Mittwoch, 26. September 2018

 
Donnerstag, 12. Juli 2018

TORGAU

Unterwegs auf Torgaus Straßen

In Torgau Nordwest wird sich Pascal Iberl die meiste Zeit aufhalten. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Volontär Nick Leukhardt

Torgau. Pascal Iberl ist seit Juli Torgaus neuer und einziger Streetworker. Der gebürtige Schwabe hat sich hohe Ziele gesetzt und möchte vor allem in Torgau Nordwest viel verändern.

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Dass junge Menschen für ihren Traumjob aus unserer Region wegziehen, ist dieser Tage fast schon normal. Dass jedoch jemand nach Torgau kommt, um hier seine berufliche Zukunft zu verwirklichen, das gibt es selten. Und noch seltener gibt es Menschen wie Pascal Iberl, die ans andere Ende von Deutschland ziehen,  um sich dort mit den Problemen der Menschen auseinanderzusetzen und diese zu lösen. Doch für den gebürtigen Schwaben ist das ein absoluter Traumjob und genau deshalb hat er sich dazu entschlossen, seine nächsten Lebensjahre als Torgaus einziger Streetworker zu verbringen.

Auf der Straße unterwegs

Zwei Wochen ist Pascal Iberl nun bereits im Dienst. Angestellt ist er bei dem Entschieden-für-Christus-Verband, welcher auch die beiden Jugendcafés Blue Moon und Chill Out verwaltet. Doch diese sind nicht seine Hauptanlaufstellen. Denn seine Arbeit findet nicht in irgendeiner Einrichtung statt, sondern er ist, wie es der Name Streetworker (engl. Straßenarbeiter) schon sagt, auf offener Straße unterwegs. „Bei meiner Arbeit geht es vor allem darum, die Leute dort zu erreichen, wo sie sich am meisten aufhalten. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass Jugendliche, wenn ihnen langweilig ist, von selbst in einen Jugendclub gehen. Man muss selbst die Initiative ergreifen und auf sie zugehen.“
Dabei geht es Pascal Iberl jedoch nicht nur um die reine Bespaßung der Jugendlichen. Er möchte weitergehen, Probleme erkennen und wirklich etwas für die Menschen erreichen. „Ich habe mir das Ziel gesetzt, den sozial Schwächeren hier in Torgau eine Perspektive zu zeigen. Ihnen klar zu machen, dass sie genauso wertvoll sind wie alle anderen. Ich habe hier die Chance, die Zukunft der Menschen zu beeinflussen und die muss ich natürlich nutzen.“

Nordwest braucht meiste Hilfe

Als Hauptarbeitsplatz hat er sich dafür den Stadtteil Torgau Nordwest ausgesucht. „Ich kenne mich zwar selbst noch nicht so gut in Torgau aus, habe aber von mehreren Seiten gehört, dass dort die Hilfe eine Sozialarbeiters auf der Straße am dringendsten benötigt wird.“ Doch natürlich wird er auch in anderen Stadtteilen Torgaus unterwegs sein und für alle Bürger Ansprechpartner sein. Allein schon, weil sich sein Büro in den Räumlichkeiten des Jugendcafés Blue Moon in der Puschkinstraße befindet, wird er sich auch öfter mal in der Innenstadt aufhalten.

Ursprünglich wollte Iberl, welcher in Weingarten bei Ravensburg Soziale Arbeit auf Bachelor studiert hat, Kinder- und Jugendtherapeut werden. Doch als ihn eine schwere OP für längere Zeit während des Studiums außer Gefecht setzte, fasst er den Beschluss, direkt in die Praxis zu gehen anstatt noch weiter zu studieren, um sich den für den Therapeuten-Job nötigen Master-Abschluss zu holen. „Nachdem ich meinen Bachelor fertig hatte wollte ich einfach nur raus aus dem Trott und meine Zeit mit etwas sinnvollem verbringen, was mich und andere Menschen glücklich macht.“

Eine echte Herausforderung

Und eine wahre Herausforderung hat der 24-Jährige in Torgau auch gefunden. Denn er kommt mit keinerlei Berufserfahrung daher und hat bei seiner Arbeit im Grunde komplett freie Hand. „Klar, mit solch einer Eigenständigkeit klarzukommen ist nicht einfach. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich auch eine tolle Chance für mich, das zu machen was ich für das Beste halte und mir nicht von irgendjemandem reinquatschen zu lassen. Ich sehe mich der Herausforderung absolut gewachsen und freue mich auf die kommende Zeit.“

