Donnerstag, 16. August 2018

 
Donnerstag, 19. April 2018

TORGAU

Mutig Torgaus Wahrzeichen bestiegen

Mit seinen 53 Metern ragt der Hausmannsturm über die komplette Stadt hinausFoto: Mit seinen 53 Metern ragt er über die komplette Stadt hinaus

von unserem Volontär Nick Leukhardt

Auf der einen Seite die Elbe, auf der anderen die wunderschöne Torgauer Altstadt und unter sich das frisch sanierte Schloss Hartenfels. Vom Hausmannsturm hat man wahrlich einen majestätischen Ausblick über Torgau und all seine hübschen Details.

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Torgau. Mit seinen 53 Metern ragt er über die komplette Stadt hinaus und ist damit der höchste Punkt von Schloss Hartenfels. Doch zwei Meter fehlen dem Turm seit Mitte Februar an Höhe. Denn am 13.2. wurde die Turmkugel samt Wetterfahne von der Wurzener Metalldrückerei Müller entfernt. Grund dafür waren Schäden, die durch Sturmtief Friederike Anfang Februar verursacht wurden. Mithilfe eines rund 72 Meter hohen Krans, der am Fuß des Turms, 61 Meter unterhalb seiner Spitze, platziert wurde, hoben Christoph Müller und sein Team Fahne und Kugel herunter, um sie von Grund auf zu restaurieren.

Als die Handwerker die Turmkugel heruntergeholt und sie geöffnet hatten, kamen vier alte Kupferkartuschen zum Vorschein. Begleitet von großem Medienrummel wurden diese von Landrat Kai Emanuel und Thomas Müller von der Wurzener Metallfirma aufgesägt und gaben ihren historisch interessanten Inhalt frei. Jede von ihnen barg eine damals aktuelle Tageszeitung sowie einige Dokumente in sich, die sich mit dem Schloss oder den Baumaßnahmen am Hausmannsturm beschäftigten. 1928, 1933, 1971 und 2000 waren die Jahre, aus denen die vier Kartuschen stammen. In der Kartusche von 1971, die einzige, in der statt einer Torgauer Zeitung ein Exemplar der LVZ lag, war außerdem noch ein Zeichnung der Turmkugel, ein Brief der Arbeiter, die die Turmkugel erneuert hatten und eine Liste mit den Namen der Arbeiter.

Nachdem der Artikel über die Kartuschenöffnung in der Torgauer Zeitung erschienen war, setzte sich tatsächlich einer der Arbeiter von 1971 mit der TZ in Verbindung. Dieter Kaufmann war zu dem Zeitpunkt, an dem die Kugel samt Wetterfahne dort oben reinstalliert wurde, 31 Jahre junger Klempnermeister und erinnert sich noch genau an die Wagnisse, die sie damals eingingen, um diese Arbeit zu verrichten. „So einfach, wie man da heute mit einem Kranwagen hochfährt, war es damals nicht. Das ist kein Vergleich zu damals. Wir mussten uns wirklich Gedanken machen, wie wir die Fahne dort wieder hochkriegen.“

Das erste Problem stellte sich den Arbeitern bereits bei der Einrüstung des Hausmannsturms. Nur die ersten 50 Meter, vom Rosengarten bis zur Aussichtsplattform, wurden mit einem Metallgerüst fest versehen, die letzten 11 Meter waren aus Holz. „Wir mussten einige Sandsteine des Turms austauschen, deshalb die feste Einrüstung. Doch wegen der herausstehenden Aussichtsplattform konnten wir es nur bis dahin aufbauen, das Holzgerüst haben wir dann auf der Plattform aufgebaut,“ erklärt Dieter Kaufmann.

Und die Wetterfahne, 3 Meter lang und 2 Meter hoch, musste irgendwie diese 61 Meter bis an die Spitze des Turms befördert werden. „Einen Kran hatten wir nicht zur Verfügung. Davon gab es bei uns im Gebiet nur ganz wenige. Also mussten wir uns selber Gedanken machen, wie wir das Ding da hoch kriegen.“ Bis zur Aussichtsplattform war eine Seilrolle die Lösung. Daran wurde die Wetterfahne befestigt und Stück für Stück nach oben gezogen. „Das war vielleicht eine Plackerei. Da bei dem Gerüst an den Seiten die Holzbohlen überstanden, musste ich die Wetterfahne immer wieder mit einem Stock wegstoßen, nachdem sie sich an einer Bohle verhakt hatte. Wir durften aber die überstehenden Stücke der Bretter nicht absägen, da man sie später noch einmal verwenden wollte.“

Oben angekommen, standen die Arbeiter dann vor dem nächsten Problem: Wie sollte man die rund 70 Kilogramm schwere Fahne bis an die Spitze des Turms befördern? Das Gerüst reichte gerade einmal bis zum Anfang der Spitze und stand frei. „Dort oben ist immer Wind,“ beschreibt Dieter Kaufmann die Situation. „Und dann war unser Gerüst auch nicht befestigt und mit einem Abstand zum Turm gebaut, weil wir noch an die Kupferteile ran mussten. Das war eine echt wacklige Angelegenheit. Ich habe dann Bohlen auf den Rückenschutz, also den höchsten Punkt unseres Gerüstes gelegt und mich auf diese gestellt. Die waren nicht befestigt und ich hatte dort auch nichts zum festhalten.“

