Mittwoch, 21. Februar 2018

 
Donnerstag, 25. Januar 2018

OSTELBIEN

Es braucht Leute vor Ort, die es mit Herzblut tun

Landrat Kai Emanuel (links) und Mitkoordinatorin Manuela Kurdybahn helfen Annerose und Rudi Richter beim Einsteigen. Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

TZ begleitete Tour mit dem Arzberger Bürgerbus – Landrat Kai Emanuel stellte sich am Dienstag persönlich als Fahrer zur Verfügung

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Arzberg. Das Warten auf die Presseeinladung ist vergeblich. Gibt es nicht, heißt es nach Rückfrage aus Schloss Hartenfels. Wenn Sie den Landrat hinter dem Steuer des Arzberger Bürgerbusses erleben wollen, müssen Sie sich schon für die Tour als Fahrgast anmelden. Gesagt, getan.

Dienstag, 9.05 Uhr, steht Manuela Kurdyban plötzlich im Redaktionszimmer. Sie koordiniert die Termine für den Bus. „Los gehts!“ Sie ist zehn Minuten zu früh. Unten im Wagen sitzt tatsächlich Kai Emanuel am Steuer und kommt sogar noch ein paar Meter herangefahren. Er lächelt freundlich, trägt ganz leger Jeans und die Jacke des Bürgerbusteams und wirkt entspannt. Die Fahrt zum Krankenhaus, wo eine Rentnerin zur Darmspiegelung hin musste, ging schneller als gedacht.

„Wir fahren jetzt nach Arzberg, holen Frau Alzayyat mit ihren Kindern und schaffen sie zur Hausärztin Frau Dr. Vida nach Triestewitz“, kündigt Manuela Kurdyban die nächsten Stationen an.
Bei der ersten Foto-Gelegenheit vor der Eingangstür der syrischen Asylbewerberfamilie aber zeigt sich Kai Emanuel auf einmal zurückhaltend, will erst gar nicht mit aufs Bild.  „Nicht falsch verstehen. Es geht heute nicht um mich. Die Leute stehen im Mittelpunkt“, erklärt er. Mit der Aktion wolle er sich nicht als Landrat in Szene setzen, sondern seinen Respekt vor dem Ehrenamt zum Ausdruck bringen. Wertschätzung zeigen. Deshalb gab es auch keine Einladung für die Presse. Im Übrigen, verrät Emanuel, habe er extra für den Fahrdienst in Arzberg einen Tag Urlaub genommen.  Bei der Frage, ob seine Frau das gutheißt – schließlich sei die Freizeit eines Landrates ohnehin ziemlich beschränkt – lächelt er: „Sie hat mich ja heute noch den ganzen Abend.“

Die syrische Familie spricht kein deutsch, ist sich der Besonderheit dieser Fahrt nicht bewusst. Die vier Kinder sind krank, benötigen ärztliche Versorgung. Weil es zu lange dauert, auf das Ende der Behandlung zu warten, geht es jetzt nach Heidehäuser: Annerose und Rudi Richter,  64 und 68 Jahre alt, möchten zum Einkaufen nach Arzberg zu „Markant nah und frisch“. Früher haben sie die knapp vier Kilometer hin und zurück oft zu Fuß zurück gelegt, was voll bepackt sehr beschwerlich war. „Der Bürgerbus ist hauptsächlich für Senioren gedacht. Für Einwohner, die nicht mobil sind. Wir möchten sie so lange wie möglich im gewohnten Umfeld lassen. Wenn wir die ganzen älteren Menschen nur in die Pflegeheime stecken, haben wir auch nichts gekonnt“, pflichtet der Landrat bei. Mit dem mobilen Pflegedeinst allein sei es auch nicht getan.
Bürgermeister Holger Reinboth und Hauptkoordinator Ronald Weidner melden sich via Telefon, laden zum Kaffee ein. „Steht nicht im Plan“, schüttelt Emanuel mit dem Kopf, um sich dann doch erweichen zu lassen. Annerose und Rudi Richter brauchen nämlich ein halbes Stündchen zum Einkaufen, das Zeitfenster reicht.

