Dienstag, 19. Juni 2018

 
Samstag, 20. Januar 2018

MOCKREHNA

"So kann's ja wohl nicht gehen"

Bürgermeister Klepel im Gespräch mit Gemeinderat Thomas Wejda.Foto: TZ/ Archiv (C. Wendt)

von unserem Redakteur Christian Wendt

Mockrehna. Peter Klepel machte den Anfang in der alljährlichen TZ-Serie der Bürgermeisterinterviews. Das Oberhaupt der Gemeinde Mockrehna sprach unter anderem auch über das Thema "Grundzentrum.

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Kein anderes Thema wurde in Mockrehna derart emotional diskutiert wie das Ringen um den Status eines Grundzentrums. Geht es doch um nichts weniger als den Zugriff auf verbesserte Fördermöglichkeiten sowie vereinfachte Genehmigungsverfahren bei Bauprojekten. Was Bürgermeister Peter Klepel darüber denkt und was die Bürger Mockrehnas in diesem Jahr erwarten können, besprach er noch vor seinem Skiurlaub mit der Torgauer Zeitung im traditionellen Jahresauftaktinterview. Die aufgekommenen Bürgerbedenken in Sachen Penny-Erweiterung sowie die Mängel bei der Ausrüstung der Feuerwehren mit funktionstüchtigen Funkmeldeempfängern blieben deswegen unberücksichtigt.

TZ: Herr Klepel, Ihre Gemeinderäte Oschkinat, Schübel, Bölke und Kloß vertreten in Sachen Grundzentrum eine klare Meinung: Wenn’s einer verdient habe, dann ja wohl Mockrehna. Ist das auch Ihre Meinung?
Peter Klepel:
Dieser Titel hat eine immens hohe Bedeutung. Wie wichtig es ist, Grundzentrum zu werden, zeigt sich nicht zuletzt anhand der Schwierigkeiten, die wir haben, unseren zwei Einkaufsmärkten mehr Platz zu gönnen. Daneben geht es beispielsweise auch um eine einfachere Bewilligung von Eigenheimstandorten.

Wie geht es nun nach der Diskussionsrunde mit Oberplaner Prof. Dr. Andreas Berkner weiter?
Unsere Gemeinde wird eine entsprechende Stellungnahme verfassen. Der Inhalt steht derzeit noch nicht fest. Die Stoßrichtung schon. Auch in meinen Augen ist es ungerecht, wenn der Vergabe eines solch wichtigen Titels lediglich eine politische Entscheidung zugrunde liegt. Mockrehna ist mit seinen 115 Quadratkilometern und den neun Ortsteilen dünn besiedelt. Ich möchte nun keine Stimmung gegen Beilrode und Belgern-Schildau machen, aber so, wie es derzeit aussieht, kann’s ja wohl nicht gehen. Einfach mal zwei Kandidaten vorschlagen und der Rest kann sich abstrampeln wie er will und muss dennoch in die Röhre schauen...
(Peter Klepels Telefon klingelt. Es soll während des Interviews nicht das letzte Mal gewesen sein, dass der Bürgermeister von einem Thema zum nächsten springt. Diesmal geht es um den Hort. Der droht, die Nachfrage nach Betreuungsplätzen nicht mehr bedienen zu können. Am anderen Ende der Leitung ein Bauplanungsbüro aus Torgau. Es geht um Details, um Trockenbauwände, um Angebote. Klepel managt, Klepel dirigiert und liefert damit auch gleich die Vorlage für die nächste Frage.)

Was steckt hinter den Erweiterungsplänen für den Hort?
Unsere Einrichtung hat aktuell nur eine befristete Erlaubnis für 145 Kinder. Konzipiert war sie einst für 100. In den kommenden Jahren steigt der Bedarf auf 155 Hortplätze. Deswegen müssen wir aktiv werden.

Anbau?
Umbau. Möglich ist, dass wir noch in diesem Jahr einen Teil der Bibliothek abtrennen werden. Aber was möglich ist soll uns ja das Planungsbüro erst vorschlagen.

Geht dem steigenden Platzbedarf im Hort möglicherweise in den fünf Kindertagesstätten der Gemeinde ein steigender Platzbedarf voraus?
Im Kita- und Krippenbereich haben wir in den zurückliegenden Jahren gut investiert. Das Thema ist auf absehbare Zeit erst einmal durch, was jedoch nicht heißen soll, dass wir die Einrichtungen nun stiefmütterlich behandeln. So wird beispielsweise der Spielplatz der Kita in Langenreichen-
bach in diesem Jahr erneuert. Zeit dafür wird’s. Immerhin dürfte der Spielplatz etwa ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel haben. Im vergangenen Jahr hatten wir die Sanierung der Außenanlagen in Mockrehna samt energetischer Sanierung des Hauses durchgeboxt. In der Kita Klitzschen ist in einer Hau-Ruck-Aktion innerhalb von nur wenigen Wochen der Sanitärbereich samt Dach erneuert worden.

