Samstag, 15. Dezember 2018

 
Mittwoch, 7. März 2018

DOMMITZSCH

Den Traum vom Bio-Bauern leben

Die Tiere fühlen sich auch im Winter auf der Weide wohl, und die ersten Kälbchen sind auch schon geboren.Foto: TZ/Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Greudnitz. Bio-Bauer Dirk Barthel, 53 Jahre alt, Vater von zwei erwachsenen Kindern, Herr über 80 Rinder und 150 Hektar Land in den Elb-
auen, auf einem Hof, den er autark bewirtschaftet, hat unlängst Schlagzeilen gemacht.

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Weit über Greudnitz, Dommitzsch und Sachsen hinaus, ja sogar bundesweit. Auf der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel in Nürnberg wurde der Landwirt für sein Engagement mit dem „regional & fair-Preis“ des ökologischen Anbauverbandes Biokreis geehrt, als einer von nur zwei Ausgezeichneten: „Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht! Gerade ich aus der tiefsten Provinz sollte nach vorn kommen“, vollzieht er seine Gefühle nach. Nach Hause zurückgekommen, bekam er per Post Glückwünsche von Marian Wendt, Bundestagsabgeordneter der CDU. Freunde und Kunden gratulierten, vor allem auch die Grünen.

Einige seiner Berufskollegen bestehen darauf, in der Presse offiziell als „Landwirt“ bezeichnet zu werden. Und Barthel? Auf die Frage, wie er es gern hätte, philosophiert er: „Landwirt kann man werden, aber Bauer ist man. Hier ganz tief drin.“ So sagt er, klopft sich auf die linke Brustseite und fügt hinzu: „Ich bin Bio-Bauer, und zwar mit Leib und Seele!“

Wer mit ihm über den Hof läuft, muss gut zu Fuß sein. Seine Rinder sind es auch. Sie haben weiträumig Auslauf, das gesamte Jahr über. Barthels Betrieb hatte Biokreis-Geschäftsführer Sepp Brunnbauer bei der Auszeichnungsfeier in Nürnberg wie folgt beschrieben: „Die Tiere leben in Mutterkuhhaltung gemeinsam mit den Jungtieren und sind ganzjährig auf der Weide. Die Milch der Kühe nährt die Kälber. Als Ergänzung zum Gras erhalten die Tiere Heu, Getreide und Silage aus eigenem Anbau.“ Statt mit Pestiziden werde das Getreide durch mechanische Pflegemaßnahmen und eine Fruchtfolge unkrautarm gehalten. „Außerdem stehen Roggen, Hafer und Weizen als Speisegetreide sowie Phacelia, Wicke und Blaue Lupine für die Saatgutproduktion auf den Feldern.“

Diese artenreiche Kost ist ein Paradies für Bienen. Immerhin möchte Barthel auch ihren Honig nutzen – beim Wurstmachen. Kein Scherz. Fakt ist: Barthels Rindvieh hat zwar ein tierisch gutes Leben. Doch der letzte Weg führt nun mal zur Schlachtbank. Die ist nur zehn Kilometer weit entfernt in der Waldfleischerei Galla in Elsnig. Gemeinsam mit Michael Galla hat Barthel die Bio-Schlachtung und –Verarbeitung aufgebaut, Rezepte entwickelt, um gänzlich auf Nitritpökelsalz und jegliche Geschmacksverstärker verzichten zu können. Hier kommt auch der Honig ins Spiel – oder besser gesagt in die Wurst: Die Bienensüße, kombiniert mit Bio-Gewürzen, sorgt für ein besonderes Aroma, das immer mehr Kunden zu schätzen wissen.

Dennoch: In Nordsachsen gibt es nur sehr wenige Kunden: „Zehn Jahre lang habe ich versucht, die Fleisch- und Wurstprodukte bei Händlern in Torgau und Umgebung listen zu lassen, aber umsonst. Ich bekomme nicht den Fuß in die Tür – mit einer einzigen Ausnahme.“ Die sei dort, wo man aus guten Gründen Wert auf gesunde Ernährung legt: im Kentmann-Krankenhaus. Die Klinik-Küche erweist sich als dankbarer regelmäßiger Abnehmer von Bio-Rindergulasch und Bio-Rinderknochen. Ansonsten tourt der Mann mit seinem Lieferwagen nach Leipzig, Halle, Wittenberg, Dessau, Eilenburg und Wurzen: „Dort ist Bio-Qualität zunehmend gefragt.“

Um besser auf individuelle Nachfragen von Rind- und Kalbfleischprodukten reagieren zu können, hält Dirk Barthel mehrere Rassen in seiner Herde: Blonde d‘ Aqitaine, Angus, Fleckvieh und Aubrac.