Einen „sportlichen Fahrstil“ habe der Landrat, lautet dann die erste Manöverkritik im OMA-Haus. Normalerweise werde nicht schneller als 80 gefahren und auch nicht überholt, so Ronald Weidner. „Hab ich nicht getan“, wehrt der Kreis-Chef lachend ab.  Bürgermeister Holger Reinboth verrät, dass man zur besseren finanziellen Absicherung noch fünf Partner gewonnen hat. Der Bus soll in den nächsten Tagen mit Werbung beklebt werden. Die Fahrten selbst sind für die Passagiere kostenfrei. Wer etwas geben will, legt Geld in die Spendenbox, das wiederum als Rücklage dient. Falls mit dem Neun-Sitzer mal irgendetwas ist. Die zwölf ehrenamtlichen Fahrer benötigen übrigens keinen Personenbeförderungsschein, haben aber allesamt die G 25 (arbeitsmedizinische Untersuchung) absolviert und bestanden.
„Es braucht vor allem die Leute vor Ort, die es mit Herzblut machen und drei/vier Leute an der Spitze“, beschreibt Ronald Weidner die aus seiner Sicht größte Herausforderung des Bürgerbusprojektes. Vielerorts würde es schon daran scheitern, dass sich keine Fahrer finden.

In Arzberg läuft es besser als gedacht: Über 14 000 Kilometer hat der Mercedes Sprinter jetzt auf dem Tacho, über 1100 Gäste wurden seit 22. Februar 2017 chauffiert. Nur der Spritverbrauch ist ein bisschen höher als erwartet, was an vielen kurzen Strecken und am Betrieb der Standheizung liegt, wie Weidner vermutet. Er überwacht das Fahrgeschehen akribisch, kennt mittlerweile die Eigenheiten der einzelnen Lenker genau. Ob Raser oder Bummelant. „In mir steckt auch eine kleine Krämer-Seele“, macht er aus seiner Sparsamkeit keinen Hehl.

Joachim Werner ist der nächste Passagier, der 11 Uhr vor der Haustür in Arzberg aufgenommen wird. Zwischenzeitlich war die syrische Familie aus Triestewitz zu holen und ins Arzberger Neubaugebiet zu schaffen. Auch das Ehepaar aus Heidehäuser hat wieder im Bus Platz genommen. Klar wusste es, dass der Landrat fährt. Das Gesicht kennt man doch, lacht Joachim Werner. „Grüß dich“, sagt  der 80-Jährige beim obligatorischen Handschlag vertraut. Man ist schließlich auf dem Dorf.

Der Gehbehinderte muss zum Augenarzt nach Torgau, hat früher 50 Euro für das Taxi bezahlt. 10 Euro für die Spendenbox sind ihm daher nicht zu viel. Er sei kürzlich auch schon mal befördert worden – vom Major zum Oberstleutnant der Reserve, sprüht der Rentner vor Humor und sorgt für Stimmung im Bus. Ein paar Altgediente der NVA haben ihn besucht, einer besaß früher die Befähigung dazu. Sogar Urkunde und Pokal wurden überreicht, witzelt er. Kai Emanuel im Fahrersitz kann sich ein breites Grinsen nicht verdrücken. Einmal im Jahr möchte er fortan den Arzberger Bürgerbus lenken.

Während der TZ-Redakteur in der Elbstraße aussteigen darf, geht es für den Landrat noch bis 16.30 Uhr weiter. Sieben Anmeldungen mit elf Personen stehen insgesamt im Tourenplan. Dienstags und freitags sind besonders gut gebucht, montags und mittwochs geht es ruhiger zu. Am Wochenende wird nur selten gefahren. Den Hauptteil der Anmeldungen umfassen Arztbesuche und Behördengänge.


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