Sonntag, 27. Mai 2018

 
Mittwoch, 16. Mai 2018

DOMMITZSCH

Erinnerungen an mutige Frauen

Bürgermeisterin Heike Karau sowie die Gäste bei der Veranstaltung im Dommitzscher Rathaus. Kl. Bild: Eintrag ins Ehrenbuch. Foto: privat

Presseinfo

Dommitzsch. „Im Oktober 1944 spielten wir auf dem Bauernhof meiner Tante Luise Görschel, Prettin, Gustav-Fischer-Straße 26. Es war Mohrrübenernte. Es lag ein großer Haufen davon auf dem Hof und wir taten uns gütlich daran, wir sechs Kinder.

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Auf der Straße liefen Menschen unter Bewachung vorbei. Sie baten um unsere Mohrrüben. Wir rannten los und holten noch welche vom großen Haufen und verteilten sie an die Männer. Es wurde uns von den Bewachern nicht verwehrt. Als Dank bekamen wir Buntstifte.“

Aufgeschrieben hat diese Erinnerungen Christa Poplat, sie war damals erst acht Jahre alt. Ihr und anderen couragierten Einwohnern, die KZ-Insassen oder Häftlingen auf den Todesmärschen kleine oder größere Hilfeleistungen angedeihen ließen, galt eine besondere Veranstaltung der Interessengemeinschaft (IG) Todesmärsche aus dem Harz. IG-Vorsitzende Ellen Fauser aus Halberstadt und enge Mitstreiter wie Hans Richter aus Wernigerode und Klaus Holz aus Ermsleben (Zeitzeuge) waren dazu in die Elbestadt gekommen.

Als Ingrid Liebau aus Torgau am 27. Januar die TZ mit dem Bericht über die Todesmärsche las, erinnerte sie sich sofort an die Geschichte ihrer Großmutter Elsa Reinboth und schrieb diese auf. Eine Geschichte, die auch Jahrzehnte später große Würdigung verdient. Aus diesem besonderen Anlass lud die Bürgermeisterin der Stadt Dommitzsch, Heike Karau, zu einer weiteren Gedenkveranstaltung ins Rathaus ein. Mit dabei waren auch die Angehörigen der Familie Liebau/Reinboth, der Ortschronist Günter Zöllner, die Prettiner Zeitzeugin Christa Poplat und ihr Mann, Wolfgang sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Ingrid Liebau, geb. Döring wurde im November 1936 in Lutherstadt Wittenberg geboren. Kriegsbedingt war sie im Frühjahr 1945 bei ihrer Großmutter in Dommitzsch. Sie schreibt in ihrem Bericht vom Februar 2018 unter anderem, dass ihre Großmutter als Witwe eine Bäckerei in Dommitzsch, in der Leipziger  Straße führte.

An einem Tag im April 1945 spielte ich mit meinen Freunden auf dem Hof meines Großvaters Karl Macht, Gustav-Fischer-Straße 25, in Prettin. Ein Geräusch, das wir nicht zuordnen konnten –  Schreie, Schlürfen, Murmeln, Kommandos – ließ uns aufhorchen. Wir rannten zur Straße. Eine Menschenmenge, sie waren bekleidet mit gestreiften Anzügen, Käppi, Holzpantoffeln und einer Nummer auf dem Rücken, bewacht von Männern mit einem Gewehr.

Die Menschen baten um Wasser. Elsbeth Ebermann holte gerade Molke von der Molkerei, hörte das Bitten und stellte ihre Kanne mit der Molke an den Straßenrand. Einige Menschen schafften es, etwas Molke zu entnehmen. Sofort war ein Bewacher da, stieß die Kanne um und schlug mit dem Gewehrkolben auf die Menschen ein. Ein paar von ihnen warfen sich auf die Erde und versuchten, noch etwas von der Flüssigkeit aufzunehmen. Auf sie wurde von einem Bewacher eingeschlagen. Frau Ebermann wurde ermahnt, das zu unterlassen.“

„Meine Mutter holte uns von der Straße, für uns war dieses Ereignis zu Ende. Auf Fragen bekamen wir keine Antwort. Wir sahen, dass meine Mutter Tränen in den Augen hatte. Warum?“ Der Urenkel Christian Liebau sowie sein Vater Herr Dr. Liebau berichteten von weiteren Ereignissen, welche ihnen anvertraut wurden. Auch die Zeitzeugin Frau Poplat aus Trossin berichtete von ihren Erlebnissen im Zusammenhang mit dem Todesmarsch der KZ-Häftlinge.

Frau Elsa Reinboth und die anderen „Helfer“schauten nicht weg und verschlossen angesichts des Elends nicht die Augen. Ihnen ist das Ehrenbuch gewidmet: als späte, posthume Würdigung und als Dank für Menschlichkeit und persönlichen Mut!“ wie es Dr. Reiner Haselhoff in seinem Grußwort zu dem Ehrenbuch formulierte.

Alle Anwesenden ehrten und dankten Elsa Reinboth für ihre Zivilcourage und besiegelten diesen Dank mit ihrer Unterschrift im Ehrenbuch. Die Frauen und Männer der Interessengemeinschaft haben es sich zur Aufgabe gemacht, an das Geschehen vor mehr als 70 Jahren zu erinnern und das Gedenken an die Opfer, die auf dem „Todesmarsch“ im April 1945 starben, wach zu halten. 


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