Samstag, 15. Dezember 2018

 
Donnerstag, 1. März 2018

DOMMITZSCH

Wahltalk in Trossin stieß auf großes Interesse

Bis auf den letzten Platz gefüllt war am Dienstagabend der Saal der ehemaligen Gaststätte Trossin beim Wahltalk, organisiert vom Faschingsclub und von der TZ. Im Vordergrund die Bürgermeister-Kandidaten (von links) Herbert Schröder (CDU), Heidrun Schröter (DIE LINKE) und Amtsinhaber Bringfried Otto (parteilos). In der zweiten Reihe TZ-Chefredakteur Sebastian Stöber, die die Moderation führte. Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Trossin. Einen klaren Gewinner gab es am Dienstagabend beim Wahltalk in der Trossiner „Narrenklause“ nicht. Weder Bringfried Otto (parteilos), noch Herbert Schröder (CDU) oder Heidrun Schröter (DIE LINKE) nutzten die Gelegenheit, die rund 100 Besucher von ihren Qualitäten zu überzeugen.

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Viele Fragen wurden von den Kandidaten – das spürte man im Publikum – nur unzureichend beantwortet. Es gab ausschweifende Erklärungen, zu oft ging der Blick zurück in die Vergangenheit, ohne dabei Lösungsansätze und konkrete Vorhaben zu präsentieren. Da half auch konsequentes Nachbohren von TZ-Chefredakteur Sebastian Stöber wenig. Die Torgauer Zeitung und der Faschingsclub Trossin hatten die Veranstaltung gemeinsam organisiert und damit den Nerv der Einwohner getroffen.

Das Interesse war enorm groß. Es mussten zu Beginn sogar noch Stühle nachgeordert werden, damit alle Besucher Platz fanden. Auch an Wortmeldungen zu den unterschiedlichsten Themen – von Internet, Feuerwehr, bis hin zu Bürgernähe und Ordnung/Sauberkeit in den Ortsteilen – mangelte es nicht. Im Vergleich zu früheren Sitzungen in der Vergangenheit ging es bemerkenswert diszipliniert zu. Es gab keine Zwischenrufe, keine Unmutsbekundungen und im Podium selbst pflegten die Kandidaten einen fairen und sachlichen Dialog. Dass die meisten Besucher nach 90 Minuten Wahltalk etwas unentschlossen nach Hause schritten, mag vielleicht das Gefühl des TZ-Redakteurs sein.

Keiner der drei Kandidaten hatte erkennbare Sympathie-Gesten aus dem Saal erhalten. Nur ein einziges Mal brandete Beifall auf, als Heidrun Schröter die Wiedereinführung einer monatlichen öffentlichen Ratssitzung vorschlug. Ansonsten verließen die Trossiner, Roitzscher und Dahlenberger mit „Zocker-Gesicht“ die Narrenklause. Wenig vorstellbar, dass einer der drei Anwärter gleich im ersten Anlauf am Sonntag die deutliche Mehrheit erringt. Vielmehr deutet alles auf einen zweiten Wahlgang (dann am 25. März) hin. Allerdings sind Überraschungen immer vorstellbar. Nachfolgend eine Einschätzung der drei Kandidaten aus persönlicher Sicht des TZ-Redakteurs.

Herbert Schröder:

Er verpasste es, als langjähriges Ratsmitglied und Alteingesessener seinen Heimvorteil auszuspielen. Rhetorik ist nicht seine Stärke. Es fällt ihm schwer, sich in der Sprache eines Kommunalpolitikers auszudrücken. Wenn Herbert Schröder argumentiert, klingt das immer ein wenig poltrig. In Hau-drauf-Manier. Die einen vermissen dabei vielleicht Kompetenz, andere erkennen womöglich genau da die Ehrlichkeit und Durchsetzungskraft des Dahlenbergers, der einer von ihnen ist. Der gelernte Schmiedemeister – erst kürzlich in Ruhestand getreten – wird bestimmt mehr Zeit für das Ehrenamt aufbringen als der jetzige Amtsinhaber aus Wörblitz, glauben seine Befürworter. Auch Bürgernähe ist ihm zuzutrauen. Einen Kumpel-Typen wie Herbert Schröder spricht man schon mal auf der Straße an. Von dem eingefleischten Feuerwehrmann ist zu erwarten, dass er sich mit voller Kraft für das Löschwesen in der Gemeinde einsetzt, für die Anschaffung von Technik und Ausrüstung sowie für die Nachwuchsgewinnung. Das hat er am Dienstag deutlich gemacht.

