. Beide machen deutlich, wie sehr sie sich auf den morgigen Heiligabend freuen.


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