Sind Sie auch bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt Strelln so optimistisch? Immerhin sollte diese schon im vergangenen Jahr erfolgen.
Ich hoffe, dass es in diesem März losgeht. Haushaltstechnisch sollte dies für die Gemeinde bis zu drei Jahre spürbar bleiben, denn wir sind für die Nebenanlagen wie Fußwege und Straßenlampen zuständig. Das Projekt soll in zwei Abschnitten realisiert werden. Abschnitt eins geht aus Richtung Audenhain kommend vom Ortseingang bis zur Gaststätte, woran sich dann der zweite Abschnitt anschließt. Das Ganze soll am 6. Februar im Gemeinderat vorgestellt werden, nachdem zuvor die Führung der Fußwege sowie die Abflüsse fürs Regenwasser Probleme bereiteten.

Für 2017/18 hatte beziehungsweise hat die Gemeinde einen Doppelhaushalt. Aus Ihrer Sicht eine gute Entscheidung?
Diese Maßnahme hat sich bewährt. Die Gemeinde ist trotz Großprojekte wie die Gutshofgestaltung im Ortsteil Mockrehna mit 264 000 Euro, die Sanierung der Dächer und des Sanitärbereiches der Kita Klitzschen mit 130 000 Euro, die Erneuerung der Außenspielgeräte und energetische Sanierung der Fassade der Kita Mockrehna in Höhe von 230 000 Euro und  die Instandsetzung unserer kommunalen Straßen in Höhe von 170 000 Euro finanziell gut  durch das vergangene Jahr gekommen. Ich gehe davon aus, dass dies auch 2018 so sein wird. Ein Grund, der mich derart optimistisch dreinblicken lässt, ist der Stopp des Bevölkerungsschwunds. Vor elf Jahren lagen wir mal bei 5500 Einwohnern. Dann stürzten wir auf 5000 ab. Nun hat sich der Trend umgekehrt. Derzeit liegen wir bei 5050.

Worauf begründet sich dies?
Einerseits unsere gute Verkehrsanbindung, andererseits unsere Betriebe. Der Bevölkerungsanstieg ist auch bei der großen Wohnungsnachfrage und Nachfrage nach Eigenheimstandorten spürbar.

Womit wir wieder beim Problem Grundzentrum und die damit einhergehenden einfacheren Genehmigungsverfahren wären...
Nicht nur das. Gerade junge Familien fragen bei uns in der Gemeinde fast täglich nach. In unsere Ortsteilen ist Bauland rar. Nach der Wende waren viele unserer jungen Leute gezwungen, in die alten Bundesländer zu ziehen, weil hier keine Arbeitsplätze zur Verfügung standen. Nun endlich hat man erkannt, dass der ländliche Raum wieder belebt und ein Anreiz für den Zuzug junger Familien geschaffen werden muss. Dazu gehört auch, dass man nun die Voraussetzungen für eine mögliche Baugenehmigung auch für länger leerstehende Grundstücke am Ortsrand entsprechend den Ermessensspielräumen positiv bewertet. Auch diese politischen Entscheidungen tragen wesentlich zur Erhöhung der  Attraktivität bei und helfen Zuzugswilligen in unseren Ortsteilen.

 

Diese Hoffnungen und Wünsche verbinden Gemeinderäte mit dem neuen Jahr:

Robert Schübel

Robert Schübel (Wildenhain):
Ich hätte sechs Wünsche für 2018. 1. Die Gemeindeverwaltung sollte sich mehr mit „Städtebau und Dorfentwicklung“ beschäftigen, da bisher in der Gemeinde nur der bauen kann, welcher die Planungsleistungen und die Erschließung bezahlt. Der Bauwunsch mancher bezieht sich vielfach auf „problematische“ Stellen und der Bürgermeister wundert sich dann, wenn übergeordnete Stellen den Zeigefinger heben.

2. Es müssen endlich Visionen entwickelt werden, wie die Gemeinde in allen Bereichen für die Zukunft aufgestellt werden muss. Eigenwerbung wäre auch angebracht. Die Entwicklung der Gemeinde darf nicht nur von Fördermitteln abhängig gemacht werden.

3. Ziel der Gemeinde muss der Status Grundzentrum sein, damit die Entwicklung nicht irgendwann stagniert. Nur starke Grundzentren strahlen auf die Umlandorte ab.