„Die Fleischqualität ist bei allen hochwertig, aber eben jedes Mal anders: mager oder durchmarmoriert. Der jeweilige Reifegrad spielt eine große Rolle. Das wissen noble Restaurant-Küchen ebenso zu schätzen wie private Kunden, insbesondere auch junge Leute: „Im Sommer liefern wir für ein Grillfest an der Leipziger Universität Bio-Rindsbratwürst und Bio-Steaks, und jährlich grillen wir in Leipzig auf der Ökofete für 10 000 bis 12 000 Gäste!“ verrät Barthel.

Damit tatsächlich alle Zutaten „Bio“ bleiben, wird jetzt sogar auf anderes Salz umgestellt: „Meersalz wird durch Steinsalz ersetzt. In den Weltmeeren, ja sogar an den Eisbergen tauchen verstärkt Plaste-Rückstände auf. Das kann nicht gut sein. Deshalb beziehen wir Steinsalz aus der Region Weißenfels. So werden unsere Produkte noch regionaler.“ Gut zu wissen: Für die Mitglieder des bundesweiten Biokreis-Vereins bedeutet „regional“ eine Entfernung von höchstens 200 Kilometer vom jeweiligen Erzeugerort.

„Nur in einem solchen Umkreis wird eingekauft und auch beliefert“, erläutert Dirk Barthel die strengen Regeln. Auf seiner Agenda hat er einige Ideen, die er für neue Projekte nutzen möchte: „Das Gemeinschaftsessen in Kantinen, Schulen und Kindergärten sollte mehr biologisch-hochwertige Produkte beinhalten. In Leipzig ist da einiges im Gange“, verheißt er.

Für Diskussionen, dass „Bio“ zu teuer sei, hat der Greudnitzer kein Verständnis: „Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen. Für schicke Autos, topmoderne Handys und teure Klamotten wird viel Geld ausgegeben, aber beim Essen wird auf den Cent geschaut und oftmals billig Produziertes eingekauft.“ Seine kompromisslose Einstellung in Sachen Bio ließ ihn den Weg jener Türen, die sich allein öffnen, wählen, gibt er zu verstehen: „Verschlossene Türen zu öffnen kostet Kraft und ist oftmals vergebens.“ So hat er mit der Erzeugung und dem Verkauf von Getreide für Lebensmittel, Futter und Saatgut – alles rein Bio – den Betrieb auf mehrere Standbeine gestellt: „So wirtschafte ich mittlerweile mit gesunden und auskömmlichen Zahlen.“

Bis dahin war es ein langer Weg: Auf dem elterlichen Hof in Großwig aufgewachsen, hat er das Bauernblut beizeiten pulsieren gespürt. Dennoch absolvierte er zunächst eine Berufsausbildung zum Elektriker und arbeitete dann bei der LPG in Wörblitz. Nach der Wende wechselte er zur Telekom, hat „Eilenburg großflächig mit verkabelt“, wie er berichtet. Ein jobbegleitendes Fernstudium im Tiefbau schloss sich an, brachte ihm aber nicht die erhoffte Anstellung.

Was tun? Er tat das, was er eigentlich schon lange hätte tun wollen und ließ sich in Mockrehna zum Landwirt ausbilden. „Mit fünf Hektar Land, drei Kühen und einigen altersschwachen Maschinen – Trecker, Sämaschine und Pflug – habe ich begonnen, im Jahr 2001 den Betrieb gleich auf Bio umgestellt. Da hat jeder gelacht: Das wird doch nichts.“ Er hielt dagegen: „Mag sein, dass es nichts wird, aber der Versuch macht klug. Heute lacht jedenfalls niemand mehr“, frohlockt er.

Barthels Ehefrau arbeitet als Berufsschullehrerin in Eilenburg. „Sie ist der gute Geist in Haus und Hof, hält mir den Rücken frei, wann immer es geht“, schwärmt er von seinem Ehe-Glück. Einziger Hof-Angestellter ist Nachbar Axel Berndt. Mit ihm bewältigt er das vielstündige Tageswerk: „Auf ihn ist 100 Prozent Verlass.“ Rückblickend verweist er auch auf seine Eltern: „Sie hatten einst den Mut, ihren landwirtschaftlichen Nebenerwerb aufzubauen. Ohne ihr Vorbild hätte ich das gemacht.“

Die Frage stellt sich: Wird die nächste Barthel- Generation den Hof weiterführen? Der Vater schüttelt den Kopf: „Die Kinder sind aus dem Haus, haben andere Pläne. Vorerst. Man weiß ja nie, was später wird. Aber egal wie es kommt: Jeder sollte seinen Lebenstraum verwirklichen, und ich bin damit gut beschäftigt.“


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