Dienstag, 20. November 2018

 
Dienstag, 17. April 2018

TORGAU

Lustwandeln, wo es summt und krabbelt

Ein Besuch des Triestewitzer Parks gleicht auf Schritt und Tritt einer Entdeckungsreise in den grünen Mikrokosmos. Foto: TZ/Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Triestewitz. Von wegen idyllische Ruhe im Park! Es kribbelt und krabbelt tausendfach zwischen Grashalmen, Wildkräutern und aufblühendem Moos! Zudem zwitschert, schwirrt, surrt, summt und brummt es in der Luft, dass einem die Frühlingsgefühle schier übermannen.

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Fakt ist: Jetzt, wo die Knospen an den Bäumchen und Baumriesen geradezu explodieren, gleicht ein Spaziergang durch den Triestewitzer Park einem überaus spannenden Abenteuer. Nicht von ungefähr verdankt nämlich der Monat April seinen Namen dem lateinischen Wort „aperire“. Das bedeutet so viel wie „öffnen“.

Und tatsächlich: Wer zwischen Stileiche und Maulbeerbaum lustwandelt – oder auf der Bank eine kleine Auszeit nimmt – zum Kuscheln, Tuscheln – oder auch zum Meditieren, sollte sich bewusst sein, dass er oder sie nicht allein ist im scheinbar ruhigen Parkambiente. Hier lassen sich winzige „grüne“ Naturwunder entdecken, die alle gemeinsam ein großes ausmachen: das Werden, Vergehen und Wiedererwachen.

Die Pflanzenwelt erwacht zum Leben. Ihr Mikrokosmos öffnet den Insekten schier unendlichen Lebensraum, darunter auch sehr seltenen Arten. So ist der Triestewitzer Park als überaus lebendiges Wahrzeichen im ostelbischen Land geradezu prädestiniert dazu, die Frühlingstour 2018 der Torgauer Zeitung zu starten.
Mit Cordula Volkmer, Geschäftsstellenleiterin des Landschaftspflegeverbandes Torgau-Oschatz (LPV), und ihrem Kollegen Helmut Wache hat die Heimatzeitung zwei äußerst ortskundige Wegbegleiter an der Seite. Sie tragen maßgeblich mit dazu bei, dass der Park das ostelbischen Land als beliebte Erholungs- und Begegnungsstätte bereichert.

Hier, inmitten der zwitschernden Sinfonie von etwa 20 Vogelarten, finden von Frühling bis in den Herbst hinein klassische Konzerte statt, lauschen Kinder und Erwachsene den „Märchen unterm Eichenbaum“ oder genießen gemütliche Kaffeerunden. Eingeladen wird vom LPV auch zu Vogelstimmenwanderungen und geselligen Spaziergängen. Dass dies möglich sein würde, war vor etwa 15 Jahren eher ein Traum: Die Kommune Arzberg als Eigentümerin des schlossnahen Bereiches war bereits überfordert mit der Unterhaltung, geschweige denn mit dringend notwendigen landschaftspflegerischen Maßnahmen auf der etwa der sieben Hektar großen Fläche.

Die Wiederherstellung des geschichtsträchtigen Areals konnte keineswegs mit Hauruck-Aktionen in Gang gebracht, geschweige denn dauerhaft erhalten werden. Auf Bitten der Arzberger erarbeitete der LPV im Jahr 2004 ein Gartendenkmalpflegerisches Konzept, das dank seiner Schlüssigkeit von der Denkmalschutzbehörde bestätigt wurde.

„Für uns alle war das ein großer Moment. Eingebunden in ein Netzwerk von Gleichgesinnten aus dem LPV, der Gemeinde, der ARGE, dem Ostelbienverein und dem Amt für Ländliche Entwicklung Wurzen begannen wir mit der Arbeit. Die Gemeinde als Eigentümer stellte Werkzeug und Material bereit, die Experten unseres LPVs und der Wurzener Behörde sicherten die fachliche Betreuung“, so erinnert sich Cordula Volkmer. Für Jugendliche gab es teils über ABM und teils in Schulklassen die Möglichkeit, Bildungsangebote im Umweltbereich zu realisieren.

Die gut koordinierten Aktionen hatten ein Ziel, das auch erreicht wurde: Schon 2006 im Rahmen der sachsenweiten Aktion „Frühlingsspaziergänge“ wurde der „frisch“ hergerichtete altehrwürdige Triestewitzer Park der Öffentlichkeit vorgestellt werden – mit respektabler Resonanz. Der überwiegende Teil der bearbeiteten Flächen befindet sich entlang des Koßdorfer Landgrabens im Waldbereich des Parks. Hier hat vor allem eine Insektenart mit dem Namen „Heldbock“ für Wirbel gesorgt. Der „Cerambys cerdo“ ein gehörnter Riese seiner Gattung, im Volksmund auch Großer Eichenbock genannt, wurde in der Vergangenheit fälschlicherweise oft als Holzschädling bekämpft. Er zählt zu den größten, aber auch zu den gefährdetsten Käferarten Deutschlands, lebt „in“ gut besonnten, aber bereits absterbenden Stileichen.

Um seinen Bestand in Sachsen zu sichern, wurden und werden unter Leitung von Helmut Wache Artenschutzmaßnahmen durchgeführt. Dazu mussten auch 120 Bäume, vorwiegend Spitzahorn, gefällt werden. Im Gegenzug wurden zur Erhöhung des Anteils an Eichen 82 Stieleichen gepflanzt. Verstärkte Aufmerksamkeit gilt ebenso dem „Eremit“, einen zwei bis vier Zentimeter großen Blatthornkäfer. Wer mehr über ihn und den Heldbock wissen möchte, sollte vor Ort unbedingt die entsprechenden Informationstafel studieren, oder eine der nächsten Parkführungen besuchen.

Unverkennbar sind beim Spaziergang die sanften Spuren der nachhaltigen Parkpflege zu erkennen. Das ist kein Wunder, sondern größtenteils das Ergebnis einer wunderbaren Zusammenarbeit. Denn sehr zur Erleichterung von Bürgermeister Reinboth und der Gemeinde Arzberg existiert jenes Helfer-Netzwerk der ersten Stunde noch immer – und im besten Fall immerfort.

Gut zu wissen:

Die erste Erwähnung des Ortes Triestewitz geht auf Ulricus de Trestewitz (1267) zurück. Die im 16. Jahrhundert entstandene Parkanlage war mit 16 Hektar einst der größte Park des Landkreises Torgau-Oschatz. In das Pflegekonzept einbezogen sind die schlossnahen Bereiche mit insgesamt sieben Hektar.
Durch landschaftspflegerische Maßnahmen wurden in den vergangenen 15 Jahren alte Strukturen sichtbar gemacht, auch die weiträumigen Sichtachsen hin zu Schloss und Kirche. Neben dem Heldbock-Artenschutzprojekt des LPV konnten Flatterulmen wieder angesiedelt, Kopfweiden gepflanzt, Obstalleen hergestellt sowie Streuobst- und Schmetterlingswiesen angelegt werden.
Das Schloss wird privat genutzt. Eigentümer ist die Familie Pawlik, die im sanierten Ambiente Feriendomizile vermietet.

Bitte vormerken:

Am 5. Mai wird im Triestewitzer Park um 9 Uhr zu einer Vogelstimmenwanderung mit Nils Schulz eingeladen, Treffpunkt ist am Parkeingang.
Am 31. August gibt es ab 18 Uhr wieder „Märchen unterm Eichenbaum“ mit Märchenfee Lia und im Anschluss einen Laternenumzug.


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