Samstag, 15. Dezember 2018

 
Samstag, 28. April 2018

DOMMITZSCH

"Wir sind manchmal betriebsblind"

Bürgermeisterin Heike Karau vor einem großen Stadtplan in ihrem Dienstzimmer. Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Im großen TZ-Bürgermeister-Interview spricht Heike Karau über Trossiner Missverständnisse, steigende Geburtenzahlen, Arbeitsplätze, Großprojekte, Chancen und Visionen.

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TZ: Hand aufs Herz: Wollten Sie die Gemeinde Trossin klammheimlich einverleiben?
H. Karau:
Also ich finde es sehr schade, dass ein gutes Konzept für die Stadtentwicklung im Trossiner Wahlkampf so zerstückelt und in Misskredit gebracht wurde. Es war nie und nimmer unser Ansinnen, jemanden einzugemeinden. Das Konzept ist ganz wichtig für das Grundzentrum Dommitzsch, von dessen Status ja auch Elsnig und Trossin profitieren.

Aber irgendwie fühlten sich die Einwohner der Nachbargemeinde doch überrumpelt.
Wir hatten 2017 kein Stadtentwicklungskonzept mehr, das für Fördermittel so wichtig ist. Das vorherige war schon 2014 ausgelaufen und bei einem Besuch in Dresden wurden wir mit dem KSP-Programm vertraut gemacht, das für Dom-mitzsch und die Verwaltungsgemeinschaft wie zugeschnitten ist. Eine interkommunale Zusammenarbeit gilt als Voraussetzung. Wir brauchten also von Trossin und Elsnig vor allem die ideelle Zustimmung: Jawohl, wir wollen Dom-mitzsch als unser Zentrum stärken! Ja, wir arbeiten zusammen! Der Freistaat will ja den großflächigen ländlichen Raum wieder mehr unterstützen.

Und da war die Zusammenlegung der Bauhöfe gleich ein Ansatzpunkt?
Nein, es ging um Synergie-Effekte. Wir wollten, dass mit Hilfe des Konzeptes die Sanierung des Landambulatoriums großzügig gefördert wird. Hier befinden sich zwei Allgemeinmediziner, Zahnarzt, Bibliothek, Physiotherapie... der Keller ist noch leer. Die Vision war, zumindest schon einmal die Bedingungen zu schaffen, dass hier vielleicht mal in 10 oder 15 Jahren ein gemeinsamer Bauhof unterkommen könnte. Es ging darum, das Gebäude jetzt allumfassend zu sanieren. Wir wollten aber niemandem den Bauhof wegnehmen und schon gar nicht Trossin eingemeinden. Die Trossiner sollten auch nichts bezahlen.

Der Komplex Grundschule/ehemalige Mittelschule ist auch ein Punkt, auf den sich die Blicke in Dommitzsch richten!
Das stimmt. Wir wollen die Grundschule energetisch sanieren, Dach und Fassade erneuern. Außerdem möchten wir den Hort in das frühere Mittelschulgebäude auslagern, weil die Kita aus allen Nähten platzt. Parallel dazu laufen die Untersuchungen, ob in dem Haus noch andere Sachen untergebracht werden können. Und das Areal dahinter lässt sich vielleicht mit einem Mehrgenerationenpark aufwerten, wo sich jung und alt treffen und gemeinsam Zeit verbringen.

Die Kita hat einen guten Zulauf?
Ja, wir erleben gerade gute Geburtenjahrgänge. Von den 157 genehmigten Plätzen sind 153 belegt, Krippe und Hort sind mit 24 beziehungsweise 65 Kindern total voll. Hatten wir vor fünf Jahren lediglich 126 Kinder in der Einrichtung, sind es jetzt 153. Und durch die neuen Eigenheimstandorte möchten wir noch mehr junge Familien nach Dommitzsch ziehen.

Die Demografie-Studie spricht eigentlich eine andere Sprache!
Mag sein. Aber wir erleben gerade eine Welle, dass viele junge Leute die Lebensqualität auf dem Lande wieder für sich entdecken. Die Erkenntnis, dass man hier auch toll leben kann. Wir haben viele Rückkehrer. In den Ortsteilen stehen kaum noch Häuser leer. Dommitzsch muss sich nicht verstecken: Wir haben eine gute Kita, Grundschule, Ärzte, alles. Die Lebenshaltungskosten sind viel niedriger als in der Großstadt und das Leben insgesamt beschaulicher. Man sieht es auch in der Grundschule. Wir haben jetzt 132 Schüler, davon 42 Erstklässler. Tendenz: leicht steigend. Das würde sogar wieder für eine zweizügige Oberschule reichen.

Belgern macht es vor!
Ja, das würde mir auch vorschweben. Eine freie Schule! Liebend gerne würde ich mit einem freien Träger ins Gespräch kommen. Viele Eltern wären begeistert, wenn sie ihr Kind nicht mehr früh mit dem Bus nach Torgau schicken müssten. Auch die Vereine würden profitieren, wenn die Schüler nachmittags wieder da sind. Die Millioneninvestition bei Vandemoortele, mit 200 Mitarbeitern größter Arbeitgeber, macht riesige Hoffnung. Hier wird in den nächsten Jahren ein Generationswechsel erfolgen und es ist damit zu rechnen, dass noch mehr jüngere Familien nach Dommitzsch kommen. Wir sind auf einem aufsteigenden Ast. Die Talsohle ist vorbei. Wir haben in den letzten Jahren viele Pläne und Konzepte gemacht. Jetzt beginnt die Umsetzung.

