Montag, 15. Oktober 2018

 
Mittwoch, 8. August 2018

TORGAU

"Es muss etwas passieren, um die Betriebe am Leben zu erhalten"

Die Kühe von Elke Neubert bekommen bereits für den Winter vorgesehenes Futter.Foto: TZ/Perz

von unserer Volontärin Elisa Perz

Beckwitz. Elke Neubert, die Inhaberin des Walkmühlenhofs in Beckwitz, muss ihre Tiere aufgrund der Trockenheit und dem damit verbundenen Futterverlust schon mit Reserven für den Winter versorgen.

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Bereits im Laufe der nächsten Woche wird Elke Neubert die Hälfte ihrer Absetzer, also der in diesem Frühjahr geborenen Kälber, verkaufen müssen. Das geschieht normalerweise erst im September. Doch die Fleischrind-Absetzerpreise seien schon jetzt niedriger als im vergangenen Jahr, erklärt die Inhaberin des im Haupterwerb geführten Landwirtschaftsbetriebes Walkmühlenhof in Beckwitz.„2017 bekam man für 200 Kilo Lebendgewicht eines Bullen 750 bis 780 Euro, in diesem Jahr sind es bisher 700 Euro und die Preise werden sicherlich noch weiter fallen. “

Die Trockenheit in den letzten Wochen hat das Futter für die Tiere verknappt und es wächst nichts nach. Die Landwirtin hält momentan 35 Kühe und musste bereits am 20. Juni das erste Mal auf Futterreserven, die eigentlich für den Winter vorgesehen sind, zurückgreifen. „An diesem Punkt befinde ich mich sonst erst im August. Glücklicherweise standen mir in diesem Jahr noch Ressourcen aus den Vorjahren zur Verfügung, sonst sehe es ganz schwarz aus. Sollte es in den nächsten Wochen noch einmal regnen, könnte ich den Winter überstehen. Ungeachtet dessen habe ich mich schon anderweitig um Heu gekümmert und werde sicherlich mehr Kühe als sonst zum Schlachter geben “, sieht Elke Neubert den Tatsachen ins Auge. Die Herde möchte sie nichtsdestotrotz auf jeden Fall behalten: „Andernfalls wären 20 Jahre Zuchtarbeit für immer verloren.“

Daher sehnt sie sich den Regen einerseits herbei, hat andererseits aber auch Angst: „Der Boden ist im Moment viel zu trocken und würde das Wasser höchstwahrscheinlich gar nicht aufnehmen. Dadurch besteht bei einer großen Regenmenge die Gefahr eines Hochwassers.“ Nichtsdestotrotz brauchen die Pflanzen das Wasser zum Wachsen. In den letzten Jahren befanden sich die Walkmühlenhof-Inhaberin und ihre beiden Mitarbeiter, der Landwirtschaftsmeister Rico Schneider und der ausgebildete Landwirt Sebastian Haseloff, zum jetzigen Zeitpunkt mitten in der Ernte, hatten auf den 210 Hektar Land ordentlich zu tun. Doch nun ist die Ernte schon seit zwei Wochen zu Ende. „Ich muss bestimmt mehr als 30 Prozent Verlust verbuchen“, schätzt die Torgauerin ein, die neben Buchweizen und Sandhafer auch Raps, Luzerne, Weizen, Gerste, Phazelia und Roggen anbaut. Schon der erste Schnitt auf den Wiesen im Frühjahr sei schlechter ausgefallen als gewöhnlich. „Der zweite Schnitt brachte so gut wie gar keine Erträge. Sollte es in den nächsten Tagen regnen, gelingt mit viel Glück noch die Buchweizenernte. Aber selbst wenn: Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die richtigen Probleme zeigen sich erst 2019.“ Schließlich beginnt bei manchen Pflanzensorten bald schon das Aussäen für die nächste Saison. Bleibt es weiter so trocken, sieht es für jene Ernte schlecht aus. Deshalb ist Elke Neubert klar: „Obgleich wir diesen Winter überstehen, kann ich für das kommende Jahr nichts garantieren. Vor allem, falls uns ein knapper, strenger Winter und wieder so ein heißer Sommer erwartet.“  

Sie wünscht sich, dass die Arbeit der Landwirte mehr Anerkennung sowie mehr Wertschätzung in der Gesellschaft erfährt. Ein erster Schritt in diese Richtung seien angemessene Preise der Agrarprodukte, sagt sie. Egal ob auf Fleisch, Milch, Eier oder andere Erzeugnisse bezogen. „Wenn es nicht anders geht, bin ich auch dafür, einen Notstand auszurufen. Immerhin sind mehrere Wirtschaftszweige betroffen und auf diese Weise gäbe es wenigstens eine Ausgleichszahlung für die durch die Trockenheit entstandenen Ausfälle. In jedem Fall muss etwas passieren, um die Betriebe und die Tierbestände am Leben zu erhalten.“


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