Mittwoch, 21. Februar 2018

 
Freitag, 26. Januar 2018

TORGAU

An der Landesgrenze ist Schluss

Mehr als 30 Interessierte aus Torgau und dem Umland waren in die Kulturbastion gekommen, um über die Zukunft der Entwicklung der Elbe zu diskutieren.Foto: TZ/S. Lindner

von unserem Multimedia-Redakteur Sebastian Lindner

Grüne Landtagsfraktion stößt Debatte um Erweiterung des Biosphärenreservates Elbe nach Sachsen an / Bereits 1995 wurde diesbezüglich ein Versuch gestartet

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Torgau. Arrangiert von der sächsischen Landtagsfraktion der Grünen, versammelten sich am Mittwochabend etwa 40 an der Elbe interessierte Menschen in der Kulturbastion, um dort über eine Ausweitung des Biosphärenreservates an einem der größten deutschen Flüsse zu sprechen.

„Von Tesperhude in Schleswig-Holstein  bis Sachsen-Anhalt erstreckt sich das biosphärenreservat ‚Flusslandschaft Elbe‘ über 400 Kilometer und fünf Bundesländer“, leitete Wolfram Günther, umweltpolitischer Sprecher seiner Partei und Gastgeber der abendlichen Runde ein. „An der Grenze zu Sachsen endet es aber abrupt.“ Gemeinsam mit Guido Puhlmann, dem Leiter des Teil-Reservates „Mittelelbe“ und Iris Brunar, die sich für den BUND um das Projekt Elbe kümmert, war er nach Torgau gekommen, um die Debatte in die Öffentlichkeit zu tragen.
Neben Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth, der sich als „Lernender“ bezeichnete und für die Veranstaltung mehrere andere Termine links liegen ließ, saß auch Bettina Klein aus dem Torgauer Stadtplanungsamt im Podium. Sie machte schnell klar: „Dass es keine Ausweitung gab, haben nicht wir zu verantworten. Das war damals eine politische Frage“, erklärte sie. Trotzdem sehe sie das Biosphärenreservat als „Erfolgsmodell, dass den Anrainern viel bringt und eine stetige Entwicklung zeigt.“

Natürlich könne man so ein Reservat aber nicht einfach so aus dem Boden stampfen.  Vor allem mit den Landwirten müsse man sich vorher ausführlich unterhalten und deren Interessen berücksichtigen. „Beim Stichwort Naturschutz geht bei den Landwirten immer gleich die rote Lampe an, obwohl es aber eigentlich um ihre Lebensgrundlage geht“, so Klein. Um die Landwirtschaft mitzunehmen, erläuterte Guido Puhlmann und sprach von seinen Erfahrungen aus Sachsen-Anhalt, müsse man bestehende Konflikte direkt mit ihnen austragen. „Eine Idee, die bei uns gut funktioniert hat, ist dabei die Entwicklung einer Regionalmarke für Produkte.“

Im Podium saßen: v.l.n.r.: Guido Puhlmann (Leiter des Biosphärenreservats Mittelelbe), Iris Brunar (BUND), Wolfram Günther (Landtagsabgeordneter der Grünen), Bettina Klein (Stadtplanungsamt Torgau) und Holger Reinboth (Arzberger Bürgermeister).


Nach Iris Brunar sei es auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass mit Biosphärenreservat nicht nur mit Einschränkungen durch den Naturschutz einhergehen – „das ist ohnehin nur im Kernbereich so“ –, sondern auch eine gewisse Wirtschaftskraft. Nicht nur, dass ein entsprechendes Reservat Arbeitsplätze schafft. 50 sind es  im „Mittelelbe“-Gebiet. Tourismus ist ein wesentlicher Faktor. Dafür servierte sie Zahlen. „280 000 Radfahrer waren 2015 auf dem Elberadweg unterwegs. Die lassen dort alle Geld in der unmittelbaren Nähe“, so Brunar. Während für den Bau des Weges in Sachsen-Anhalt rund zehn Millionen Euro anfielen, haben die Umsätze durch Übernachtungen und Gastronomie rund 127 Millionen Euro eingespielt.

Natürlich spiele aber nicht nur die wirtschaftliche Seite eine Rolle. „Es gibt nicht mehr so viele Flüsse in Mitteleuropa, die so naturnah sind wie die Elbe“, so Wolfram Günther. „Zwischen Geesthacht bei Hamburg und Böhmen gibt es keine Staustufen, Auenwälder sind zwar weniger geworden, aber noch vorhanden.“ Um diese Umstände weiter zu verbessern, würden immer wieder Deiche rückversetzt, um dem Fluss mehr Platz zu bieten, was sich auch positiv auf Hochwasserereignisse auswirken würde.

„Allerdings ist es ein dickes Brett zu bohren“, wandte Puhlmann ein. „Ich kann nicht erkennen, dass Sachsen daran Interesse zeigt, die Elbe weiterzuentwickeln.“ Deswegen müsse von unten ein Anstoß kommen, Stadtparlamente und der Kreistag müssten sich dazu bekennen. „Ohne die kommunale Ebene kann es keinen Erfolg geben“, sprang ihm Günther zur Seite. „Denn hierbei geht es auch nicht um Parteipolitik, sondern es ist wichtig für die Region.“

Bereits 1995 wurde der Versuch gestartet, das Biosphärenreservat auf Sachsen zu erweitern, erklärte Karin Noack von der Torgauer Regionalgruppe des BUND. „Wir hatten einen Antrag über den Kreistag eingereicht, doch der wurde abgelehnt.“ Politik und Landwirtschaft müssten im Vorfeld überzeugt werden, erklärte sie, als die Zuhörer in die Debatte eingebunden wurden.


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