Sonntag, 16. Dezember 2018

 
Dienstag, 22. Mai 2018

OSTELBIEN

Katzen zum Sterben zurückgelassen

Mit letzten Kräften wollte sich die Katze aus der Wohnung befreien. Leider vergebens. Foto: Privat

Kristin Engel

Arzberg. Einigen Tierschützern bot sich in einer Wohnung in Arzberg ein grauenvolles Bild. Mehrere Katzen waren dort untergebracht, teilweise tot, teilweise dem Sterben nah.

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„Wir konnten die Schreie des Katzenkindes bereits von draußen hören. Wer kann so etwas nur machen? Wer kann seine Tiere einfach so herzlos ihrem Schicksal überlassen?“ Arzbergs Tierheimleiterin Vera M. Besler ist entsetzt.

Ein Bild des Grauens

Am vergangenen Dienstag bot sich ihr und zwei weiteren Helfern ein Bild des Grauens. Nachbarn der Wohnung in einer Gemeinde in Ostelbien hatten den Vermieter informiert. Sie haben Katzen an den Fensterscheiben kratzen sehen, die vergeblich versuchten, ins Freie zu gelangen. Mit der Unterstützung der Gemeindemitarbeiter fuhren Mitglieder des Tierschutzvereins Arzberg umgehend zur angegebenen Adresse.

„Ich war wie ferngesteuert. Ich sah das Chaos, was sich vor uns auftat im ersten Moment überhaupt nicht. Ich suchte verzweifelt das Katzenkind, was ich doch kurz zuvor noch so deutlich schreien gehört habe. Wir entdeckten es, zusammengekauert in einer Ecke des Kratzbaums. Es war so klein. Wir vermuteten, es sei gerade erst geboren wurden, doch als wir erkannten, dass es die Augen bereits geöffnet hatte, war klar, dass es mindestens zehn Tage alt gewesen sein musste.“

 

Katzenkind Francis kämpft noch immer ums Überleben.

 

Weder Essen noch Trinken

Das kleine Tierchen war lebendig, doch kalt. Ein schlechtes Zeichen, denn dies sei ein Merkmal dafür, dass die Organe versagen. Die Wohnung war in einem fürchterlichen Zustand. Überall lagen Gegenstände herum. Batterien kullerten zu Hauf auf dem Boden herum. Und Schokoladen-Papier lag in der ganzen Wohnung verstreut. „Die Katzen hatten weder Essen noch Trinken stehen. In ihrer Not haben sie die Schokolade gefressen, um nicht zu verhungern“, sagt die Tierschützerin. Die Katzentoilette war überfüllt mit Kot. Wie lange kein Mensch mehr diese Wohnung betreten haben mag, sei ungewiss.

Nur noch Haut und Knochen

Sie entdeckten eine grau-weiße Katze völlig verstört unter dem Sofa sitzen. Diese war in einer solchen Panik, dass sie nur mit einem Kescher gefangen werden konnte. Eine zweite mit großen Augen und schwarz-weißem Fell war ebenfalls völlig verängstigt, doch ließ sich ohne größere Schwierigkeiten in die Transportbox verladen. „Beide waren nur noch Haut und Knochen.“ Das schlimmste Bild an diesem Tag bot sich den Tierschützern in einem Nebenzimmer: Eine Katze, deren lebloser Körper auf dem Boden in ihrem Blut klebte. „Sie hatte versucht sich mit letzten Kräften zu befreien. Sie hatte ihre Pfoten blutig gekratzt und die Krallen abgefetzt. Doch vergebens. Sie ist in dieser Wohnung gestorben.“ Die Tierschützer haben bereits viel Tierelend gesehen, doch man sieht ihnen an, dass ihnen das Erlebte sehr ans Herz geht.

Francis ist noch nicht über den Berg

Die Babykatze kam in einer privaten Pflegestelle unter und trägt nun den Namen Francis. Noch ist sie nicht über den Berg, doch das kleine Kitten kämpft tapfer um das Überleben. „Andere Katzenjunge kamen vor wenigen Tagen in der Pflegestelle zur Welt. Doch obwohl Francis schon etwas zehn bis 14 Tage alt sein muss, ist sie trotzdem noch kleiner als die gerade erst geborenen Katzen. Alle halbe Stunde bekommt Francis ein paar Tropfen Aufzuchtsmilch. Viel darf es nicht sein, da sich der kleine Magen erst wieder daran gewöhnen muss, Nahrung zu sich zu nehmen. Ob es noch weitere Katzenkinder in der Wohnung gegeben haben könnte, ist unsicher. Sollte dies jedoch der Fall gewesen sein wird vermutet, dass die erwachsenen Katzen als letzten Ausweg – um nicht zu verhungern – die Kitten gefressen haben könnten.

Wie geht es den beiden Großen?

„Wir haben ihnen erst einmal die Ruhe gegeben, die sie jetzt brauchten. Sie stürzen sich auf ihr Futter und ließen sich mittlerweile sogar zögerlich streicheln. Sie sind Menschen gegenüber sehr misstrauisch. Nun müssen sie unbedingt vom Tierarzt durchgecheckt werden.“

Die Polizei wurde eingeschaltet und das Veterinäramt informiert. Bei letzteren hätte sich Vera M. Besler mehr Interesse gewünscht. „Die Vertretung, die am Telefon war, griff erst zum Stift als ich erwähnt hatte, dass die Öffentlichkeit bereits informiert wurde.“ Im Sozialen Netzwerk Facebook hat die Geschichte hohe Wellen geschlagen. Empörung wurde geäußert. „Wir haben gehört, dass die Person, die die Tiere dort im Stich gelassen hat, im Pflegedienst tätig sein soll. Uns ist bewusst, dass Pflegekräfte dringend gesucht werden, aber man sollte überlegen, ob diese Person für diesen Beruf mit Menschen, die sich zum Teil nicht wehren können, tatsächlich geeignet ist.“

Erstmal aufpeppeln

Nun geht es im Tierheim und in der Pflegestelle erst einmal darum, die überlebenden Tiere wieder aufzupäppeln, sodass sie vielleicht doch noch ein schönes Leben führen können. Derzeit werden viele Katzenkinder geboren. Einige von ihnen haben kein Zuhause. In Pflegestellen werden verwaiste Katzenkinder aufgepeppelt. Wer helfen möchte, kann Aufzuchtsmilch, Toilettenpapier, Küchenrollen, Waschmittel oder Weichspühler im Tierheim Arzberg abgeben. Auch die Tierarztpraxis im Steinweg 2 in Torgau könnte Spenden entgegen nehmen.

Die beiden großen Katzen gewöhnen sich langsam an die Menschen im Heim.
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