Dienstag, 19. Juni 2018

 
Samstag, 10. Februar 2018

TORGAU

"Dreiheide wächst immer mehr zusammen"

Bürgermeister Wolfgang Sarembe übt seinen Job ehrenamtlich und mit Herzblut aus. Wichtige Aufgabe derzeit ist die Fertigstellung des Haushaltsplanes. Foto: TZ/G. Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Bürgermeister Wolfgang Sarembe spricht im großen TZ-Jahresinterview über Erreichtes und Geplantes in Süptitz, Großwig und Weidenhain

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Dreiheide. Wäre es Anfang 2014 nach dem Willen von Wolfgang Sarembe gegangen, hätte er sich fortan nie wieder mit all den Problemen beschäftigen müssen, die einem Bürgermeister ein unruhiges Leben bescheren. Aber Sarembe fügte sich nach der Kommunalwahl dem Wunsch der Wähler: Die Großwiger, Süptitzer und Weidenhainer wollten mit großer Mehrheit ihr bisheriges Gemeindeoberhaupt behalten. Dieses Votum hat ihn so tief berührt, dass der damals 69-Jährige entgegen der vorherigen familiären Absprache „Ja“  sagte zu weiteren sieben Bürgermeisterjahren. Ehefrau Freya hat das nicht wirklich überrascht. Sie holte tief Luft und stärkt ihm wie eh und je den Rücken, ebenso wie die übrige Familie. Die vier Enkelkinder, waren beim großen TZ-Jahresinterview sogar mit dabei – auf einem Foto, das seinen Schreibtisch schmückt.

TZ: Herr Sarembe, haben Sie Ihre Entscheidung von 2014, noch einmal als Bürgermeister anzutreten, bereut?
W. Sarembe:
Nein. Es macht mir immer noch viel Freude, gemeinsam mit dem Gemeinderat Entscheidungen im Sinne unserer Bürger zu treffen. Es ist sicher nicht immer leicht und die Aufgaben werden nicht weniger, aber so lange ich die Kraft dazu habe, bin ich gern auf diesem Platz, denn Dreiheide wächst immer mehr zusammen.

Eines der ersten Jahresaufgaben ist die Erstellung des Haushaltsplanes. Wie ist der Stand in Dreiheide?
Aufgrund einer Systemumstellung bei der Stadtverwaltung Torgau sind wir bisher noch nicht in der Lage, einen fertigen Entwurf des Haushaltsplanes 2018 vorzulegen. In den Beratungen mit den stellvertretenden Bürgermeistern, den Ortsvorstehern und der Kämmerin haben wir über notwendige Investitionen für das Haushaltsjahr 2018 gesprochen und auch den einen oder anderen Wunsch mit aufgenommen. Die derzeitige Haushaltslage lässt nur einen engen Rahmen zu, da im vergangenen Jahr weniger Steuereinnahmen als geplant zu verzeichnen waren.

Die Gemeindekasse wird durch die Umlage-Zahlungen geschröpft ...
Ja, die Belastungen durch die Kreisumlage und die Zahlung an die Verwaltungsgemeinschaft sind nicht ohne. Aber seit Abschluss der Gemeinschaftsvereinbarung ist zumindest die letztgenannte Summe verträglich. Wenngleich es für uns immer noch recht viel ist. Hierbei möchte ich das gute Miteinander mit der Stadt Torgau nicht unerwähnt lassen.

Dreiheide ist seit Jahren ein beliebter Ort für Häuslebauer ...
Darüber sind wir sehr froh, auch wenn uns das vor große Probleme stellt, denn es gibt kaum noch Platz. Lückenbebauung geht nicht mehr. Da ist in den Ortsteilen fast alles dicht.  Weil kein aktuell bestätigter Flächennutzungsplan existiert, ist es zudem schwer, ein neues Wohngebiet auszuweisen. Aber wir haben Ideen ...

Für den Süptitzer Weg?
Dort plant ein privater Investor vier bis fünf Eigenheime. Das werden wir freilich als Gemeinde unterstützen. Von unserer Seite aus sind wir an einem Standort in Weidenhein dran.

