Dienstag, 23. Oktober 2018

 
Dienstag, 13. Februar 2018

TORGAU

Sozialpädagoge rastet aus

Von Peter Müller

Aus dem Gerichtssaal: Torgauer wird wegen Freiheitsberaubung und Bedrohung verurteilt

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Torgau. Wegen Freiheitsberaubung musste sich Ronald B. vor dem Amtsgericht Torgau verantworten. Dem Sozialpädagogen wurde zur Last gelegt, dass er am 22. August 2017 ab 20 Uhr seine damalige Freundin Anna A. (Namen von der Redaktion geändert) aus Torgau nach einem Streit in deren Wohnung zunächst bedroht und dann eingesperrt hatte.

Der Torgauer räumte ein, dass es am genannten Tag wieder einmal zu Streitigkeiten gekommen kam, was in den Wochen zuvor öfter passiert sei. „Meine Lebenspartnerin war drei Tage weg und ich wusste nicht mal, wo sie war. Wir hatten allerdings schon längere Zeit Beziehungsprobleme“, sagte der 42-jährige Ronald B. „Allerdings kann ich mich nicht erinnern, was an dem Abend genau passierte. Ich hatte Alkohol getrunken. Auslöser war, dass ich zuvor zur Kur war und mir dort einen Seitensprung geleistet hatte. Das hat mir meine damalige Freundin nicht verziehen.“ Deswegen wollte die 52-Jährige, dass ihr Lebenskamerad ausziehen sollte. Allerdings erklärte Ronald B., dass auch seine „Ex“ fremdgegangen sei.

Die Freundin konnte sich vor Gericht im Gegensatz zu ihrem ehemaligen Lebenskameraden noch genau erinnern. Sie sei gegen 19 Uhr von der Arbeit gekommen. „In der Wohnung roch es wie in einer Kneipe und ich bemerkte, dass er angetrunken war“, erinnerte sich Anna A. Sie wollte ihn zur Rede stellen und fragte, ob er sich um eine Wohnung für sich gekümmert hätte. Das habe ihn in Rage gebracht. „Erst warf er mein Handy gegen die Wand, danach griff er eine Schere und hielt sie über mich. Ich fühlte mich bedroht. Wir stritten lange. Dann schrieb er einen Vertrag mit dem Inhalt, dass er noch bis 1. September bei mir wohnen kann. Ich bin daraufhin in mein Schlafzimmer gerannt. Er hat mich dabei mit übelsten Worten beschimpft wie Schlampe und Nutte.“ Und er schrie laut Zeugenaussage der ehemaligen Freundin: „Wenn Du zur Polizei gehst, steche ich dich ab und deinen Sohn mit. Und wenn ich dich noch mal im Fitnessstudio sehe, reiße ich dir die Haare raus. Diese üblen Beschimpfungen dauerten noch bis Mitternacht“, erinnerte sich die Ex, die bei diesen Schilderungen sehr aufgeregt wirkte.

An diesem Abend des heftigen Streits habe er nach Beobachtung der Frau pausenlos Alkohol getrunken, sich gegen Mitternacht sein Bettzeug aus seinem Zimmer geholt, sich von innen vor die Wohnungstür gelegt und sie zugeschlossen. Bevor er sich schlafen legte, hat Ronald B. sich noch einen Strick um die Hand gebunden und ihn mit der Türklinke der Wohnungstür verbunden, so dass die Freundin keine Chance hatte, die Wohnung zu verlassen, um die Polizei zu rufen, denn ihr Handy hatte er ja an die Wand geworfen.  
Am frühen Morgen ging er in sein Schlafzimmer, so dass Anna A. die Wohnung verlassen konnte, um Anzeige bei der Polizei zu erstatten.
Vor Gericht ergänzte sie: „Er war sich trotz des hohen Alkoholgenusses bewusst, was er mir antat“.

Das reichte für die Beweisaufnahme. Der Vorsitzende Richter verlas den Auszug aus dem Bundeszentralregister. Darin ist der Sozialpädagoge bereits mit acht Vorstrafen vertreten. Unter anderem wegen Körperverletzung und versuchter Nötigung, mehrfach wegen  rkundenfälschung und wegen fahrlässiger Trunkenheit am Steuer in Tateinheit mit Sachbeschädigung, was ihm neben der Geldstrafe eine Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis bis 2018 einbrachte. Zudem hatte er auch willkürlich Reifen von parkenden Pkws zerstochen. Meist kassierte Ronald B. für seine Straftaten Geldstrafen, einmal wurde er zu einer Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt.

Der Angeklagte gab auf Anfrage des Richters zu, dass er zum Zeitpunkt der Bedrohung seiner Freundin Alkoholprobleme hatte. „Jetzt trinke ich eigentlichen keinen Alkohol mehr, höchsten mal bei Feiern“, erklärte der ambitionierte Freizeitsportler. Durch den Sport sei es ihm gelungen, ohne Entziehungstherapie auf Alkohol zu verzichten und sich im Alltag zu stabilisieren.
Sein Gehalt gab der Angeklagte mit 1600 Euro netto an. Davon muss er 364 Euro Alimente für seinen zwölfjährigen Sohn zahlen.

In seinem Letzten Wort vor der Urteilsverkündung erklärte Ronald B., dass er sein Verhalten leider nicht rückgängig machen könne. Auch den Seitensprung nicht. „Ich muss damit leben.“
Der Vorsitzende Richter sprach den Angeklagten schuldig der Freiheitsberaubung in Tateinheit mit Bedrohung. Er verurteilte Ronald B. zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss er als Auflage 1500 Euro an die Opferhilfe Sachsen e.V. zahlen. „Streit kann es in einer Beziehung immer geben. Aber was sie sich dabei geleistet haben, ist nicht zu dulden. Wenn sie auf Wunsch der Frau ausziehen sollten, durften sie sich nicht so verhalten. Sie haben ihre ehemalige Freundin mit ihrem Verhalten erniedrigt. Dass sie unter Alkohol standen, beeinträchtigt ihre Schuld nicht. Sie wussten noch, was sie taten. Immerhin konnten sie noch einen Vertrag aufsetzen und im Beisein ihrer Lebenskameradin ein neues Handy bestellen. Sie hätten sich für ihr Verhalten bei der Frau entschuldigen können, auch heute noch bei der Verhandlung. Aber sie taten es nicht“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Der Angeklagte hat auch die Kosten des Strafverfahrens zu zahlen.


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