Dienstag, 17. September 2019
Dienstag, 15. Mai 2018

TORGAU

Pro Russland, aber nicht pro Frieden

Jürgen Elsässer, Chefredakteur des Compact-Magazins, redete auf der Friedensdemo der AfD. Foto: TZ/ Lindner

von unserem Multimedia-Redakteur Sebastian Lindner

Torgau. Die AfD-Friedensdemo am Elbe Day war hauptsächlich eine Propaganda-Veranstaltung. TZ-Redakteur Sebastian Lindner war vor Ort und berichtet über seine Eindrücke folgendes:

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Als Friedensdemo wurde die Veranstaltung deklariert, die am Abend des Elbe Day auf dem Torgauer Markt von der Alternative für Deutschland (AfD) organisert wurde. 250 Besucher lauschten einer Reihe teils bundesweit Bekannter Redner, wie etwa André Poggenburg als Vorsitzender der sachsen-anhaltischen AfD oder Jürgen Elsässer, Chefredakteur des Compact-Magazins, insgesamt sieben an der Zahl. Allesamt jedoch Akteure, die bisher durch besonderes Engagement für den Frieden aufgefallen sind.

Mit einer Sammelaktion für Schutzwesten für Rettungskräfte – das Thema geisterte zu der Zeit stark durch die Lokalpresse – zu Beginn der Veranstaltung war   der ehrenhafteste Teil des Abends aber auch schon erreicht. Danach glitt die Demonstration für den Frieden in typische AfD-Propaganda ab. Volker Nothing, Kreisvorsitzender der Alternative in Elbe-Elster, sprach als erster Redner direkt von „versifften Lehrkräften“ und „Heuchlern aus der Merkel-Regierung“, die Deutschland „zu Tode tolerieren“ würden. Applaus und Gejohle von den Marktbesuchern nach diesen Worten zeigten nur, dass Frieden hier nicht im Fokus steht.

Frieden als Vokabel in Redner-Inhalten kam wohl erstmals vor, als Poggenburg als nächster Redner den Friedensnobelpreis für Russlands Präsidenten Wladimir Putin forderte, weil jener die westlichen Provokationen hinnehme, ohne zurückzuschlagen. Nicht zu Unrecht kritisierte er die amerikanischen Raketenangriffe auf Syrien aus den Tagen zuvor und fragte bezüglich der Vergeltungsangriffe: „Was hätte denn überhaupt vergolten werden müssen?“

Den Anflug von tatsächlichen Gedanken an den Frieden, die Poggenburg versuchte auch mit „parteiübergreifenden“ Aktionen, die von den etablierten allerdings allesamt nicht unterstützt würden, zu bestärken, ruinierten seine Nachredner. Joachim Keiler aus dem AfD-Kreisverband Dresden verdrehte die deutsche Geschichte in einem seltsamen Historienvortrag zum deutsch-russischen Verhältnis, die Russlanddeutsche Elena Roon, ihres Zeichens AfD-Bundestagskandidatin in Nürnberg, rief der russischen Führung zu: „Seien Sie nicht böse auf uns, wir sind nicht wirklich frei.“ Roon, die sich für eine Verbrüderung zwischen Russland und Deutschland stark machte, stellte sich zudem in die Opferrolle, weil sie ihren Job verloren hatte, nachdem sie in einer internen WhatsApp-Gruppe Bilder von Adolf Hitler gepostet hatte und auf eine Rückkehr des Diktators hoffte. Die Gründe für ihren Jobverlust nannte sie freilich nicht, schob die Schuld stattdessen einfach nur auf die deutsche Regierung, ehe sie zum Abschluss eine Botschaft auf Russisch verkündete, die wohl nur die wenigsten Anwesenden komplett verstanden.

Mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Pasemann aus Magdeburg schloss sich ein Redner an, der von seinen Reisen in den Nahen Osten berichtete. Er betitelte die Berichterstattung über die Syrienkrise in den Medien als „Märchenfassade“. Die syrische Stadt Aleppo liege, anders als den Deutschen immer weis gemacht werde, nicht komplett in Schutt und Asche, nur ein kleiner Teil davon. Die Bevölkerung vor Ort wolle einfach nur in Ruhe gelassen werden und die Flüchtlinge mögen doch bitte zurückgeschickt werden, habe man ihm erklärt. Auch, weil das so überhaupt nicht an die deutsche Bevölkerung weitergegeben werde, seien „80 Prozent der Volksvertreter nicht zu gebrauchen und fühlen und denken nicht Deutsch.“

Danach trat Sandro Oschkinat ans Mikrofon. Der Vorsitzende des Spektrums aufrechter Demokraten (SAD) konnte aber auch nur wenig zu einer Friedensdemo beitragen. Weder der Vergleich zwischen der Berichterstattung des Spiegel-Magazins mit der Propaganda des Dritten Reiches und Joseph Goebbels noch die beleidigten Reaktionen auf falsche Behauptungen von SPD und CDU gegenüber dem Spektrum („Ich behaupte jetzt einfach mal, dass ein nordsächsischer Bundestagsabgeordneter zu Hause immer Strapse trägt“) konnten etwas daran ändern.

Das Niveau als abschließender Redner konnte dann auch Compact-Chef Elsässer nicht heben. Eindeutig islamfeindlich, eindeutig putinfreundlich verunglimpfte er unter anderem SPD-Außenminister Heiko Maas als „Reichsaußenminister“ oder „Außenministerchen“, mehr hatte er aber auch nicht in petto.

Weiße Tauben ließ auch der zwischenzeitliche Marsch der Marktbesucher, angeführt von SAD-Bannern, durch die Torgauer Innenstadt nicht aufsteigen. Merkel muss weg!“ zu skandieren, ist auch nicht der typische Beitrag zu einer Friedensdemo.

Ebenfalls mit vor Ort war das Spektrum aufrechter Demokraten. Dessen Vorsitzender, Sandro Oschkinat, äußert sich in einem Leserbrief ebenfalls zu dieser und der Friedensdemo der DKP.


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