Mittwoch, 24. Januar 2018

 
Dienstag, 2. Januar 2018

NORDSACHSEN

Mega-Deal drohte an 5000-Euro-Objekt zu scheitern

Nach einer lebhaften Diskussion entschieden sich die Räte doch noch für den Verkauf des alten Gemeindeamts.

von unserem Redakteur Christian Wendt

Kobershain. Diskussionen über Verkauf des ehemaligen Gemeindeamts in Kobershain / Weitaus größerer Immobilienverkauf hing am seidenen Faden

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Wie gut, dass der Weg zum Büro nicht allzu weit war: Nachdem die Stimmung der Belgern-Schildauer Stadträte wegen der fehlenden Kostenschätzung für zusätzliche Zimmererarbeiten am Belgeraner Oschatzer Tor ohnehin schon am Tiefpunkt angelangt war (TZ berichtete ausführlich), drohte nachfolgend auch ein Beschluss zum Verkauf des ehemaligen Gemeindeamts in Kobershain mangels fehlenden Luftbilds zu scheitern. Denn gerade die Stadträte aus dem Bereich Belgern hätten eine solche Übersicht zur besseren Orientierung gerne zur Hand gehabt. Doch vom Schildauer Ratssaal waren es nur ein paar Meter zum Rechner und der rettenden Bilddatei, sodass die Beschlussvorlage samt eilig ausgedrucktem Luftbild mit ein wenig Verzögerung doch noch zur Diskussion gestellt werden konnte. Und diese hatte es mächtig in sich. Schließlich war der angestrebte Verkauf der auf 5000 Euro taxierten Immobilie mit einem weitaus größeren Immobilien-Deal verbandelt, den die Räte bereits für gut eine halbe Millionen Euro längst durchgewinkt hatten. Jener Großverkauf umfasst das Abstoßen gleich mehrerer kommunaler Immobilien im Bereich Schildau. Sollte nun doch noch alles anders kommen? Einzelkäufer Richard Ost hatte nach Angabe der Verwaltung bereits im Zuge der Verkaufsverhandlungen ein eventuell späteres Interesse am alten Gemeindeamt mit einer Grundstücksfläche von 178 Quadratmetern bekundet. Der dann vorgelegte Kaufantrag basierte auf der Erkenntnis, jenes Grundstück sowie das angrenzende nur als Gesamteinheit nutzen zu können. Zitat aus der Kommentierung des Beschlussantrags: „Herr Ost wird das Wohngrundstück Nr. 64 nur als Gesamteinheit gemeinsam mit der Nr. 66 kaufen.“ Nun sollte die Diskussion im Stadtrat Fahrt aufnehmen. Den Beginn machte Ingo Henjes (SPD), der den angeführten Verkaufspreis noch einmal beleuchtete: „5000 Euro? Ist das nicht ein bisschen wenig?“ Sei es nicht, hieß es von der Verwaltung. Eine separate Vermarktung des Hauses sei aufgrund wertmindernder Faktoren wie Größe/Zuschnitt, Zweckbau, eingeschränkte Medienerschließung (Wasser/Abwasser/Heizung) und belastendes Geh- und Fahrtrecht für das benachbarte Grundstück nicht zu erwarten. Dann legte Hans-Jürgen Hientzsch den Finger in die Wunde: Ob man denn im Vorfeld mit den Vereinen, die das Gebäude noch nutzen, gesprochen habe, wollte der Vertreter der LINKEN wissen. „Ja“, entgegnete Bürgermeisterin Eike Petzold. Zudem sei vorgesehen, dass die Dorfgemeinschaft das Haus übergangsweise ohne Einschränkung nutzen könne. „Übergangsweise? Was heißt das?“ wollte Jens Burghardt (Freunde der Feuerwehr wissen). Immerhin würden ja auch die Kameraden der Feuerwehr die Räumlichkeiten für Schulungszwecke nutzen.
Eike Petzold verwies auf einem Zeitraum  von fünf Jahren, in denen das Haus bei einer Betriebskostenübernahme mietfrei genutzt werden könne. Zudem verfüge man am Kobershainer Sportplatz über eine weitere kommunale Immobilie, die auch künftig zugänglich sein werde. Allerdings musste die Bürgermeisterin auch einräumen, dass die Stadt ausgerechnet mit der Feuerwehr zu jenem Zeitpunkt nicht über die angedachten Veränderungen gesprochen hatte. Ein gemeinsamer Termin habe sich nicht finden lassen, sagte Petzold.
„Ich finde das alles ein bisschen seltsam“, überkam Jochen Werner (Freunde der Feuerwehr) schließlich ein Anflug von Kritik. Dennoch appellierte er für den Verkauf der Immobilie, die – wie sich im Zuge der Diskussion herausstellte – sehr sparsam vom Heimat- und Sportverein sowie der Feuerwehr genutzt wird. „Wir brechen uns hier keinen ab, wenn wir das Haus verkaufen“, führte der Belgeraner ins Feld.
Das Schlusswort hatte schließlich die Bürgermeisterin. Und dieses ließ erahnen, dass es wohl nicht das letzte kommunale Grundstück ist, dass veräußert wird. „Müssen wir denn in unseren 22 Ortschaften wirklich alle städtischen Immobilien vorhalten?“ richtete sie ihre Frage ins Rund der Räte...


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