Aber es gibt auch reichlich andere Probleme in der Gemeinde. Nicht nur Feuerwehr. Durch Planungen beim Abwasser und zig Gutachten sei der Kommune in der Vergangenheit jede Menge Geld verloren gegangen. „Das darf nicht wieder passieren“, betonte der CDU-Kandidat. Wenig später vertrat er aber den Standpunkt, dass man sich im Trossiner Verantwortungsbereich künftig noch stärker und regelmäßiger den Rat von Fachleuten einholen müsse, damit solche Versäumnisse und baulichen Mängel wie in der Kita nicht wieder auftreten. Die Diskussion von Problemen gehört nach Schröders Meinung in die Ausschüsse, also hinter verschlossene Türen.

Allerdings sollen die Einwohner bei Ratssitzungen noch mehr die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen, wenn Beschlüsse anstehen. Schröder will den Wegebau vorantreiben. „Alle vier Ortswehren müssen bleiben“, resümierte er. Nicht zuletzt beleben diese das kulturelle Leben in den Dörfern. Die Schaffung einer Einheitswehr könne schon deswegen nicht klappen, weil die Kameraden wenig Verständnis haben, für Schulungen und Dienste stets über Land zu fahren. Was die Gemeinschaftsvereinbarung mit Dommitzsch betrifft, wisse er davon nichts. Dem Bürgermeister Otto hielt Herbert Schröder vor, zu wenig ans Telefon gegangen zu sein und kaum Sprechstunden für die Bürger abgehalten zu haben.

Bringfried Otto:

Den Optimismus, den er noch vor sieben Jahren bei seinem Amtsantritt versprühte, ließ der Wörblitzer stark vermissen. Der Parteilose verwies auf lange Genehmigungswege beim Straßenbau, auf fehlende Eigenmittel, komplizierte Antragstellungen, Kampf mit Ämtern und Bürokratie. Kurzum: warum viele Sachen nicht gehen. So erbat er sich auch beim Thema Internet noch reichlich Geduld. „Der Landkreis schreibt aus, will vergeben, muss nacharbeiten... eine Tippel-Tappel-Tour.“ Bis 2020 müsse man rechnen.  Immerhin trage Nordsachsen die wichtige Investition dann zu 100 Prozent, so Otto.

Der Wörblitzer steht in der Kritik, zu wenig Bürgernähe zu zeigen, schlecht erreichbar zu sein, zu wenig Ratssitzungen durchzuführen und diese auch nicht anzukündigen. Der Amtsinhaber führte diesbezüglich die vier Schaukästen ins Feld. Die Sprechstunden, die er anfangs durchgeführt habe, seien nicht angenommen wurden. „Dass ich als Bürgermeister telefonisch nicht zu erreichen bin, können viele widerlegen. Ich rufe stets zurück.“ Er habe als Gemeinde-Chef zudem viele Außentermine und stehe als Ehrenamtler noch in der Pflicht, einem Job nachzugehen, um seine Familie zu ernähren“, lautete sein Statement.

Ein weiterer Vorwurf war, dass er mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung defacto schon die Eingemeindung nach Dommitzsch besiegele. Die Zentralisierung des Bauhofes wurde hier als Beispiel genannt. Otto geriet bei der Frage, ob er das Papier am Montag unterzeichne, ins Straucheln, wollte partout nicht mit „ja“ oder „nein“ antworten. Er bekräftigte dann jedoch, ein Verfechter der Eigenständigkeit zu sein. Kurze Wege sind wichtig. Die Verwaltungsgemeinschaft sei da nicht der Glücksfall. „Allerdings brauchen wir Dommitzsch, das Grundzentrum, die Schule, die Apotheke, das Ärztehaus“, so der Bürgermeister.

