Sonntag, 27. Mai 2018

 
Dienstag, 15. Mai 2018

DOMMITZSCH

"Ein riesiger Zufall spielte uns in die Hände"

Links: So fing es an: Gernot und Inge Seeger in den 90er Jahren zur Eröffnung. Das Taxi im Hintergrund fuhr in Leipzig Werbung. Rechts: Staffelübergabe: Inge Seeger übergibt symbolisch einen Kochlöffel an Alexander Sommer aus Leipzig. Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dahlenberg. Ein normaler Dienstagvormittag im Mai. 22 Einwohner hat der Dahlenberger Ortsteil Hachemühle offiziell nur. Und trotzdem herrscht hier irgendwie Leben.

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Selbst zu dieser frühen Stunde. Kindergruppen aus dem benachbarten Ferienlager Großkorgau spazieren durch die Siedlung, in den Vorgärten wird gepflanzt und gewerkelt, die Postfrau trägt gerade Briefe aus.

Vor dem Waldhotel „Zur Hachemühle“ ein ähnliches Bild. Auch hier herrscht geschäftiges Treiben. Nicht nur, weil sich heute der TZ-Redakteur zu Besuch angemeldet hat. „Im Sommer ist hier immer etwas los“, sagt Inge Seeger. Viele Großstädter haben dieses idyllische Fleckchen Erde inzwischen für sich entdeckt. Die Bungalow-Siedlung „Steinerts Plan“ nahm seit Errichtung des Stausees in den 70er Jahren eine erstaunliche Entwicklung.

Im Waldhotel selbst ist gerade eine Ära zu Ende gegangen. Inge Seeger hat das Traditionshaus, das sie nach der Wende gemeinsam mit ihrem Mann Gernot aufbaute, an einen Nachfolger abgegeben. Ein junger Leipziger, Alexander Sommer, übernahm am 1. Mai den „Staffelstab“ – in dem Fall symbolisch einen großen hölzernen Kochlöffel. Es war ein Zufall, dass alles so klappte. „Und ich gebe mein Lebenswerk guten Gewissens in beste Hände“, zeigt sich die Hachemühlerin überzeugt, die – wie sie zugibt – am Tag der Übergabe aufgeregter war als der Jungunternehmer selbst.

Jetzt muss auch Alexander Sommer lächeln. Der Messestädter weiß, wie die kleine Bungalow-Siedlung mit den vier/fünf Höfen und Eigenheimgrundstücken ringsum tickt. Seine Großeltern hatten hier ein Wochenend-Domizil. „Schon als kleiner Junge war ich oft zu Besuch und kenne die Örtlichkeiten“, so der 23-Jährige. Durch den Geburtstag der Oma im vergangenen Jahr kam auch der Kontakt zustande. „Mein Vater hatte mit Frau Seeger gesprochen und gehört, dass sie aufhören wollte.“ Familie Sommer kommt aus der Branche. „Mein Vater arbeitet in der Gastronomie, meine Schwester führt ein eigenes Hotel und ich bin gelernter Koch und habe bis April im Leipziger Restaurant „Zum Pferdestall“ gearbeitet“, stellt sich der junge Mann vor. Bei der Eröffnungsfeier kamen über 100 Gäste und Gratulanten.

Das Umfeld ist groß. Rund zwölf Monate liefen die Gespräche zuvor. „Hätte ich die Oma und den Vater nicht gekannt, es wäre für mich ein Grauen gewesen, mein Hotel an einen Fremden abzugeben. So ist es für mich ein riesiger Glücksfall. Viele Gaststätten schließen, weil es nicht gelingt, einen Nachfolger zu finden“, spricht Inge Seeger über ihre Erfahrungen. Sie selbst hatte mit 63 Jahren die Nase voll. Seit Einführung von Hartz 4 wollte niemand mehr im Waldhotel arbeiten. Sie musste in den letzten Jahren fast alles allein bewältigen, selber kochen, putzen, einkaufen und die Buchhaltung stemmen. Ihr Mann half bis zur Rente auf 450-Euro-Basis.

Unterstützung gab es von den zwei erwachsenen Töchtern und Enkeln.
1990 hatten die Seegers mit einem Imbiss und Getränkeverkauf angefangen, 1993 eröffneten sie das Hotel mit anfangs sieben Zimmern, 1997 wurde der alte Kuhstall zu Restaurant, Küche und Büro umgebaut. Viel Herzblut floss in das Grundstück. Der Kundenstamm wurde beachtlich. Zahlreiche Familienfeiern finden hier statt. Touristen, Radfahrer und Urlauber steuern die Hachemühle an. Die Gäste kommen aus Berlin, Chemnitz, Dresden, Leipzig und Halle. „Viele Familien in Mitteldeutschland sind mittlerweile zerrissen, die Kinder leben im Westen. Man trifft sich zu Feiern gerne auf halber Strecke und da ist unser Standort ideal“, lächelt Inge Seeger.

Sie hat in den letzten Monaten alle Buchungen normal weiter geführt, so dass der neue Betreiber einen perfekten Einstieg erlebt. Das 10-Betten-Domizil registriert im Schnitt 400 Schlafgäste im Monat. Alexander Sommer, der momentan noch von Leipzig pendelt, beginnt mit zwei Angestellten und will später noch einen Hausmeister einstellen. Die Seegers haben einige hundert Meter weiter ein Haus gekauft und bleiben der Siedlung Hachemühle gerne treu.


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