Montag, 10. Dezember 2018

 
Samstag, 27. Januar 2018

OSTELBIEN

"Müssen alles dafür tun, dass sich Einwohner wohlfühlen"

Bürgermeister Holger Reinboth und Gemeinde-Sekretärin Cornelia Ferl begutachten ein Bild, das vom Kreativzirkel des O-M-A-Hauses übergeben wurde.Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beim traditionellen TZ-Jahres-Interview sprach Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth unter anderem über Bevölkerungsentwicklung, wichtige Investitionen, Kindereinrichtungen und Vereinsarbeit.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

TZ: Man hört jetzt oft in der Region Torgau, dass wieder mehr Kinder geboren werden. In Belgern denkt man sogar über die Wiederbelebung der ehemaligen Mittelschule nach. Gibt es auch in der Gemeinde Arzberg neue Hoffnung?
H. Reinboth:
Es ist leider noch so, dass die Gemeinde im Schnitt 30 Einwohner jährlich verliert. Das liegt daran, dass nicht so viele Kinder geboren werden wie Ältere sterben. Wir hatten in den letzten Jahren kurioserweise meist 13 Geburten. Eine konstante Zahl (lächelt). Der zweite Punkt ist, dass sehr viele wegziehen – besonders jüngere Frauen, die anderswo eine Ausbildung oder ein Studium beginnen und dann dort bleiben.

Weil sie in Arzberg keine Perspektive sehen ...?
Weil zum Beispiel die Beschäftigungsangebote speziell für Studenten rar gesät sind. Die wenigsten kommen wieder. Ich würde mich freuen, wenn diejenigen – die in Leipzig arbeiten – trotzdem in der Gemeinde Arzberg wohnen bleiben. Selbst wenn es eine Stunde bis zur Arbeitsstelle dauert. Wir können hier nur die Bedingungen schaffen, dass sich die Einwohner wohl fühlen.

Gibt es schon viele Pendler in der Gemeinde?
Ja, klar. Viele fahren nach Torgau, wobei das noch keine große Strecke ist. Aber die Regionen Eilenburg und Leipzig sind gängige Ziele für Pendler. Zum Beispiel ist die Kreisverwaltung ein wichtiger Arbeitgeber. Mancher fährt direkt mit Pkw, andere lassen das Auto in Beilrode oder Torgau stehen und fahren mit dem Zug.

Wieviele Einwohner hat die Gemeinde konkret?
Zum 1. Januar waren es 1902 Einwohner und damit sogar 35 weniger als im Jahr zuvor. Hinzu kommen noch 49 Ausländer, davon zwei Asylbewerber-Familien und der Rest Osteuropäer, die meist in der Landwirtschaft arbeiten.

Was können Sie tun, um den Einwohner-Rückgang zu bremsen?
Wir wollen versuchen ein Gefühl zu schaffen, dass es sich lohnt in der Gemeinde Arzberg zu leben. Also nicht nur Idylle, sondern auch Infrastruktur. Für junge Familien sind zum Beispiel die Kindereinrichtungen wichtig.

Wie sieht es da aus?
Kindergarten, Krippe und Hort besuchen derzeit 126 Kinder. Damit ist die Kita gut ausgelastet. Die Zahl blieb in etwa gleich, wobei die Anzahl im Krippenbereich etwas zugenommen hat. In der Grundschule lernen etwa 75 Schüler.

Welche Ideen gibt es noch, die Gemeinde attraktiv zu machen?
Diese Thematik haben wir in das Projekt „Familienfreundliche Kommune“ integriert und dabei viele junge Familien befragt. Es hieß, dass neben Kindereinrichtungen die kleine Verkaufsstelle und Freizeitangebote bis hin zum Mehrgenerationenhaus als wichtig eingeschätzt werden. Mit 17 Vereinen sind wir auch gut ausgestattet. Diese Vereine hegen und pflegen wir. Es gibt zum Beispiel am 2. März wieder den Vereinsabend, wo Sorgen und Probleme angesprochen werden können. Und wir leisten Unterstützung bei Festivitäten und bei besonderen Anlässen wie Jubiläen. Insgesamt stellt die Gemeinde dafür 6000 Euro zur Verfügung.