Letztlich würde auch Trossin von Fördermitteln in der Region profitieren. Ein Austausch von Technik, die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, die Kooperation der Feuerwehren bringe für alle Vorteile, sagte Otto. Er sprach sich weiterhin für die Flurneuordnung aus, um den Wegebau in Angriff zu nehmen und hält einen Bürgerbus, ähnlich wie in Arzberg, für sinnvoll. Die Schaffung einer Einheits-Feuerwehr lasse sich aus seiner Sicht nicht erzwingen. Auf manche kritische Frage (500 000 Euro-Umlage an den AZV, Auftragsvergaben an einheimische Firmen) ging Otto nicht näher ein.

Heidrun Schröter:

Sie gab hinterher zu, nicht den besten Tag erwischt zu haben. „Es fehlte mir an Ideen“, räumte die Roitzscherin selbstkritisch ein. Zudem versäumte sie es, offensiver zu sein und Äußerungen ihrer Mitbewerber schlagkräftig zu hinterfragen. Der Vorwurf, sie habe als Ratsmitglied keinen Sitzungskalender, ging nach hinten los, weil andere Abgeordnete dies offen anzweifelten.

Heidrun Schröter versprach, Vereine und Betriebe als Bürgermeisterin regelmäßig zu besuchen und auf diese Weise Wirtschaftsförderung zu betreiben. Einheimische Firmen würde sie bei beschränkten Ausschreibungen versuchen zu bevorzugen. Transparenz und regelmäßige öffentliche Ratssitzungen sind ihr wichtig. Vieles sei in den letzten Jahren nicht rund gelaufen. Der Einbau der Heizung in der Kita fehlt, eine neue Straße zwischen Falkenberg/Dahlenberg ebenso, es gibt Dispute zwischen Feuerwehr und Bürgermeister und der Konsum in Roitzsch soll geschlossen werden, zählte sie kritisch auf. Mit der Kooperationsvereinbarung sei die Eingemeindung schon vollzogen. „Dass unsere Technik nach Dommitzsch kommt, ist mit mir nicht machbar“, sprach sie Klartext.

Bei anderen Aufgaben sieht Heidrun Schröter hingegen schon die Verwaltungsgemeinschaft mit der Gänsebrunnenstadt in der Pflicht, beispielsweise wenn es um die Durchsetzung von Ordnung und Sauberkeit in den Dörfern geht oder die Erstellung von Planungen für Radwege. Gemeinsame Übungen und Schulungen könnten das Zusammenspiel der Feuerwehren verbessern und durch eine Dankeschön-Veranstaltung will sie den Einsatz der Kameraden beim letzten Orkan würdigen. Bei der Frage „Woher soll mehr Geld für die Gemeinde kommen“ schlug die Linke-Kandidation vor, Fördermöglichkeiten intensiv zu prüfen, Spenden zu werben und gegebenenfalls Eigenleistungen zum Beispiel beim Bau von Spielplätzen in Erwägung zu ziehen.

Sie musste sich von Bürgermeister Bringfried Otto den Vorwurf gefallen lassen, die Mitarbeit in einem Ausschuss der Gemeinde seinerzeit abgelehnt zu haben. „Mir wurde da lediglich angeboten, beim Trink- und Abwasserzweckverband Torgau-Westelbien mitzuwirken. Doch da spielt Trossin nur eine untergeordnete Rolle, so dass ich in dieser Funktion keinen Sinn gesehen habe“, konterte Heidrun Schröter. Ein Pluspunkt für die ehemalige Leipzigerin dürfte sein, dass sie als Rentnerin viel Zeit für das Ehrenamt zur Verfügung hat.


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