Wie ist der Stand der Dinge?
Naja. Wir haben konkrete Vorstellungen und konnten diese mit den dafür zuständigen Leuten diskutieren, zunächst ohne weiterzukommen. Aber der Landrat hat uns vor wenigen Tagen Dr. Rexrodt geschickt, den neuen Beigeordneten. Da haben wir gemeinsam mit dem Ortschaftsrat Weidenhain mal Tacheles geredet.

Klartext inwiefern?
Es kann doch nicht sein, dass von zentraler Stelle aus die Förderung des Ländlichen Raumes proklamiert wird, aber ein relativ einfach zu realisierendes Projekt, das jungen Familien Wohnraum verschafft, wird aufgrund einer angeblichen Zersiedelung blockiert.

Weshalb Zersiedlung?
Dieses Gebiet, die Kleine Maasen, befindet sich an der B 183, Richtung Bad Düben. Dort gibt es bereits Wohnbebauung, und wir wollen direkt gegenüber weitermachen. Die Fläche ist also vollkommen erschlossen. Fußweg, Straße, Beleuchtung, Wasser, Abwasser und Energie – alles ist da. Vom Erschließungsgrad her ist das eine Top-Lage, aber die Landesdirektion und auch das Landratsamt stellten sich bisher quer, reden von der Zersiedlung der Ortslage. Mal sehen, was sich nun nach dem Termin mit Dr. Rexrodt ergibt.

Dreiheide hatte auch eine Art Bauplatz-Börse initiiert, mit welchem Erfolg?
Das war ein Angebot der Gemeinde an die Bürger, freie Bauplätze an uns zu melden. Aber die Mitteilungen waren verhalten. Meist wurde privat verkauft, was ja auch rechtens ist. Wir wollten nur den Bauwilligen entgegenkommen. Es geht ja nicht nur um Zuzug. Wir wollen junge Menschen auch hier behalten. Es gibt einige, die im Heimatort selbst bauen wollen.

... und nicht können. Sind deshalb schon Paare weggezogen?
Tatsächlich ist das in einem Fall so passiert, und die Nachwirkungen tun weh ...

Im Hinblick auf den Erhalt der  Kitas und der Schule?
Genau. Das haben wir uns als Gemeinderat auf die Fahne geschrieben.
Deshalb soll 2018 auch kräftig im Sinne des Nachwuchses investiert werden ...
So ist es. Wir sind froh, dass wir im Vorjahr den Sportplatz nahe der Grundschule erwerben konnten. Das war ein langer Weg, denn es gab acht Miterben. 2018 soll nun das Werkraum-Gebäude saniert werden, wofür 125 000 Euro veranschlagt sind. Das wird mit 75 Prozent Fördermittel aus dem Programm „Brücken in die Zukunft“ bezuschusst. Eine feine Sache!
Dringend saniert werden müssen auch die Toilettenanlagen aus den 1970er Jahren. Und für den Brandschutz haben wir  Auflagen zu erfüllen. Im Vorjahr gab es eine Brandverhütungsschau mit dem Bauordnungsamt der Stadt. .

Kürzlich hat die TZ über ein Großwiger Kleinod berichtet, das wahrlich große Wellen geschlagen hat ...
Unser Paradiesbad! Der Badesteg wird uns allen fehlen, aber ohne seinen Abriss hätten wir aus sicherheitstechnischen Gründen dicht machen müssen. Jetzt ist es eine Badestelle, die jeder auf eigene Gefahr nutzen kann. Im Frühjahr wird noch ein Zaun errichtet, als Abgrenzung zum benachbarten Sportgelände.

Aber die Gemeinde kümmert sich weiter um das Bad?
Insofern, dass wir die Anlage pflegen und die Wasserqualität beproben lassen, so wie an der Badestelle in Weidenhain.

Was ist für die Kita in Süptitz geplant?
Der Ausbau des Dachgeschosses steht auf unserer Agenda ganz weit oben, abhängig von einer Fördermittelzusage. Das Haus ist derzeit mit etwa 50 Kindern belegt, die Obergrenze liegt bei 55. Aber wir sehen wachsenden Bedarf, wollen daher eine Erweiterung auf 70 Plätze erreichen.

Es gibt also genug zu tun bis 2022, vielleicht auch darüber hinaus? Deutschlands ältester Bürgermeister Josef Rüddel regiert mit 94 Jahren gesund und munter im Westerwald!
(Er lacht und winkt ab!) Alle Achtung, aber diesem Rekord möchte ich nicht nachjagen! Also bis zum Ende der Wahlperiode gebe ich mein Bestes, so Gott will.  Aber dann ist wirklich Schluss. Das können Sie ruhig schwarz auf weiß drucken!

