Montag, 20. August 2018

 
Mittwoch, 13. Juni 2018

TORGAU

Bundespräsident a. D. besucht Jugendwerkhof

Gabriele Beyler freut sich auf den Besuch von Bundespräsident a.D. Joachim Gauck.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Nun klappt’s also doch noch mit einem Besuch in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof, auch wenn aus Bundespräsident Joachim Gauck mittlerweile ein Bundespräsident a.D. ist.

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Am 21. Juni besucht Joachim Gauck die bundesweit einzige Gedenkstätte, die eine Auseinandersetzung mit dem repressiven DDR-Heimerziehungssystem ermöglicht und an die jugendlichen Opfer des Erziehungssystems erinnert. Sein Ziel ist die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. Die Torgauer Zeitung sprach darüber mit Gabriele Beyler, der Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins der Gedenkstätte.

TZ: Frau Beyler, die Zusage von Herrn Gauck dürfte nach der Absage im Jahr 2015 versöhnen, oder?

Gabriele Beyler: Der Vereinsvorstand hat sich zunächst einmal sehr über diese Nachricht gefreut. Mit seinem Besuch würdigt Joachim Gauck das langjährige ehrenamtliche Engagement des Trägervereins für die gesellschaftliche Aufarbeitung und Wahrnehmung eines dunklen Kapitel der DDR-Repressionsgeschichte und die Schicksale der ehemaligen DDR-Heimkinder als jüngste Opfergruppe des SED-Regimes. Und vielleicht sollte es eben so sein, dass Herr Gauck nicht 2015 sondern nun erst, im 20. Jahr des Bestehens der Gedenkstätte, nach Torgau kommt.

Wie gestaltet sich der Besuch des Bundespräsidenten a.D.?

Bei einem Rundgang durch den Gedenk- und Erinnerungsbereich mit dem ehemaligen Dunkelzellentrakt informiert er sich über das System der DDR-Heimerziehung. Zudem erhält er Einblick in die historisch-politische Bildungsarbeit. Dabei wird er die Gelegenheit nutzen, um mit Schülern des Beruflichen Schulzentrums Grimma, die bereits die gesamte Woche über am bundesweiten Medienprojekt „Grenzgeschichten – crossing borders“ der Stiftung Zuhören in Kooperation mit der Gedenkstätte teilnehmen, ins Gespräch zu kommen. Beim anschließenden Gespräch in kleiner Runde sollen mit der Gedenkstättenführung Erfahrungen, Anliegen und Probleme zum Stand der Aufarbeitung und Anerkennung der ehemaligen DDR-Heimkinder ausgetauscht werden. Im besonderen Fokus steht dabei die bislang fehlende Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in DDR-Heimen und die Ausgrenzung der Betroffenen bei der Vergabe von Hilfeleistungen über den Fonds Missbrauch.

Vielerorts wird schon von einer kritischen Situation gesprochen, die mit dem Auslaufen des Fonds Heimerziehung heraufbeschworen wird...

Auch ich sehe das so. Mit dem Auslaufen und der Schließung der Anlauf- und Beratungsstellen für die ehemaligen DDR-Heimkinder werden wir vor Problemen stehen, denn der Unterstützungs- und Betreuungsbedarf der Betroffenen wird nicht automatisch enden. Schließlich ist zu bedenken, dass der Fonds einen Teil der Betroffenen nicht oder einfach zu spät erreicht hat, um Hilfsangebote und Unterstützung beispielsweise bei der persönlichen Aufarbeitung in Anspruch zu nehmen. Eine persönliche Aufarbeitung von traumatischen Erlebnissen und Erfahrungen im Heim braucht dringend weiter eine gesicherte Begleitung und Unterstützung der Betroffenen.

 

Zusatzinfo

Am 17. November begeht die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof mit einer großen Festveranstaltung ihren 20. Geburtstag. Im Vorfeld wird die Dauerausstellung überarbeitet und ergänzt – beispielsweise mit einer neuen Medienstation im Flurbereich. Zudem soll eine Erweiterung der Ausstellung über das Treppenhaus bis ins 1. Obergeschoss erfolgen.

Für Gabriele Beyler und Bettina Klein, die Vize-Vorsitzende des Trägrvereins der Gedenkstätte, ist das Treffen mit Gauck nicht das erste. Die beiden Frauen hatten 2015 aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz für die Arbeit im Trägerverein verliehen bekommen. Dabei hat Joachim Gauck beide mit der Ankündigung seines ersten Besuches überrascht, der allerdings kurzfristig abgesagt wurde.


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