Welche Nachteile haben die jungen Familien aufgezeigt?
Es existieren in der Gemeinde einfach zu wenig große Arbeitgeber. Überwiegend nur Kleinstunternehmen und Selbstständige. Wir haben eigentlich nur die Agrargenossenschaft Arzberg und das Lehr- und Versuchsgut Köllitsch. Nächstes Problem ist, dass wir kein Gewerbegebiet und keinen Eigenheimstandort besitzen.
Dafür haben wir aber vier Wohnblöcke in Triestewitz, die gut belegt sind, größtenteils mit jungen Familien. Vier weitere Häuser gehören einem Privatinvestor. Sorgen bereitet uns außerdem der Leerstand gerade im privaten Bereich. Zum Beispiel in Blumberg stehen viele Grundstücke ungenutzt und verfallen.

Welche Investitionen hat die Gemeinde in diesem Jahr geplant?
Wir wollen rund eine halbe Million Euro ausgeben. Größtes Vorhaben ist dabei die energetische Sanierung der Grundschule in den Sommerferien über das Förderprogramm „Brücken in die Zukunft“. Von den 130 000 Euro Kosten sind 28 000 Euro Eigenmittel. Über das gleiche Programm läuft die Sanierung der Sanitäranlagen in der alten Turnhalle. Hier geht es am 12. Februar los – Kosten: 40 000 Euro. Vier Straßen in Prausitz, Adelwitz und Kamitz wollen wir ebenfalls instand setzen. Hinzu kommt, dass das Landesamt für Straßenbau und Verkehr die Staatsstraße 25 zwischen Triestewitz und Arzberg sanieren möchte.

Das sind ja viele Vorhaben!
Und noch nicht mal alle. Die Sanierung des Koßdorfer Landgrabens haben wir schon lange auf dem Schirm. Wir hoffen, dass über das LEADER-Programm Fördermittel fließen und dass es im Herbst losgehen kann. 80 000 Euro sind veranschlagt bei einer Förderung von 75 Prozent. Ebenfalls über LEADER wollen wir die Kegelbahn in Triestewitz und das Vereinshaus des Heimat- und Kulturvereins in Blumberg in Ordnung bringen.

Können sich auch die Feuerwehren über Neuanschaffungen freuen?
Die größte Investition hier ist ein neues Löschfahrzeug für Blumberg in Höhe von 260 000 Euro, davon 126 000 Euro Fördermittel. Wir hoffen, es im Dezember übergeben zu können. Gerade für Blumberg ist die Investition sehr wichtig, weil dort noch sehr alte Technik im Einsatz ist.

Stichwort Tourismus: Welche Ansätze gibt es hier?
Wir haben viel getan, um die Gemeinde aufzuwerten und es geht voran. Zum Beispiel wurde versucht, die Beschaffenheit des ostelbischen Elberadweges zu verbessern. Es gab den Ausbau zwischen Pülswerda und Graditz. Für das fehlende Stück auf Torgauer Gemarkung laufen gerade Gespräche über den Landkreis. Dann wäre vorstellbar, den Deichverteidigungsweg zwischen Stehla und Fähre einzubeziehen. Wir müssten dazu eine Vereinbarung mit der Landestal-
sperrenverwaltung abschließen. Die Beschilderung wurde verbessert und es wurden kleine Handzettel für Radtouristen erarbeitet. Ab Frühjahr soll auch das neue Hostel in Köllitsch öffnen.

