Dienstag, 24. April 2018

 
Samstag, 10. März 2018

NORDSACHSEN

Viermal Heiden-Spaß

Nach seiner Testfahrt durch die Dahlener Heide zog TZ-Redakteur Christian Wendt ein positives Fazit, hatte unterwegs einen Heiden-Spaß. Foto: TZ/ Stöber

von unserem Redakteur Christian Wendt

In der Reihe „Wir testen die Besten“ war TZ-Redakteur Christian Wendt im Opel Grandland X 1.2 vom Autohaus Maluche unterwegs

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Torgau. Die Begleitumstände waren alles andere als einer Romanze förderlich: Ich, der bekennende Kleinwagenfan, skeptisch gegenüber allem, was mehr als vier Meter Länge auf den Asphalt zaubert. Und nun das. Die – zugegeben –  perlmuttfarbene Schönheit, die alles andere als Kleinwagenformat hat. Passend dazu die frostigen Temperaturen im mittleren zweistellen Minusbereich, die das Anfassen des ledernen Lenkrads zur Herausforderung werden lassen. Doch auch für Lokalredakteure gibt’s nicht immer eitel Sonnenschein. Getreu dem Motto meines alten Fußball-Coaches im Knaben-Bereich, der sich mit „näher ran! enger!“ immer die Kehle aus dem Leib schrie, mache ich mich also an die Arbeit.
Schnell noch den Kindersitz hinter der selbstschließenden  Heckklappe verstaut und schon glaube ich mich bestätigt zu fühlen. Die Kiste sieht zwar gut aus, doch außer große Klappe nix gewesen. Gut, dass ich nicht gleich zwei sperrige Sitze umpacken muss. Damit wäre der Kofferraum wohl überfordert. Schon gut. Augen zu und durch.

Augen wieder aufgemacht und sofort ein kleines Knöpfchen gefunden, mit dem sich das eiskalte Lenkrad auf wohligwarme Temperaturen bringen lässt. Ach, schau an! Der Wagen meint’s gut mit mir. Gebe ich ihm also auch eine Chance. Und genau deswegen suchte ich nicht noch nach weiteren Knöpfchen, selbst wenn die Front davon zum Glück gar nicht mal so viele vorweisen kann. Spielen kann ich noch am Abend mit meinen Töchtern an der Wii-Konsole. Jetzt geht’s ums Fahren.


„Haben Sie noch Fragen?“ Die Verkäuferin scheint genau zu ahnen, was ich will – oder besser gesagt nicht will. Ich will keine stundenlange Einweisung. Das Bedienen des knapp eineinhalb Tonnen  schweren Fahrzeugs muss innovativ erfolgen, denke ich bei mir. Danke. Wenn nur alle Verkäufer solch einen guten Blick hätten ...


Nach nicht mal einer Minute dann mein erster Aha-Effekt. Das Ding sieht zwar groß aus. Aber bewegen lässt es sich fast so einfach wie mein Colt. Das Turbo- Schildchen an der Heckklappe trägt allerdings nicht allzu stark auf, obgleich die Beschleunigung aus dem dritten Gang heraus eine Augenweide ist.
Mit zwei Aha-Effekten geht’s nun zum ersten Termin Richtung Dahlener Heide. Die Uhr zeigt deutlich vor 10. Was machen? Also noch ’ne Extra-Runde in Richtung Ochsensaal. Leicht hügeliges Gelände, eine ebenso „hügelige“ Straße. Der Opel liegt klasse auf der Fahrbahn. Die Abstimmung ist straff, aber nicht zu straff.  Fast hätte ich vor lauter Begeisterung darüber meinen Termin versemmelt. Man hätte es mir verzeihen müssen.

Zurück in der Redaktion wartet am Nachmittag dann auch noch ein Abstecher in die Dübener Heide. Die Kurven und reichlich Tempo-Wechsel auf der B 183 nimmt der Opel dank reichlicher Assistenzsysteme und des manuellen Sechsganggetriebes locker. Von meiner anfänglichen Skepsis ist schon längst nichts mehr zu spüren. Erst recht nicht, als das automatische Abblendlicht und der Fernlichtassistent ihre Dienste antreten. Einzig und allein das Navi weiß nicht, dass meine Heimtour nach Jessen wegen Eisgangs auf der Elbe nicht über eine der Elbfähren gehen kann. Permanent gibt es den Rechtsabbiegebefehl, den ich ebenso permanent missachte. Dumm nur, dass gerade auf MDR-Kultur ein guter Radiobeitrag läuft, der dadurch ständig unterbrochen wird. So fahre ich also der Lutherstadt Wittenberg entgegen und lerne die Vorzüge des richtig guten LED-Lichts kennen. Respekt Opel! Das kannte ich so noch nicht.

Das Multifunktionsdisplay in der Mittelkonsole zeigt neben dem Navigationssystem wahl- weise auch alle anderen Funktionen des Wagens.

Die Kilometer ticken nur so runter und plötzlich finde ich dann doch noch etwas, was mich stört. Es ist die verstellbare Armlehne, die – vorgezogen – meine Schulter ein wenig nach oben drückt und dadurch den super Sitzkomfort der Ledersessel in meinen Augen etwas schmälert. Zurückgeschoben reichte mein Ellenbogen ständig an die Kante der Armlehne. Doch wie gesagt, Meckern auf höchstem Niveau. Aus unserer Zweckgemeinschaft entwickelt sich zumindest an jenem Abend eine echte Affäre.

Fazit: Die Fahrt mit dem Opel Grandland X 1.2 Innovation war wie ein schöner Urlaubstag, der schon am nächsten Tag beim Autotausch von der Realität eingeholt wurde. Ich hatte einen Heiden-Spaß, durch Dahlener, Dübener, Glücksburger und Annaburger Heide zu brausen. Hoffentlich erfährt mein Colt nichts von dieser Liaison. Er hatte nämlich schon recht verstimmt geklungen, als ich mit seinem Gaspedal wieder füßeln wollte. Der Opel Grandland X ist ein SUV mit Spaßfaktor, der wegen des übersichtlichen Gepäckraums von 514 bis 1652 Litern weniger Familien mit zwei und mehr Kindern als Kaufgruppe anvisiert. Freizeitsportler dürften indes voll auf ihre Kosten kommen.

Der Grandland X fühlt sich tatsächlich auch abseits asphaltierter Straßen ganz wohl. Fotos: TZ/ C. Wendt

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