Dienstag, 23. Oktober 2018

 
Donnerstag, 17. Mai 2018

NORDSACHSEN

"Eine leichtsinnige Idee mit schweren Folgen"

Die Artikel über den Storchen-Tod in der TZ-Ausgabe vom Dienstag.Foto: Repro: TZ

von unserem Redakteur Nico Wendt

Tod des Stehlaer Storchennachwuchses erhitzt Gemüter der Region / TZ fragte, wie Kommunen die Genehmigung von privaten Feuerwerken handhaben

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Stehla. Der Tod des Storchen-Nachwuchses in Stehla durch ein Privatfeuerwerk hat für Empörung in der Region gesorgt. Zahlreiche Leser meldeten sich, machten ihrem Ärger Luft oder schilderten ebenfalls unliebsame Erlebnisse.
Das Storchenweibchen hatte in wilder Panik die Flucht ergriffen, als es plötzlich knallte und blitzte. Die Jungvögel starben an Unterkühlung, als das Muttertier dem Nest fernblieb. „Die Verursacher waren bei mir, haben sich entschuldigt. Es tut ihnen unheimlich leid. Mit diesen Auswirkungen hätten sie nie und nimmer gerechnet, als sie bei der Geburtstagsfeier in der Nachbarschaft die Feuerwerks-Batterie abfeuerten.

Es war ihnen nicht bewusst. Und 10 Minuten vorher wurde schon in Blumberg ein ähnliches Feuerwerk veranstaltet“, sagt Peter Siegemund, auf dessen Grundstück der Storchenhorst steht. Als Arzberger Ratsmitglied habe er das Thema gleich am Montag in öffentlicher Sitzung angesprochen. „Problem ist, dass hier in den Orten irgendwann die Information ankam, der Passus sei aus der neuen Beilroder Polizeiverordnung gestrichen worden und solche Feuerwerke sind jetzt genehmigungsfrei. Ich habe befürchtet, dass es soweit kommt“, schimpft Peter Siegemund. Das Storchenweibchen sei noch immer verschwunden.

Beim Ordnungsamt Torgau, das sehr oft mit dem Thema Feuerwerk konfrontiert wird, schüttelt man über diese Aussagen den Kopf. Laut Sprengstoffverordnung dürfen pyrotechnische Gegenstände außerhalb von Silvester nur von den Personen verwendet werden, die einen entsprechenden Befähigungsschein besitzen. Ansonsten ist das Abfeuern grundsätzlich verboten, genau wie der Verkauf außerhalb von Silvester. Zu ganz bestimmten Anlässen können die Kommunen aber Ausnahmen gestatten, zum Beispiel bei einer Hochzeit oder bei einem runden Geburtstag. Schulanfänge und Jugendweihen hätten zum Beispiel in Torgau keine Chance, weil man sich dann vor Feuerwerken in der Stadt nicht retten könnte.

Zudem seien ganz viele Kriterien bei einer Genehmigung zu berücksichtigen. In unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden sei die Böllerei generell nicht gestattet. Laut Torgauer Ordnungsamt werden im Schnitt nur rund 15 private Feuerwerke pro Jahr offiziell bei der Stadt beantragt, davon erhält mindestens ein Drittel eine Absage. 35 Euro kostet die Genehmigung. Eigentlich dürfte laut Sprengverordnung niemand außerhalb von Silvester, der keine entsprechende Befugnis hat, pyrotechnische Erzeugnisse überhaupt besitzen, weil nicht nur der Verkauf, sondern auch das Lagern strengen Auflagen unterliegt.

Es gibt viele Gemeinden in Nordsachsen, die grundsätzlich keine privaten Feuerwerke genehmigen. Allerdings kann das die illegale Böllerei wenig bremsen. Deshalb hält man es in Torgau für ratsamer, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen. Den gleichen Kontext bringt Beilrodes Bürgermeister René Vetter wenig später an. „Feuerwerke sind grundsätzlich verboten, auch wenn nichts dazu in der Polizeiverordnung steht. Wir haben auf den Passus verzichtet, weil es gesetzlich klar geregelt ist“, so Vetter. Ausnahmegenehmigungen spricht die Beilroder Behörde hin und wieder für bestimmte Anlässe aus. Gebühr 31 Euro. Auch die Stadt Dommitzsch erhält im Jahr etwa 10 bis 15 Anträge für kleinere private Feuerwerke (30 Euro Gebühr), die die Behörde in der Regel genehmigt, wenn die nächtliche Ruhezeit und naturschutzrechtliche Belange eingehalten werden und keine Waldbrandgefahr herrscht.

In der Gemeinde Mockrehna wurden im vergangenen Jahr in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde rund zehn Ausnahmegenehmigungen (Kosten 35 Euro) erteilt, wobei es auch Ablehnungen gab, zum Beispiel für den Ort Wildschütz. In der Stadt Belgern-Schildau sind es im laufenden Jahr schon zehn genehmigte private Feuerwerke (40 Euro), wobei vor allem das Forsthaus Dröschkau – prädestiniert für Hochzeiten– eine Rolle spielt. Professionelle Feuerwerker müssen ihre Erlaubnis übrigens beim Landratsamt einholen. Sprecher Peter Stracke: „Die untere Naturschutzbehörde hat den Fall in Stehla zur Kenntnis genommen und ermittelt zusammen mit der Gemeinde. Es gibt einen Erlass des Freistaates Sachsen zum Schutz des Weißstorches, dass in einer Bannmeile von 1 Kilometer rings um einen Storchenhorst kein Feuerwerk zu entfachen ist. Viele Kommunen wirken bei der Genehmigung eng mit uns zusammen, weil wir durch die Zusammenarbeit mit Naturschutzhelfern den genauen Überblick über Horste in der Region haben.“

Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth zeigte sich über das Ereignis in Stehla betroffen. „Es ist traurig, weil der dortige Horst ein Aushängeschild ist, während es uns in Arzberg und Kathewitz nur schwer gelingt, Störche anzusiedeln.“  Aus einer leichtsinnigen Idee sei ein großer Schaden für die Natur entstanden.


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