Dort oben stehend bekam er dann von einem Kollegen die Wetterfahne gereicht und musste diese dann noch auf eine Höhe von 1,30 Meter hochheben. „Das Rohr musste senkrecht in den Holzkern gehoben werden. Ich hatte nur einen Versuch, musste sie hochheben und sobald ich über dem Loch war, runterlassen. Wenn ich gemerkt hätte, dass ich das Gleichgewicht verliere, dann hätte es keine andere Möglichkeit gegeben, als die Fahne fallen zu lassen.“ Doch Dieter Kaufmann schaffte es. Er wuchtete die 70 Kilo schwere Fahne hoch und ließ sie in das Loch, dass erst kurz vorher gebohrt worden war, fallen.

„Das mit der Halterung für die Fahne war auch noch so eine Sache,“ erklärt Kaufmann. „Es war gar nicht so einfach, einen Zimmermann zu finden, der sich traute dort hochzuklettern und das Loch in den Holzkern zu bohren.“ Und auch dann Innere des Loches erforderte einige Anstrengung von Kaufmann und seinem Team. „Bevor wir uns an die Turmspitze gemacht haben, war dort oben ein Kugellager drin, in welchem sich die Wetterfahne drehen konnte. Das war allerdings ziemlich lädiert und so entschlossen wir uns, es auszutauschen.“ Damit das neue Kugellager allerdings nicht wieder innerhalb der nächsten Jahre hätte ausgetauscht werden müssen, entschied man sich für eine andere Lösung. Es wurde ein Rohr in den Holzkern der Spitze eingesetzt und mit Blei ausgegossen. Unten kamen Glaskugeln hinein und die Wände des Rohres wurden mit Hydrauliköl beschmiert. In dieses Rohr konnte dann die Stange der Wetterfahne eingelassen werden und sich darin dann frei drehen. Diese Konstruktion verewigte Dieter Kaufmann anschließend übrigens auch mit einer Zeichnung, die letzten Endes ihren Weg in die Kupferkartusche in der Turmkugel fand.

Und nicht nur die Halterung wurde damals komplett neu gemacht, auch die Wetterfahne selbst wurde 1971 von Dieter Kaufmann und seinen Kollegen komplett neu gemacht. „Wir haben damals nur das Blech gekriegt, alles andere haben wir selbst gemacht. Wir haben uns an der alten Fahne orientiert und teilweise nachgebaut. Die alte war abgeknickt und nicht mehr zu gebrauchen,“ erinnert sich Dieter Kaufmann.

Heute ist der Klempner- und Installateurmeister 78 Jahre alt und genießt seinen wohlverdienten Ruhestand in Torgau. Die von ihm gegründete Firma DoMo GmbH in Dommitzsch führt mittlerweile sein Sohn Henry, Dieter Kaufmann springt nur ab und zu ein, wenn mal Not am Mann ist. „Solche Manöver wie damals vollführe ich natürlich heute nicht mehr“, erzählt der Rentner schmunzelnd. „Aber mit meiner Erfahrung beim Lösen komplizierter Probleme stehe ich manchem jungen Kollegen immer noch gern zur Seite.“

Gut zwei Monate ist es nun bereits her, dass die Turmkugel des Hausmanns-
turms durch die Wurzener Firma Müller entfernt wurde. Doch bis sie dort wieder angekommen ist, stehen noch einige Arbeiten an. „Es ist auf jeden Fall im Werden, aber ein bisschen Zeit brauchen wir noch,“ verrät Thomas Müller.
So musste die Firma unter anderem die Turmstange erneuern, der Kugel neue Stutzen verpassen und die Fahne neu vergolden. Und auch der Lagerung der Wetterfahne wird sich von den Metallarbeitern angenommen.

Im Gegensatz zur Konstruktion von Dieter Kaufmann und seiner Kollegen wird die Lagerung mit einem so genannten „überlappenden Rohr-an-Rohr-Stystem“ gelöst. „Das kann man sich vorstellen wie bei einer Dachrinne,“ erklärt Thomas Müller. Ein Rohr wird auf das nächste gesteckt und bildet damit eine verhältnismäßig wartungsarme Lagerung. In die alte konnte immer wieder Wasser eindringen.“
Mitte Mai sollen dann Kugel und Fahne oben auf dem Hausmannsturm platziert werden. Und natürlich werden dann auch die vier alten Kupferkartuschen mit ihrem Originalinhalt dort oben mit platziert. Mitsamt einer Fünften versteht sich. Was in dieser genau platziert werden soll, steht zwar noch nicht genau fest, ein Exemplar der Torgauer Zeitung ist aber auf jeden Fall mit dabei.


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