Sonntag, 16. Dezember 2018

 
Sonntag, 8. Juli 2018

OSTELBIEN

"Ohne zu dramatisieren: Es wird schwer für viele Betriebe"

Geert Brandtner betrachtet die die Früchte seiner Ernte, die in diesem Jahr aufgrund der Tockeheit besonders mickrig ausfallen.Foto: TZ/S. Lindner

von unserem Multimedia-Redakteur Sebastian Lindner

Der Arzberger Landwirt Geert Brandtner sieht aufgrund der Ernteausfälle in Kombination mit niedrigen Preisen eine große Gefahr für die Zukunft der Unternehmen in der Branche.

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Arzberg. Ein warmer Februar, dann ein richtiger Winter. Schon war Ostern – und dann Sommer. „Uns fehlten vier Wochen Vegetation“, fasste Geert Brandtner, Chef der Arzberger Agrargenossenschaft, vor der versammelter Journalistenmeute sowie Sachsens Landwirtschaftsmininster Thomas Schmidt und Wolfgang Vogel, Präsident des Landesbauernverbandes, beim Erntegespräch am Feldrand (TZ berichtete) zusammen. „Trotzdem sind die Bestände eigentlich ganz gut aus dem Winter gekommen und mit ein bisschen Wasser wäre es gar nicht so schlimm geworden“, sagte er.


Das Wasser kam aber nicht. Der letzte größere Regen fiel über den ostelbischen Feldern am 16. Mai. Die nun anhaltende Trockenheit dörrt die ohnehin schon dünnen Böden aus. Lange Trockenphasen habe es zwar schon immer mal gegeben, sagt Brandtner, doch: „Es ist ein außergewöhnliches Jahr.“ Und das nicht im positiven Sinne. Noch nie habe die Ernte hier in der Region schon Mitte Juni begonnen.   Gerste und Raps sind schon vollständig von seinen Feldern verschwunden, insgesamt ist schon mehr als die Hälfte eingebracht.


Miese Ernte


Dabei zeichnet sich ab: Die Erträge sind katastrophal. 22 Doppelzentner Raps haben Brandtners Mitarbeiter eingebracht – normal seien 40. Bei der Gerste wurden 48 Doppelzentner geerntet. Hier liege der Durchschnitt der letzten Jahre bei 65 Doppelzentnern.

„Normalerweise“, so Brandtner, könne ein Gemischtbetrieb wie die Arargenossenschaft Arzberg, der auch Fleisch und Milch produziert, davon noch irgendwie leben. Doch genau dort liegt der Haken. Denn genauso wie die Preise für die pflanzlichen Erzeugnisse sind die Preise für Fleisch und Milch nachwievor am Boden. „Normalerweise gleicht sich das immer irgendwie aus, aber jetzt gerade eben nicht.“ Obwohl Milch gesucht werden würde, steige der Preis nicht. Das sei einerseits „nicht nachvollziehbar“ und andererseits „auch noch deprimierend für die Mitarbeiter.“

 

Futter für die Tiere fehlt


Doch damit war noch nicht einmal das größte Problem angesprochen. Genauso wie das Getreide leiden auch Mais und Grünland unter der Trockenheit. Der Mais kümmert vor sich hin. Und „der erste Schnitt für die Grassilage war zwar qualitativ gut, aber von der Menge her nicht.“ Die Folge: Es fehlt an Futter für die Tiere. „Ich habe große Sorge, dass wir den Tierbestand nicht versorgen können.“ Das Grundfutter für die Rinder sei das Problem, es könne nicht ausreichend Silage produziert werden, um vor allem die Rinder über den Winter zu bringen. Zwar habe sich Brandtner schon von anderen Bauern Maisflächen gesichert, „doch die verschenken das natürlich auch nicht.“ Auch Kraftfutter könne man kaufen, aber das sei teuer.


„Das gerade hat mit Jammern nichts zu tun, es ist eine echte Katastrophe“, erklärte der 64-Jährige. „Dieses Jahr überstehen wir, aber das nächste wird entscheidend.“ Dann malte er ein dunkles Bild an den Horizont: „Ohne die Lage zu dramatisieren: Das wird schwer für viele Betriebe.“


Rundumschlag


In Anbetracht der drohenden Situation redete sich Brandtner richtiggehend in Rage. „Als Landwirt habe ich keinen Einfluss mehr auf das, was ich produziere.“ Damit meinte er das aktuelle Preisniveau  seiner Waren. „Warum werden Lebensmittel verramscht?“, fragte er, um sich sogleich auf ein Thema zu stürzen, dass zuvor Landesbauernpräsident Vogel schon mal angesprochen hatte. Das Insektensterben.


„Es ist eine Frechheit, uns für alles verantwortlich zu machen“, echauffierte sich Brandtner. „Es gibt keine Pestizide, das sind Pflanzenschutzmittel“, räumte er mit seiner Meinung nach falschen Begrifflichkeiten auf. „Wenn wir nichts machen, haben wir Sondermüll auf dem Feld stehen.“ Auch den Tieren in den Ställen ginge es noch nie so gut wie heute. „Und natürlich verwenden wir nicht mehr Antibiotika als nötig.“ Alleine vom finanziellen Aspekt her sei das unsinnig. „Trotzdem sind wir die Prügelknaben der Nation.“


Hilfen vom Freistaat


Nachdem sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, kam ein weiteres Thema auf den Tisch. Wie kann den Landwirten geholfen werden? In einem „Gewerbe unter freiem Himmel“, wie Präsident Vogel es ausdrückte, seien besondere Hilfen von Land und Staat notwendig. Eine sächsische Richtlinie besagt, dass Landwirten mit einem Ernteausfall von mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der letzten drei Jahre etwa 80 Prozent vom Ausfall durch den Freistaat erstattet werden können. Problematisch sei diese Grenzwert aber für Mischbetriebe wie in Arzberg, denn dort fallen Milch- und Fleischproduktion mit in den Wert hinein.


Sorge um den Nachwuchs


Auch Ehrhard Neubauer, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Torgau, sprach von einer Situation, die es in Nordsachsen so noch nie gegeben habe. Im Laufe der Woche wird die Ernte im Kreis, ausgenommen der späten Früchte wie Mais und Rüben, durch sein. Bezüglich der Trockenheit wurde er deutlich: „Mit durchschnittlich 12 Litern Regen von Mai  bis heute ist es eine Dürrekatastrophe.“ Den von Brandtner befürchteten Rückgang beim Tierbestand werde es definitiv geben, einige Bauern hätten das so schon an ihn herangetragen. Darüberhinaus sehe er noch ein ganz anderes Problem: „Für Neueinsteiger, die frisch einen Betrieb übernehmen, ist dieses Jahr ganz schwer, vor allem auch mental.“

 


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