Frau Karau, Sie wirken ja regelrecht euphorisch …
Es sind viele Dinge, die man sehen muss: Auch die Polizeischule ist eine wahnsinnige Chance für die Stadt. 3500 bis 4000 Personen kommen jährlich meist für zwei bis drei Tage, was etwa 10 000 Übernachtungen ausmacht. Die Beamten gehen hier einkaufen, abends in ein Lokal, sehen sich die Region an. Das sollte man besser nutzen. Wir haben hier einige überregionale Besonderheiten, den Biohof von Landwirt Barthel oder die Alpaka-Ranch zum Beispiel. Wir wissen es nur alles zu wenig zu schätzen. Zum Glück haben wir mit dem Restaurant „Schmidtalien“ und der Gaststätte Wörblitz ein paar gute Lokalitäten. Selbst die Gaststätte „Stadt Potsdam“ hat einen neuen engagierten Betreiber, der sogar Tanzveranstaltungen auf dem Saal durchführt. Die Polizeischule plant übrigens auch eine neue Großinvestition.

Trotzdem fehlt es an Arbeitsplätzen für junge Leute in der Region, oder?
So schlecht stehen wir gar nicht da. Es sind über 200 Gewerbetreibende angemeldet. Wir haben über 25 kleinere und mittlere Firmen, die allein im Stadtgebiet über 550 Arbeitsplätze sichern. Aber es stimmt: Für unser Gewerbegebiet in der Dübener Straße wollen und müssen wir offensiver werben. 30 000 Quadratmeter Fläche stehen zur Verfügung. Vieles ist denkbar. Ein Tischler oder Dachdecker, der sich mit Werkstatt, Lager und Wohnhaus niederlässt zum Beispiel.

Dennoch wirkt die Stadt oft ziemlich verschlafen!
Auch hier trügt der Schein. Wir haben knapp 25 Vereine, in denen mehr als 1300 Mitglieder angemeldet sind und die sind ziemlich aktiv. Das konnte man beim Frühjahrsputz in Dommitzsch und Wörblitz sehen oder beim Tag des offenen Denkmals. Ich freue mich über jede Initiative. Das 35. Gänsebrunnenfest in diesem Jahr wird ein richtiger Höhepunkt. Die Privilegierte Schützengilde organisiert einen historischen Markt und ein Feuerwerk und wir wollen diesmal einen besonders langen Festumzug auf die Beine stellen. Wer Interesse hat und über Oldtimer oder andere originelle Fahrzeuge verfügt, kann sich gerne noch bei uns anmelden. Und bei der letzten Stadtratssitzung haben wir wieder eine Förderung der Vereine beschlossen. Wir müssen es – glaube ich – noch lernen, unsere Werte geschickter zu vermarkten und das was wir haben, besser zur Schau zu stellen.

Sie spielen wohl damit ein bisschen auf die Grundzentrum-Debatte an?
Ja, sicherlich. Ich werde mit aller Kraft um diesen Status kämpfen, weil er für Fördermittel so wichtig ist und ich sehe nicht, dass wir hinter den anderen Kommunen hinterherhinken. Wir haben Kontakt zu Bad Schmiedeberg aufgenommen zwecks einer intensiven Zusammenarbeit und innerhalb des Städtebundes arbeiten wir sowieso auch mit den anderen Nachbargemeinden wie Prettin/Annaburg zusammen. Wir müssen es allerdings schaffen, dass der Bus endlich bis über Greudnitz hinaus in Richtung Wittenberg fährt oder dass zumindest ein Anschluss möglich ist.

Die Schienen der Elblandbahn führen in diese Richtung!
Zu dem Thema möchte ich mich jetzt nicht so umfassend äußern. Der Verein zeigt einen riesigen Enthusiasmus und ist dabei, das Bahnhofsgebäude zu einer touristischen Perle auszubauen. Vielleicht könnte ein touristischer Bahnverkehr auf kleinen Streckenabschnitten zur Attraktion werden. Aber den Ausbau des gesamten Gleisbettes für einen regulären Zugverkehr wird der Verein finanziell nicht stemmen können. Wir haben gerade die gesetzlichen Anforderungen gesehen beim Ausbau des Bahnüberganges in der neuen Gewerbestraße.

Frau Karau, zum Abschluss noch ein paar Stichworte mit der Bitte um kurze Antwort: Elberadweg!
Bringt in den Sommermonaten unheimlich viele Touristen in die Stadt. Auch hier sind wir oft betriebsblind und machen viel zu wenig draus, was Werbung und Vermarktung betrifft. Denn schließlich bieten wir auch circa 50 bis 60 Betten in Pensionen und Ferienhäusern an.
Waldbad!
Wunderbare Attraktion. Die Saisoneröffnung ist bald. Wir wollen nächstes Jahr den Zulauf für das Wasser grundhaft erneuern.

Campingplatz!
Bei Dauercampern und Radtouristen beliebt. Ich war erst neulich da und habe mit der Betreiberin gesprochen.

Tonwaren-Fabrik!
Das Grundstück gehört nicht der Stadt. Aber der Besitzer will das Areal wohl abgeben. Wir können gerne vermitteln.

Wohnblock Straße des Friedens!
Wir hätten die Ruine damals gerne abgerissen. Im Moment haben wir viele andere Schwerpunkte. Aber es gibt sogar einen Interessenten, der vielleicht etwas entwickeln möchte.

Bürgermeister Trossin!
Auch mit Herrn Schröder wird es eine gute Zusammenarbeit geben. Man kennt sich ja schon lange aus den gemeinsamen Sitzungen des AZV.


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