Welche Höhepunkte warten auf Touristen und Ausflügler?
Natürlich sind unsere Schlösser sehenswert und der altertümliche Bauernhof in Kathewitz. Dann gibt es fünf Bauernmärkte in Pülswerda, die einen Ausflug wert sind. Im Veranstaltungskalender stehen auch das Ortsjubiläum von Blumberg am 15./16. September mit Festumzug, der Märchenabend in Triestewitz am 31. August sowie der Apfeltag am 3. Oktober in Kathewitz.

 

Wo sehen Sie 2018 die größten Herausforderungen?

Ute Jarosch

Ute Jarosch:
Die größte Herausforderung in dieser Region ist, ein Vorwärtskommen zu organisieren, in dem alle Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung und Förderung ausgeschöpft werden. Da haben wir mit Bürgermeister Reinboth riesiges  Glück, der sich auskennt und sich sehr engagiert. Sei es, wenn es um Mittel für die Schule geht oder um den Schulerhalt an sich. Es wäre schwer, einen Bürgermeister zu haben, der das nicht packt. Herr Reinboth hat auch durch den Ostelbienverein viele Kontakte. Es ist nicht einfach, die Leute mitzunehmen und ihr Engagement zu wecken. Ich bewundere, wie es teilweise geklappt hat – zum Beispiel beim OMA-Haus oder beim Bürgerbus.

Reinhard
Müller-Schönau

Reinhard Müller-Schönau:
Wir wurden als familienfreundliche Gemeinde im Freistaat ausgezeichnet und es gibt jetzt einige Ideen, um das vorwärts zu bringen und mit Inhalt zu füllen. Ziel ist, die Gemeinde noch attraktiver zu gestalten und den Wegzug zu verhindern. Im Moment haben wir noch eine negative Bilanz, was die Einwohnerzahl betrifft. Hier wollen wir entgegen wirken. Wir müssen sehen, dass wir die Kindereinrichtungen behalten und die Verkaufsstelle und wir müssen das ehrenamtliche Engagement stärken. Es gibt da noch viele Möglichkeiten und Ansätze.

Igor Rogasch

Igor Rogasch:
Nach wie vor größte Herausforderung ist der Erhalt der Grundschule als eine der wichtigsten Einrichtungen in einer lebenswerten und familienfreundlichen Gemeinde. Der Ausbau des ostelbischen Elberadweges ist dagegen wichtigste Grundlage für eine touristische Erschließung. Und dann die S 25 von Kauklitz bis Stehla bzw. bis zur Landesgrenze: Das LaSuV muss endlich einsehen, dass hier dringend und kurzfristig etwas gemacht werden muss. Der Abschnitt ist als „Staatsstraße“ nicht nur eine oberpeinliche Holperstrecke, das Pflaster ist  bei Nässe auch kreuzgefährlich. Man sollte nicht erst warten bis ein Unfall mit Verletzten oder Toten passiert. Da müssen wir dran bleiben und beim LaSuV weiter Druck machen.

>>> Hier gehts zu den anderen Bürgermeister-Interviews <<<


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
Gründerabend
16.01.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Neujahrsempfang: Gemeinsam für die Region
23.01.2019, 19:00 Uhr - 23:00 Uhr
Workshop: Werkvertrags(Bau)recht nach VOB/B und BGB
29.01.2019, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
Workshop: Werkvertrags(Bau)recht nach VOB/B und BGB
05.02.2019, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
Workshop: Werkvertrags(Bau)recht nach VOB/B und BGB
12.02.2019, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
Gründerabend
13.02.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Treffpunkt für Unternehmen: E-Commerce
04.03.2019, 09:00 Uhr - 10:30 Uhr
IHK-Elternabend
05.03.2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr
Gründerabend
13.03.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
10.04.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
08.05.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
12.06.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
10.07.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
07.08.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
18.09.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
16.10.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
06.11.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
04.12.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

So schenkt Torgau

Wir sind die Guten

So schenkt Torgau

INFOS & EMPFEHLUNGEN