4. Für meinen Ort bin ich froh, dass endlich der Standort der Bushaltestelle ertüchtigt wird und sich danach Kanalarbeiten und die erforderliche Deckensanierung der gesamten Straße anschließt. Ich hoffe, dass auch in diesem Jahr endlich die maroden und defekten  Dachflächen auf dem Gutshof zukunftssicher saniert werden und der Jugendclub eine neue Nebeneingangstür bekommt.

5. Wie jeder sieht, hat der Lkw-Umleitungsverkehr der B 87 gravierende Straßenschäden hinterlassen, da der Straßenaufbau diesem Verkehr nicht gewachsen war. Bisher hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr auf meine Briefe immer abschlägig reagiert, sodass von mir nochmals die Forderung der Straßensanierung aufgemacht wurde. Gerade auch in der Hinsicht, dass der Zweckverband die Kanalsanierung plant und man hier Steuermittel sparen kann, wenn man die Arbeiten koordiniert.

Detlef Bölke

Detlef Bölke (Langenreichenbach):
Für das nun kommende Haushaltsjahr gibt es für unsere Gemeinde keine so großen Herausforderungen wie in den Jahren des Schulneubaues oder – wie im vergangenen Jahr – die Neugestaltung des Gutshofvorplatzes. Das oberste Ziel sollte es deshalb sein, alles daran zu setzen, dass bei der kommenden Regionalplanung der Gemeinde der Status eines Grundzentrums gewährt wird. Darüber hinaus sind auch in diesem Jahr weitere Investitionen bei unseren Feuerwehren notwendig, um deren Einsatzbereitschaft gewährleisten zu können.

Bauliche Investitionen sind für die Sanierung des Verwaltungsgebäudes, den Neubau des Gehweges entlang der B 87 und die normale Straßeninstandsetzung geplant, um zumindest die 90-prozentige Förderung auszuschöpfen. In Langenreichenbach stehen für uns in Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde die Sanierung des Pfarrhauses und die weitere Sanierung unseres Gutshauses ganz oben auf der Prioritätenliste.

Dietmar Kloß

Dietmar Kloß (Schöna):
Den absoluten Vorrang für mich hat in diesem Jahr das Bestreben, die Gemeinde Mockrehna zum Grundzentrum zu machen. Die Vorteile, die sich daraus ergeben, sind nicht nur für die Ortschaft Mockrehna sondern für alle Ortsteile von Vorteil. Dabei geht es mir vordergründig nicht um größere Einkaufsmärkte, sondern um den zugesagten Abbau von bürokratischen Hürden beim Baurecht.

Dort sind wir ja in Schöna gebrannte Kinder. Mit welchen Hürden die Bauwilligen hier zu kämpfen haben, ist schon bemerkenswert. Bei uns trifft es besonders Zuzüge aus Leipzig. Normalerweise sollten wir diesen Bürgern einen roten Teppich ausrollen und alles daransetzen, dass sie so schnell wie möglich ihre Baumaßnahmen beginnen und beenden können. Natürlich trifft das auch für die jungen Leute aus unserem Ort zu. Da kenne ich natürlich keine Unterschiede.
In den letzten Jahren ist in Schöna einiges geworden. Ich erinnere hierbei an die vielen Eigeninitiativen rund um den Vereinssaal, das Bikerzentrum, die Kirche und natürlich unseren neuen Spielplatz. Kleine Wünsche bleiben dann natürlich immer noch offen. So würden wir uns sicherlich freuen, wenn die überdachte Fläche im Vereinszentrum eine Sanierung bekäme.

Erfreulich ist für mich ganz besonders die volle Auslastung der Kindertagesstätte. Und es kommen immer noch mehr kleine Erdenbürger in Schöna an.
Einen besonderen Wunsch hätte ich an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Die durch unseren Ort gehenden Staatsstraße S 20 hat vom Ortseingang bis zur Kreuzung Bäckerstraße/Straße nach Wildschütz total kaputte Schnittgerinne. Wenn man da in Leipzig mal etwas „Kleingeld“ erübrigen könnte und die alten Betonsteine gegen Natursteinpflaster austauscht, würden wir Schönaer uns riesig freuen.

 

Weitere Investitionen der Gemeinde Mockrehna in 2018:

  • über das Förderprogramm Brücken in die Zukunft soll jener Teil des Verwaltungsgebäudes mit Werkstatt und Garagen umgebaut werden (Gesamtkosten: 240000 Euro; Fördermittel: 180000 Euro)
  • kleinere Straßenbauprojekte
  • barrierefreier Umbau der Wartehalle in Wildenhain
  • in Aussicht: durchgehender Radwegebau aus Richtung Audenhain kommend entlang der B 87 in Höhe der Gräfendorfer Geflügel- und Tiefkühlfeinkost Produktions GmbH

>>> Hier gehts zu den anderen Bürgermeister-Interviews <<<


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