In dieser hofft er, so gut wie möglich Netzwerke knüpfen zu können. Darauf komme es bei der Arbeit als Streetworker an, mehr als alles andere. „Es geht darum, Beziehungen zu den Menschen aufzubauen, die so tragfähig sind, dass dort Vertrauen entsteht. Ich möchte mich integrieren, die Leute kennenlernen und ihnen dann bei ihren Problemen, mit denen sie auf mich zukommen, helfen.“
Und dafür nimmt sich Pascal Iberl auch gern Zeit, teilweise auch über seine regulären 38 Wochenstunden hinaus. Denn sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag und Abend ist der gebürtige Schwabe mit netzwerken beschäftigt.

„Vormittags bin ich bei verschiedenen Behörden und anderen offiziellen Ansprechpartnern. Auch hier sind gute Kontakte enorm wichtig, da ich allein natürlich nur bedingt Probleme lösen kann. Am Nachmittag und Abend bin ich dann auf der Straße unterwegs. Ich spreche Jugendliche an, versuche mich in ihre Gruppen zu integrieren und so das Vertrauen zu gewinnen.“

Fluch und Segen

Sein Alter sei dabei Fluch und Segen zugleich. „Dadurch, dass ich erst 24 bin, erkennen mich die Jugendlichen viel eher als einen Teil von sich an. Aber auf der anderen Seite muss man natürlich auch immer aufpassen, dass man trotz allem eine gewisse Distanz wahrt. Denn am Ende des Tages ist das eben meine Arbeit und nicht mein Privatleben. Und das möchte ich ungern vermischen.“

Pascal Iberl hat große Pläne für Torgau. Er möchte Menschen helfen, Leben verändern und Probleme lösen. Und das auch noch für eine ganze Weile. „Mindestens bis ich 30 bin“, sagt der Junge man schmunzelnd. Ob das nun ein Witz oder ernst war, weiß er selbst noch nicht. Drei Jahre möchte er aber definitiv in Torgau bleiben. „Ansonsten bringt das ganze netzwerken nichts. So etwas braucht Zeit und die nehme ich mir. Mal sehen, was dann daraus entsteht.“

 

Kommentar

 

TZ-Volontär Nick Leukhardt

Das Wichtigste: Nachhaltigkeit

Es ist eine wahrlich große Chance, die Torgau mit dem Streetworker Pascal hier bekommt. Das Torgau Nordwest dringend Hilfe benötigt, dass weiß man schon lange. Und auch, dass diese Hilfe nicht ausschließlich nur aus Bastelangeboten und Hüpfburgen bestehen kann. Mit der Einstellung eines Streetworkers geht man nun endlich den Schritt, der schon längst überfällig ist. Nicht nur, weil solch ein Angebot in erster Linie die Leute abholt, an die man sonst sehr schwer herankommt, sondern vor allem auch, weil man damit einen Impuls gibt und zeigt: „Wir haben dich nicht vergessen, Torgau Nordwest“.

Das Wichtigste jetzt ist definitiv, sich nicht in zu seichte Gewässer treiben zu lassen. Es darf nicht nur beim lapidaren Fußballspielen mit ein paar Jugendlichen bleiben, sondern es müssen auch die harten, schwierigen Fälle und Probleme angegangen werden. Und das nicht nur auf kurze Sicht, sondern tatsächlich nachhaltig. Doch hier hat Pascal Iberl bereits angekündigt, dass er durchaus in genau diese Richtung denkt. Er möchte sich nicht nur so gut wie möglich vernetzen, sondern tatsächlich auch politisch aktiv werden. Er hat vor, sich für ein Gremium von der Jugend für die Jugend einzusetzen und das sind ja wohl mehr als gute Nachrichten. Ich bin mehr als überzeugt, dass Pascal Iberl genau der ist, den Torgau und vor allem Nordwest im Moment braucht und bin gespannt, wie es nun mit dem Projekt „Streetworker“ weitergeht.

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