 

Stimmen aus dem Stadtrat:

Sven Höll

Sven Höll (FWG), Gemeindewehrleiter aus Weidenhain:
Ich fühle mich sehr wohl als Mitstreiter im Gemeinderat, ebenso auch in meiner Feuerwehr-Funktion. Unsere drei Ortswehren wachsen immer besser zusammen. Das zeigt sich in vielfältigen Aktionen, was wiederum dem Ausbildungsstand zugute kommt und letztendlich auch der Kameradschaft untereinander. Anfangs war das etwas anders. Doch die gegenwärtige Entwicklung stimmt zuversichtlich.  Wichtig ist jetzt die Erstellung eines Brandschutzkonzeptes für die Gemeinde Dreiheide. Eine Gefahrenanalyse muss ebenfalls erarbeitet werden, um den Brandschutzbedarfsplan anzupassen. Dafür gibt es Fördermittel. Eines möchte ich außerdem sagen: Als Feuerwehr arbeiten wir eng und erfolgreich mit der Grundschule Weidenhain zusammen. Von dort kommt unser Nachwuchs. Auch deshalb muss alles dafür getan werden, die Einrichtung weiterzuentwickeln.

Hans-Jürgen Fink

Hans-Jürgen Fink (FDP), stellvertretender Bürgermeister aus Weidenhain: Die Entwicklung unserer Gemeinde nehme ich als sehr positiv wahr. In der Vergangenheit haben wir einiges für die Infrastruktur getan, die ist in einem guten bis vorbildlichen Zustand. Was jetzt ansteht, sind Investitionen in unsere Kindereinrichtungen, insbesondere in die Grundschule Weidenhain und die Kindergärten, vordergründig in die Süptitzer Einrichtung. Ich bin frohen Mutes, dass im Zuge der GroKo-Verhandlungen bundesweit einige Milliarden für Kindereinrichtungen und Schulen freigemacht werden. Das bringt gewiss auch für Süptitz eine hochprozentige Förderung.
Unser Haushaltsplan ist soweit abgesteckt, obwohl die anstehenden Rückzahlungen von Gewerbesteuern schmerzen. Wir können eben nur von dem leben, was da ist. Aber: Wir sind weiterhin eine eigenständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft mit Torgau, und das ist ausschlaggebend. Die Zusammenarbeit mit der OBM und den Ressortleitern gestaltet sich erfreulich gut. Das lässt sich jetzt auch für das Miteinander der drei Ortsfeuerwehren in Dreiheide sagen. Überhaupt macht es mir Spaß, im Gemeinderat mitzuarbeiten. Da merkt man, dass keiner nur sein eigenes Süppchen kochen will. Alle agieren pro Dreiheide und nie dagegen.

Willi Stier

Willi Stier (FWG) aus Großwig: Unsere Gemeinde steht gut da, aber ganz zufrieden sollte man nie sein. Dass es so gut läuft, haben wir vor allem auch unserem Wolfgang Sarembe zu verdanken. Als ehrenamtlicher Bürgermeister verdient er nur etwa ein Viertel so viel wie ein hauptamtlicher Kollege und macht genau so viel, vor allem sehr gewissenhaft. Er ist tagtäglich unterwegs. Das kommt uns Bürgern zugute. Wir können froh sein, dass wir ihn haben.
Auf den Deutschen Mühlentag, der am 21. Mai an unserer Bockwindmühle in Großwig stattfinden wird, freue ich mich besonders. Dieses Ereignis wird ein Aushängeschild für unsere Gemeinde. Daran beteiligen sich alle Vereine und Betriebe. Aber die Mühle müsste auch wieder mal gestrichen werden, damit sie für unsere Nachfahren erhalten bleibt. So ein historisches Bauwerk ist ein Wunderwerk! Und noch etwas: Ich bin sehr froh, dass unser Paradiesbad weiter genutzt werden kann. Dennoch verstehe ich nicht, dass wir von amtswegen den Steg abreißen mussten. Hoffentlich tauchen die Neider nicht noch einmal auf und finden was Neues, um unser Sommerparadis zu verbieten.


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